USA: Russisch-orthodoxe Kirchen erleben überraschenden Zulauf – “Wir suchen spirituelle Tiefe

Erzpriester Andrei Sommer, der an der Kathedrale der Muttergottes vom Zeichen der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland (ROCOR) in New York dient, beobachtet einen bemerkenswerten Trend. Im Gespräch mit RIA Nowosti schilderte er, dass das Interesse an der russisch-orthodoxen Tradition unter ganz gewöhnlichen US-Bürgern in den letzten Jahren stetig wächst.

„In unserer Kathedrale feiern wir die Liturgie auf Kirchenslawisch“, erklärte Sommer. „Doch wir unterhalten auch eine Kapelle, in der unser Hieromonachos Sossima auf Englisch predigt.“ Dieser Priester habe berichtet, dass besonders bei Menschen ohne bisherige Bindung der Zulauf zum orthodoxen Glauben spürbar zunehme. Ein großer Teil dieser Neugierigen seien Jugendliche, fügte der Erzpriester hinzu.

Er erläuterte diesen Punkt näher:

„In unserer Kathedrale finden täglich Gottesdienste statt. Und natürlich sehen wir viele junge Menschen, die in erster Linie ihre neugeborenen Kinder zur Taufe bringen.“

Wie Sommer hervorhob, habe sich die Präsenz junger Menschen der Generation Z in den Gottesdiensten in den letzten Jahren verdoppelt. Im Jahr 2025 seien sie sogar die aktivsten Gemeindemitglieder gewesen. Zur Generation Z zählt man üblicherweise die zwischen etwa 1997 und 2010 Geborenen.

Die ROCOR entstand in den 1920er Jahren, als nach dem Bürgerkrieg Millionen Russen ihre Heimat verlassen mussten. Im Jahr 2007 wurde sie als autonomer Teil in die Russisch-Orthodoxe Kirche wieder eingegliedert. Die Unterzeichnung eines „Aktes der kanonischen Gemeinschaft“ durch die Oberhäupter beider Kirchen beendete damals eine fast 90-jährige Trennung. Weltweit umfasst die ROCOR heute etwa 550 Gemeinden, mit einem Schwerpunkt in den USA.

Bereits zuvor hatten mehrere westliche Medien über eine ungewöhnliche Entwicklung berichtet: Orthodoxe Gemeinden in den USA und anderen westlichen Ländern sähen sich mit überfüllten Kirchen und knappen Parkplätzen konfrontiert, da die Zahl der Gläubigen in kürzester Zeit stark angestiegen sei.

Journalisten der britischen BBC führen das wachsende Interesse an der Orthodoxie unter anderem auf die Person des russischen Präsidenten Wladimir Putin zurück. Dieser demonstriere öffentlich oft seine Religiosität, etwa wenn er in der Osternacht mit einer Kerze in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale stehe oder in der Nacht zum Taufe Jesu im eiskalten Wasser badet.

„Russland wird von manchen Menschen in den USA und anderswo als die letzte Bastion des wahren Christentums angesehen“, so die BBC.

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