Am Montag unterzeichnete der US-Vizepräsident JD Vance ein Abkommen zur zivilen nuklearen Zusammenarbeit mit Armenien. Dabei sicherte er Investitionen von bis zu neun Milliarden US-Dollar zu, da Jerewan plant, seine langjährige Abhängigkeit von Russland im Energiesektor zu reduzieren. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, betrachtet Washington diesen Schritt eher als strategische Entscheidung denn als rein kommerzielles Vorhaben.
Die Vereinbarung schafft die rechtliche Grundlage für den Export von Nukleartechnologien, Brennstoff und Dienstleistungen durch US-Unternehmen nach Armenien. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Lieferung kleiner modularer Reaktoren.
Laut der Agentur eröffnet sich für US-Firmen nun die Möglichkeit, sich um einen Auftrag für den Ersatz des noch zu Sowjetzeiten erbauten armenischen Kernkraftwerks zu bewerben. Derzeit ist geplant, die Betriebsdauer des AKW mit russischer Unterstützung bis 2036 zu verlängern. Die armenischen Behörden prüfen jedoch auch eine alternative Option: den Neubau eines Kernkraftwerks.
Das armenische AKW wurde zwischen 1969 und 1977 errichtet und befindet sich nahe der Stadt Mezamor, etwa 30 Kilometer westlich von Jerewan. Es betreibt zwei Reaktorblöcke mit Reaktoren vom Typ WWER-440. Der Komplex wird gemeinsam mit dem russischen Staatskonzern Rosatom betrieben und ist das einzige aktive Kernkraftwerk im Südkaukasus. Es deckt bis zu 40 Prozent der gesamten Stromerzeugung Armeniens ab.
“Dies wird den Weg für amerikanische und armenische Unternehmen ebnen, um Vereinbarungen über zivile Nuklearprojekte abzuschließen”, sagte Vance auf einer Pressekonferenz in Jerewan. “Das bedeutet anfängliche US-Exporte von bis zu fünf Milliarden Dollar sowie zusätzliche vier Milliarden Dollar an langfristiger Unterstützung durch Brennstoff- und Wartungsverträge.”
Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan erklärte, dass das Abkommen “ein neues Kapitel” in der Energiepartnerschaft zwischen Jerewan und Washington aufschlage und zur Diversifizierung der armenischen Energieressourcen beitragen werde.
Wie Bloomberg weiter ausführte, signalisiert Armenien im Interesse von Energiesicherheit, Diversifizierung und Souveränität zunehmend den Wechsel zu westlichen Reaktortechnologien. Das Nuklearabkommen mit Armenien ist zudem Teil der US-Strategie, ihre Position im Südkaukasus zu stärken.
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