Ein aktueller Bericht warnt davor, dass die anhaltende Krise im Nahen Osten die Lebenshaltungskosten in Afrika in die Höhe treiben und das Wirtschaftswachstum des Kontinents bremsen könnte.
Die Studie, die am Samstag von der Afrikanischen Union (AU), der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (ECA) und der Weltbank (WB) veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass andauernde Störungen auf wichtigen Schifffahrtsrouten sowie bei der Versorgung mit Energie und Düngemitteln die bereits bestehenden Handelsverwerfungen weiter verschärfen könnten.
“Der Konflikt, der bereits einen Handelsschock ausgelöst hat, könnte sich rasch zu einer Lebenshaltungskostenkrise in ganz Afrika ausweiten – durch höhere Treibstoff- und Lebensmittelpreise, steigende Schifffahrts- und Versicherungskosten, Wechselkursdruck und strengere Haushaltsbedingungen”, heißt es in dem Dokument.
Seit Ende Februar, als US-amerikanische und israelische Luftangriffe auf Ziele im Iran begannen, ist die Straße von Hormus als zentrale Handelsroute weitgehend blockiert – ein Zustand, der bis Anfang April anhielt.
Besonders besorgniserregend sind laut dem Bericht mögliche Unterbrechungen bei den Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG). Diese wären noch schädlicher als reine Treibstoffpreissteigerungen, da reduzierte Importe die Produktion von Ammoniak und Harnstoff beeinträchtigen würden. In der Folge würden die Düngemittelkosten steigen und die Versorgung in der entscheidenden Anbausaison von März bis Mai gefährdet.
Sollte sich der Konflikt über mehr als sechs Monate hinziehen, könnte das BIP-Wachstum Afrikas bis Ende 2026 um 0,2 Prozentpunkte sinken. Die wirtschaftliche Verflechtung ist erheblich: Der Nahe Osten ist für 15,8 Prozent der afrikanischen Importe und 10,9 Prozent der Exporte verantwortlich.
Einige afrikanische Staaten könnten jedoch auch begrenzte Vorteile aus der Situation ziehen. Nigeria dürfte von höheren Ölpreisen und Exporten seiner neuen Dangote-Raffinerie profitieren, während Mosambik von zusätzlicher LNG-Aktivität und gesteigertem Hafenverkehr profitieren könnte.
Die zunehmende Umleitung des Schiffsverkehrs um das Kap der Guten Hoffnung könnte zudem den Häfen in Südafrika, Namibia und Mauritius einen Aufschwung bescheren. In Ostafrika hat Kenia die Chance, seine Rolle als regionales Logistikzentrum auszubauen, und Äthiopien könnte seine Position als “Notfall-Luftbrücke” über Ethiopian Airlines stärken.
Unterdessen hat die südafrikanische Regierung bereits reagiert, um die Folgen steigender globaler Energiepreise abzufedern. Sie hat die Kraftstoffsteuern vorübergehend gesenkt. Vom 1. April bis zum 5. Mai wird die Abgabe um drei Rand (etwa 0,14 Euro) pro Liter reduziert, was zu niedrigeren Benzin- und Dieselpreisen führt.
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