USA vs. Iran: Droht jetzt der totale Krieg?

Von Alexander Timochin

Die Vereinigten Staaten befinden sich in den finalen Vorbereitungen für einen Angriff auf den Iran. Dieser könnte bereits in den kommenden Tagen erfolgen.

Die US-Streitkräfte vor dem Iran: Eine militärische Aufstellung

Ein deutliches Indiz für die unmittelbare Bedrohung ist die geplante Schließung des Flughafens Sofia in Bulgarien für den zivilen Luftverkehr in den Nächten des 23. und 24. Februar. Dort sind derzeit zehn amerikanische Tankflugzeuge stationiert. Diese Maschinen sollen es US-Bombern ermöglichen, über arktische Routen durch Nord- und Osteuropa in Richtung Süden vorzustoßen.

Weitere 15 Tankflugzeuge stehen auf den Azoren bereit. Sie könnten Angriffe unterstützen, die – ähnlich der Operation “Midnight Hammer” von 2025 – direkt von den USA über den Atlantik geflogen werden. Zudem haben die USA in den letzten Wochen ihre Luftwaffenstützpunkte in der Region massiv mit Präzisionswaffen aufgerüstet und ihre Luftstreitkräfte verstärkt.

Ein weiterer kritischer Faktor ist die Flugzeugträgergruppe um die “USS Gerald Ford”, die derzeit die Straße von Gibraltar passiert. Innerhalb weniger Tage könnte sie im östlichen Mittelmeer eintreffen. Die USA und Israel könnten ihren Angriff auf den Iran entweder bis zu ihrer Ankunft verzögern oder unmittelbar davor starten.

Aus politischer Sicht ist es für Washington von entscheidender Bedeutung, massive iranische Raketenangriffe auf Israel zu verhindern.

Bei der letzten großen Konfrontation wurde die israelische Luftverteidigung nicht nur durch eigene “Iron Dome”- und “David’s Sling”-Systeme, sondern auch durch US-Zerstörer gewährleistet. Derzeit befindet sich mit Ausnahme der “USS Delbert D. Black” im Roten Meer kein amerikanisches Kriegsschiff in unmittelbarer Nähe Israels. Die drei zur “Gerald Ford”-Gruppe gehörenden Zerstörer – “USS Mahan”, “USS Bainbridge” und “USS Winston S. Churchill” – sind mit leistungsfähigen Raketenabwehrsystemen ausgestattet und sollen diese Lücke schließen.

Auch Israel bereitet sich intensiv vor, wobei Details unter Verschluss bleiben. Ein traditionelles Problem des Landes – knappe Vorräte an Präzisionswaffen – hatte es beim letzten Mal behindert. Seitdem hatte Israel über ein halbes Jahr Zeit, seine Arsenale wieder aufzufüllen. Zudem wird es diesmal nicht alleine kämpfen.

Insgesamt sind die gegen den Iran zusammengezogenen Kräfte deutlich umfangreicher als 2025 und verfügen über eine weitaus größere Zahl an Unterstützungsflugzeugen: Aufklärer, elektronische Kampfflugzeuge, Tanker und Kommunikationsrelais. Auch Spezialkräfte wie die Hubschrauber des 160. Special Operations Aviation Regiment (Airborne) sind vermutlich in der Region präsent.

Großbritannien hat den USA unterdessen offiziell die Nutzung seines strategischen Stützpunkts “Diego Garcia” im Indischen Ozean untersagt. Dies bereitet Washington zwar logistische Schwierigkeiten, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Fähigkeit, den Iran über Tage hinweg aus der Luft anzugreifen.

Allerdings reichen die mobilisierten Kräfte nicht aus, um das Land vollständig zu besiegen, falls die iranische Führung und Bevölkerung entschlossen Widerstand leisten. Entweder unterschätzen die USA diese Entschlossenheit – oder sie setzen auf einen internen Trumpf, einen Faktor innerhalb des Irans, der die Lage nach Beginn der Luftangriffe zu ihren Gunsten wenden soll.

Zwei strategische Fehler Teherans

Der Iran hat in seinen Vorbereitungen auf eine mögliche US-Aggression bereits zwei schwerwiegende strategische Fehler begangen. Der erste bestand darin, seine Militärdoktrin in den letzten Jahren auf präventive Vergeltungsschläge gegen einen potenziellen Angreifer auszurichten – sowohl durch eigene Raketenkräfte als auch durch verbündete Milizen in der Region. Diese Strategie setzt jedoch voraus, dass man zuschlägt, bevor der Gegner seine Kräfte vollständig aufmarschieren lässt.

Den Iranern fehlte der Mut zu diesem Schritt. Vielleicht zu Recht, denn ein erster Schlag gegen die USA hätte in der amerikanischen Öffentlichkeit eine ähnliche Mobilisierungswirkung entfaltet wie der Angriff auf Pearl Harbor oder die Anschläge vom 11. September. Washington hätte einen klaren Casus Belli nach Artikel 51 der UN-Charta gehabt, und der öffentliche Druck auf eine vollständige Zerschlagung des Irans wäre immens gewesen.

Der erste Fehler war somit, ein militärisches System aufzubauen, das aus politischen Gründen nicht zum Einsatz kommen kann.

