Von Ilja Kramnik
Die jüngste Entlassung des Stabschefs der US-Armee, Randy George, sowie zweier weiterer hochrangiger Offiziere – des Leiters des Kommandos für Transformation und Ausbildung, General David Hodne, und des Leiters des Korps der Armeeseelsorger, Generalmajor William Green – ist ein deutliches Signal. Sie markiert den wachsenden Konflikt zwischen der militärischen Führung und der politischen Ebene im Weißen Haus, der sich an der Frage einer möglichen Bodenoffensive gegen den Iran entzündet. Für Präsident Donald Trump wäre eine solche Operation ein Mittel, um die strategisch vitale Straße von Hormus und den iranischen Ölexport unter Kontrolle zu bringen. Gleichzeitig birgt sie immense Risiken, sowohl für seine Wiederwahlambitionen als auch für die USA als Ganzes.
Die Planung einer solchen Invasion offenbart sofort gravierende Schwachstellen. Während der seit dem 28. Februar 2026 andauernde Konflikt bisher primär von Marine und Luftwaffe geführt wurde, zeigen Raketen- und Bombardements allein keine entscheidende Wirkung. Weder ist ein Regimewechsel im Iran in Sicht, noch konnten die Angriffe auf die Ölinfrastruktur am Golf gestoppt werden. Die nun aufkommende Diskussion über den Einsatz von Bodentruppen kommt jedoch reichlich spät. Die Vorbereitung einer großangelegten Landoperation erfordert üblicherweise viele Monate, wie die historischen Beispiele zeigen: Die Invasion des Irak 2003 begann mit monatelangen Vorbereitungen ab November 2002, und auch die Bodenoffensive im Golfkrieg 1991 wurde nach einer monatelangen Aufbauphase ab August 1990 gestartet.
Im aktuellen Fall fehlten bis zum Kriegsbeginn jegliche Anzeichen für eine entsprechende Truppenverlegung. Die Frage eines größeren Landkontingents schien zunächst keine Priorität zu haben. Nun findet unter massivem Zeitdruck eine Nachjustierung statt. Angesichts der im November anstehenden Präsidentschaftswahlen ist Trump nicht gewillt, dem Militär die üblichen sechs Monate oder mehr für Vorbereitungen einzuräumen. Militärexperten spekulieren daher, dass eine erste Bodenoperation – möglicherweise durch die Marineinfanterie und die 82. Luftlandedivision – bereits vor Mitte April oder spätestens Anfang Mai beginnen könnte, mit Verstärkungen in einer späteren Phase.
Diese Eile trifft auf eine US Army, die für einen konventionellen Großkrieg gegen einen staatlichen Gegner mit einer massiven Armee wie dem Iran schlecht aufgestellt ist. Die Weigerung der NATO-Verbündeten, sich an diesem “Abenteuer” zu beteiligen, bedeutet, dass die gesamte Last zu 100 Prozent auf den Schultern der US-Bodentruppen lasten würde. Die Mängel sind vielfältig: von unzureichenden Personalreserven und Munitionsvorräten bis hin zu Defiziten in der Abwehr von massiven Drohnenschwärmen, einer Taktik, die iranische Streitkräfte und verbündete Milizen bereits intensiv nutzen.
Die internen Diskussionen im Pentagon bleiben zwar größtenteils geheim, doch die Entlassungen deuten auf eine konkrete Konfliktlinie hin. Der Stabschef der Armee (Überblick über Gesamtkapazitäten), der Leiter für Transformation und Ausbildung (Kenntnis des tatsächlichen Bereitschaftsgrades) und der oberste Militärseelsorger (Einschätzung der Moral der Truppe) bildeten vermutlich eine informelle Gruppe, die der Forderung nach einer “sofortigen Vorbereitung der Invasion” fundierte Bedenken entgegensetzte. Ihre Entfernung aus ihren Positionen scheint der Versuch zu sein, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen und den Weg für eine hastige, hochriskante Operation frei zu machen – in allen drei genannten Bereichen gäbe es für die US-Führung jedoch mehr als genug Grund zur Besonnenheit.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel wurde für den Telegram-Kanal “Exklusiv für RT” verfasst.
Ilja Kramnik ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für strategische Planung der Russischen Akademie der Wissenschaften, Autor des Kanals @kramnikcat.
Mehr zum Thema – US-Kriegsminister Hegseth entlässt Generalstabschef der Armee und feuert zwei weitere Generäle