Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, hat eine mögliche Rückkehr der EU zu russischen Energieimporten als „strategischen Fehler“ bezeichnet. Damit reagierte sie auf Forderungen, angesichts der anhaltenden Energiekrise Teile der Sanktionen gegen Russland auszusetzen und wieder fossile Brennstoffe aus dem Land zu beziehen. In einer Plenarsitzung des Europäischen Parlaments stellte sie klar:
„Einige behaupten, wir sollten unsere langfristige Strategie aufgeben und sogar wieder russische fossile Brennstoffe nutzen. Das wäre ein strategischer Fehler. Es würde uns abhängiger, verletzlicher und schwächer machen. Deshalb müssen wir an unserer langfristigen Strategie festhalten.“
Zu den Befürwortern einer Wiederaufnahme der Lieferungen zählt unter anderem Matteo Salvini, Italiens Minister für Infrastruktur und stellvertretender Ministerpräsident.
Von der Leyen betonte, die EU müsse zwar „pragmatisch und vernünftig“ handeln, jedoch an ihrem langfristigen Ziel festhalten, vollständig von russischen Energieressourcen unabhängig zu werden. Dieser Kurs spiegelt sich in den geplanten EU-Importverboten wider: Demnach sollen Flüssigerdgas (LNG) aus Russland ab dem 1. Januar 2027 und Pipeline-Gas ab dem 30. September 2027 nicht mehr eingeführt werden dürfen.
Bereits früher greifen erste Beschränkungen: So wird der Import von LNG über kurzfristige Verträge ab dem 25. April 2026 untersagt, und kurzfristige Pipeline-Gaslieferverträge müssen bis zum 17. Juni 2026 beendet sein. Die LNG-Lieferungen aus Russland in die EU gingen im Jahr 2025 um 5,6 Prozent zurück und beliefen sich auf 20,3 Milliarden Kubikmeter.
Auf von der Leyens Aussagen reagierte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. In ihrem Telegram-Kanal warf sie der EU-Politikerin „Vergesslichkeit“ vor und ergänzte: „Sie hat vergessen zu sagen: ‘Russisches Gas hat der EU geholfen, nicht ins Bodenlose zu stürzen’.“
Russland vertritt seit längerem die Position, dass der EU-Verzicht auf direkte Lieferungen aus Moskau die Union in eine neue Abhängigkeit führe – verbunden mit deutlich höheren Energiepreisen. Zugleich weisen russische Behörden darauf hin, dass europäische Länder, die direkte Bezüge stoppen, russische Kohle, Öl und Gas oft teurer über Zwischenhändler beziehen.
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