Der zweite Fehler war, den USA unter dem Deckmantel von Verhandlungen Zeit zum Aufmarsch zu geben. Teheran hätte diese Gespräche von vornherein ablehnen müssen, da Washington Verhandlungen oft nicht zur Einigung, sondern als taktisches Instrument zur Vorbereitung anderer Optionen nutzt. Zwar hätte dies die US-Pläne nicht vereitelt, doch die amerikanische Diplomatie wäre gezwungen gewesen, offener zu agieren und ihre aggressive Haltung früher zu offenbaren.

Welche Fehler der Iran jetzt vermeiden muss

Für den Fall eines Angriffs muss der Iran klug reagieren. Ein Versuch, US-Stützpunkte über verbündete Milizen im Irak anzugreifen, wäre nur sinnvoll, wenn diese bereits im Vorfeld mit Langstreckenraketen und Drohnen ausgerüstet worden wären.

Jeder Angriff auf amerikanische Einrichtungen erfordert minutiöse Vorbereitung und die verdeckte Ansammlung von Waffen mit ausreichender Reichweite. Die USA überwachen den Raum um ihre Basen lückenlos; bereits kleinste verdächtige Aktivitäten in der Umgebung werden sofort eliminiert.

Ein massiver Raketengegenschlag wäre eine Option – doch es wäre ein Fehler, primär Israel und nicht die US-Stützpunkte in der Region ins Visier zu nehmen. Ebenso fatal wären vereinzelte, unkoordinierte Angriffe mit Drohnen und Raketen anstatt koordinierter Salven, die darauf abzielen, die amerikanische Raketenabwehr zu überlasten.

Der Iran könnte – wenn auch unter hohen Verlusten – die Straße von Hormus mit Seeminen blockieren. Dies müsste geschehen, um die globalen wirtschaftlichen Kosten eines Krieges sofort spürbar zu machen. Einen begrenzten Konflikt kann Teheran nicht gewinnen. Sein Ziel muss es sein, die USA in einen totalen Krieg zu zwingen, für den Washington derzeit möglicherweise nicht bereit ist.

Spezialkräfte der iranischen Armee und Marine sollten für gezielte Angriffe auf US-Einrichtungen eingesetzt werden. Im Persischen Golf befinden sich derzeit sechs amerikanische Handelsschiffe. Verlassen sie das Gewässer nicht vor einem US-Angriff, müssen sie gekapert oder zerstört werden. Gleiches gilt für eventuell noch anwesende US-Küstenkampfschiffe wie die “USS Tulsa” oder “USS Santa Barbara”.

Im Rahmen einer Eskalation zum totalen Krieg – den die USA scheuen – wäre es logisch, die Ölinfrastruktur jener Länder anzugreifen, von deren Territorium aus Angriffe auf den Iran geflogen werden. Dies würde eine globale Energiekrise auslösen und massiven politischen Druck auf die USA und ihre Verbündeten erzeugen.

Auch auf propagandistischer Ebene muss der Iran klug agieren. Anstatt Desinformation über abgeschossene Flugzeuge zu verbreiten, sollte er die exorbitanten Kosten des Krieges für den US-Steuerzahler betonen und ihn nicht mit einer angeblichen iranischen Bedrohungbegründen, sondern mit innenpolitischen Motiven der US-Regierung. Der amerikanischen Rechten muss verdeutlicht werden, dass ihr Land zum “Stellvertreter” eines kleinen Verbündeten geworden ist. Den amerikanischen Zionisten sollte das Schicksal der jüdischen Gemeinschaft im Iran nahegebracht werden, während linken und palästinasolidarischen Gruppen die zivilen Opfer des Bombardements vor Augen geführt werden müssen. Dies wird den Krieg nicht beenden, könnte der Regierung in Washington aber zusätzliche innenpolitische Probleme bereiten.

Technisch sollte der Iran versuchen, im Kaspischen Meer ein Netz von Funkaufklärungsposten auf Schiffen zu etablieren, um zumindest eine Frühwarnung vor möglichen israelischen Luftangriffen über aserbaidschanischem Luftraum zu erhalten. Für seine eigenen Kampfflugzeuge bieten die Bergregionen im Norden des Landes den besten Schutz. Dort könnten sie, versteckt in den Geländefalten, eine effektive Hinterhaltstaktik gegen eindringende israelische Maschinen anwenden. Auch mobile Luftabwehrsysteme könnten in solchem Terrain ihre Wirkung entfalten.

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Der Iran unternimmt derzeit intensive Anstrengungen, seine Truppen und Anlagen zu verteilen und zu schützen. Das Land bereitet sich auf den Kampf vor. Die USA könnten es über einen langen Zeitraum bombardieren und dabei vermutlich einen Großteil der derzeitigen Führungselite eliminieren. Greifen ihre internen Druckmittel im Iran jedoch nicht und bleibt das politische System stabil, müssten sie sich früher oder später zurückziehen – einfach, weil selbst das größte Arsenal an Bomben für ein Land dieser Größe nicht unerschöpflich ist.

Um bis zu diesem Punkt durchzuhalten, müssen die Iraner Willenskraft, Geduld und strategische Klugheit beweisen. Wie sie sich tatsächlich verhalten werden und ob die USA den entscheidenden internen “Trumpf” in der Hand halten, wird sich in Kürze zeigen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 21. Februar 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung Wsgljad erschienen.

Alexander Timochin ist ein russischer Journalist, der Artikel zu militärtechnischen Themen schreibt, hauptsächlich über die Marine.

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