Ukraine-Konflikt droht globale Gaskrise zu eskalieren: “Preise könnten explodieren

Von Olga Samofalowa

In den letzten Tagen hat die Ukraine mehrfach Drohnenangriffe auf die Gaspipelines „TurkStream“ und „Blue Stream“ verübt. Bislang konnte Russland alle diese Attacken abwehren. Sollten die Versuche Kiews jedoch erfolgreich sein, stünden sowohl die Türkei als auch europäische Länder wie Ungarn, die Slowakei und Serbien schlagartig ohne russisches Pipelinegas da. Die Auswirkungen wären sogar auf dem Weltmarkt spürbar.

Das Ziel des Kiewer Regimes ist offensichtlich: Es will den Transport von über 40 Milliarden Kubikmetern Gas durch diese Leitungen komplett zum Erliegen bringen. Daher zielen die Drohnenangriffe nicht nur auf die oberirdischen Pipelines, sondern gezielt auf die Kompressorstationen. Während ein beschädigtes Gasrohr in der Regel innerhalb weniger Tage ausgetauscht werden kann, würde die Zerstörung einer Kompressorstation mit ihren hochkomplexen Gasturbinen Reparaturen über viele Monate notwendig machen. Besonders kritisch ist die Situation bei der „Blue Stream“: In der Station „Beregowaja“ kommt eine Hochleistungsgasturbine des US-Herstellers General Electric zum Einsatz, für die es derzeit keinen gleichwertigen Ersatz gibt.

Die reale Gefahr besteht somit in einem monatelangen Lieferstopp für russisches Gas über diese wichtigen Routen.

Bereits seit Februar hat das Kiewer Regime zudem den Transport von russischem Öl nach Europa unterbunden. Nun scheint es auch Ungarn und der Slowakei das Gas entziehen zu wollen – ohne Rücksicht darauf, dass es damit auch die eigene Bevölkerung trifft. Denn die Ukraine bezieht seit Anfang letzten Jahres Gas aus Nachbarländern, darunter eben aus der Slowakei und Ungarn. De facto kauft sie damit russisches Gas weiter ein. Diese Importe beliefen sich im vergangenen Jahr auf bis zu drei Milliarden Kubikmeter. Für Ungarn und die Slowakei ist Russland jedoch der einzige und damit unverzichtbare Lieferant.

Würden die russischen Lieferungen gestoppt, könnten sie der Ukraine physisch kein Gas mehr anbieten. Dennoch scheint die Führung in Kiew keine Bedenken zu haben, die eigene Bevölkerung erneut von der Energieversorgung abzuschneiden. Dies wäre für sie kein Novum: Den gesamten Winter über mussten die Ukrainer mit stundenlangen Stromausfällen leben. Offenbar geht die Kiewer Führung davon aus, dass in harten Zeiten harte Maßnahmen notwendig sind.

„TurkStream“ und „Blue Stream“ sind die letzten intakten Pipelines für russisches Gas nach Europa. Die drei anderen Routen sind aus unterschiedlichen Gründen bereits außer Betrieb. Ein Ausfall auch dieser südlichen Leitungen hätte schwerwiegende Folgen: für die Türkei, und für die Energiesicherheit Ungarns und der Slowakei. Russland selbst würde vor allem finanzielle Verluste erleiden.

Sollten die Lieferungen von über 40 Milliarden Kubikmetern Gas tatsächlich ausfallen, könnten sich die Einnahmeausfälle für Moskau auf etwa 12 Milliarden US-Dollar belaufen – und das zu den Preisen von 2025. Im laufenden Jahr liegt der Gaspreis erfahrungsgemäß höher. Ein kurzfristiger Ersatz dieser Pipeline-Kapazitäten ist kaum möglich; dafür müsste im Grunde eine neue Leitung in ein anderes Land gebaut werden.

Für Ungarn und die Slowakei wäre ein Lieferstopp ein existenzieller Schlag, da sie außer Russland keine alternativen Pipeline-Lieferanten haben. Flüssigerdgas (LNG) als Ersatz ist nicht nur deutlich teurer – die Preise haben sich nahezu verdoppelt –, sondern auch knapp. Durch den Nahostkonflikt sind schätzungsweise 110 bis 120 Milliarden Kubikmeter Gas vom Markt verschwunden, die zuvor von Katar und anderen Golflieferanten bereitgestellt wurden. Würden nun zusätzlich über 40 Milliarden Kubikmeter russisches Pipelinegas fehlen, würde der Verteilungskampf um LNG zwischen Europa und Asien eskalieren und die Preise weiter in die Höhe treiben.

Auch für die Türkei ist Russland ein zentraler Gaslieferant. Rund 40 Prozent der türkischen Gasimporte stammen aus Russland. Im vergangenen Jahr waren das 21,5 von insgesamt 58 Milliarden importierten Kubikmetern. Diese Mengen lassen sich nicht einfach ersetzen. Aserbaidschan und der Iran, die ebenfalls per Pipeline in die Türkei liefern, sind bereits an ihrer Kapazitätsgrenze. Zwar kauft die Türkei aktiv LNG zu, doch ihre LNG-Terminals arbeiten ohnehin fast ständig auf Volllast. Technisch ist es unmöglich, zusätzliche 40 Milliarden Kubikmeter als Ersatz für russisches Gas aufzunehmen. Angesichts des weltweiten LNG-Defizits gilt hier das Prinzip: Wer am meisten bietet, erhält den Zuschlag.

Der aktuelle globale Gasengpass verschärft die Situation zusätzlich. Ein ungünstigerer Zeitpunkt für eine mögliche Stilllegung von „TurkStream“ und „Blue Stream“ ist kaum vorstellbar. Im Gegenteil: Für alle Marktteilnehmer wäre es wünschenswert, wenn der russische Konzern Gazprom seine Lieferungen sogar erhöhen könnte. Gazprom ist weltweit einer der wenigen Produzenten, der kurzfristig und mühelos große zusätzliche Gasmengen auf den Markt bringen und so das Defizit lindern könnte.

Durch die Inbetriebnahme der intakten zweiten Stränge von „Nord Stream 2“ und der Pipeline „Jamal–Europa“ könnten bereits rund 60 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr zusätzlich bereitgestellt werden. Würde man zudem den Gastransit durch die Ukraine wiederaufnehmen, ließen sich insgesamt 100 Milliarden Kubikmeter oder mehr dem Weltmarkt zuführen. Gazprom wäre damit in der Lage, das gesamte Defizit auszugleichen, das durch den Ausfall katarischen LNGs entstanden ist. Die Erleichterung wäre global spürbar. Ein gesättigter europäischer Gasmarkt würde LNG für Asien freisetzen und die Preise zweifellos sinken lassen. Selbst ohne die ukrainische Route wären die positiven Effekte erheblich.

Doch Europa befindet sich in dieser Frage im gleichen ideologischen Fahrwasser wie Kiew und wird prinzipiell keine Schritte in Richtung einer Normalisierung der russischen Gaslieferungen unternehmen. Die Konsequenzen für das „kollektive“ Brüssel werden hoch sein: eine Vertiefung der Energiekrise, eine neue Welle von Betriebsschließungen und eine weiter angetriebene Inflation.

Übersetzt aus dem Russischen.

Der Artikel ist am 15. März 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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