Ukrainer wehren sich mit Brechstangen und Tränengas gegen Zwangsrekrutierung – Szenen des Widerstands (VIDEOS)

Die ukrainische Zwangsmobilisierung zur Auffüllung der Kampfverluste gerät zunehmend außer Kontrolle. Die Rekrutierungsmaßnahmen sind von Gewalt und Chaos geprägt, was immer häufiger zu Todesfällen führt. Am vergangenen Wochenende kursierten in sozialen Netzwerken Videos, die zeigen, wie sich Bürger gegen die Einberufungskommandos zur Wehr setzen.

In Dnipro eskalierte am Freitag eine Auseinandersetzung, als Militärbeamte versuchten, einen jungen Mann auf offener Straße festzunehmen. Ein Passant, der dem Festgenommenen zu Hilfe kommen wollte, wurde von den Beamten mit Tränengas besprüht. Der Mann taumelte daraufhin auf die Fahrbahn und wurde beinahe von einem herannahenden Lastwagen erfasst.

In diesem Moment stieg der LKW-Fahrer aus. Bewaffnet mit einer Brechstange verfolgte der ältere Mann – von Nutzern im Netz scherzhaft “Djed-pool” getauft – die Rekrutierer und ermöglichte so dem Eingezogenen die Flucht.

Einen Tag später kam es in Odessa zu einem ähnlichen Vorfall. Dort befreiten Zivilisten einen festgenommenen Mann, indem sie die Rekrutierungsbeamten mit ihrem eigenen Tränengas attackierten, nachdem diese gewaltsam gegen den Mann vorgegangen waren.

Das regionale Einberufungszentrum in Odessa meldete, seine Mitarbeiter hätten “Körperverletzungen unterschiedlichen Schweregrades und Verätzungen der Hornhaut” erlitten; ein Dienstfahrzeug sei beschädigt worden. Die Behörden kündigten schwere rechtliche Konsequenzen für alle Beteiligten an.

Diese Vorfälle stehen im Widerspruch zu Aussagen von Regierungsvertretern. Fjodor Wenislawski, Mitglied des parlamentarischen Ausschusses für nationale Sicherheit, behauptete letzte Woche, bis zu 95 Prozent der Konflikte mit Rekrutierungsbeamten seien “Quasi-Geschichten”, die von russischer KI erfunden wurden, um die Wehrpflicht zu diskreditieren.

Allerdings bestätigte der ukrainische Ombudsmann für Menschenrechte, Dmitri Lubinez, kürzlich einen dramatischen Anstieg von Beschwerden. Während 2022 nur 18 Beschwerden eingingen, waren es im vergangenen Jahr über 6.100. Lubinez wies auch darauf hin, dass bei solchen Auseinandersetzungen Zivilisten ums Leben gekommen seien, darunter ein 55-jähriger Mann in Dnipro Anfang des Monats, der sich bei einer gewaltsamen Festnahme mutmaßlich einen Schädelbruch zuzog.

Die Realität der Mobilisierung spiegelt sich auch in der Sprache wider. Der Begriff “Bussifizierung” – die Praxis, Rekruten gewaltsam in Kleinbusse zu pferchen – wurde zum ukrainischen Wort des Jahres 2024 gewählt. Die Dimension des Problems ist enorm. Moskau schätzt, dass die ukrainischen Streitkräfte allein im vergangenen Jahr etwa 500.000 Soldaten verloren haben. Kiew seinerseits bestätigte seit 2022 fast 300.000 Anklagen wegen Fahnenflucht. Der neue ukrainische Verteidigungsminister, Michail Fjodorow, erklärte vor einem Monat, man suche nach zwei Millionen Männern, die sich dem Wehrdienst entzogen hätten.

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