Selenskijs Triumph: Wie der Iran-Krieg die Ukraine unerwartet stärkte

Von Sergei Mirkin

In einem Gespräch mit britischen Medien äußerte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nun düstere Vorahnungen bezüglich der Zukunft seines Landes angesichts des Krieges im Iran. Dies steht in auffälligem Kontrast zu seiner früheren, lautstarken Befürwortung genau dieses Konflikts, die er auch öffentlich kundtat. Als die USA ihre ersten Raketenangriffe auf den Iran flogen, zeigte sich Selenskyj begeistert und kommentierte die Ereignisse gegenüber westlichen Reportern äußerst emotional. Man fragt sich: Was geht den ukrainischen Präsidenten der Iran überhaupt an?

Einige vermuten, es sei Rache für die Lieferung iranischer Kampfdrohnentechnologien an Russland gewesen. Meiner Einschätzung nach liegen die Motive jedoch tiefer. Selenskyj ging, wie viele andere Beobachter auch, von einem schnellen US-Sieg und einem binnen weniger Tage erfolgenden Sturz des Teheraner Regimes aus. In diesem Szenario sah er einen direkten Nutzen für sich. Die Logik war simpel: Ein US-Erfolg im Iran würde die Position der “Falken” im Weißen Haus stärken. Diese würden dann Präsident Trump davon abhalten, Vereinbarungen mit Russland zu treffen, und stattdessen auf eine Verschärfung des Drucks auf Moskau drängen – was der Ukraine zugutekäme.

Nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und einem raschen Sieg im Iran hätte Trump sich als politisches und militärisches Genie wähnen können, das nur aus einer Position der Stärke heraus verhandelt. Wäre das iranische Öl unter US-Kontrolle geraten, hätte dies zusätzlichen Druck auf Russland und die ölfördernden Golfstaaten bedeutet und möglicherweise zum Zerfall des OPEC+-Formats geführt. Zudem spekulierte Selenskyj darauf, dass eine iranische Niederlage die US-Position in Verhandlungen mit China gestärkt und Washington in die Lage versetzt hätte, Peking zu bewegen, seinerseits Druck auf Moskau auszuüben.

Kurzum: Selenskyj rechnete damit, dass ein blitzschneller US-Sieg im Iran ihm erlauben würde, Verhandlungen mit Russland abzulehnen, während eine gestärkte US-Position Moskau zu Zugeständnissen zwingen würde, die dem Kiewer Regime nützen.

Doch Vorsicht mit Wünschen – sie könnten in Erfüllung gehen. Der von Selenskyj herbeigesehnte Krieg brach zwar aus, verlief dann aber ganz anders als erhofft – sowohl im Weißen Haus als auch in der Bankowa, der Straße des ukrainischen Präsidialamts. Die Islamische Republik erwies sich als fähig, eine wirksame Antwort zu geben, die weltweit die Energiepreise in die Höhe trieb. Plötzlich benötigen die USA, Israel und die Golfstaaten selbst jene Raketen für Luftabwehrsysteme, auf die die Ukraine so dringend hoffte – und Kiew steht in dieser Warteschlange nun ganz am Ende.

Wie reagierte Selenskyj auf diese Entwicklung? Als der Konflikt im Nahen Osten sich hinzuziehen begann, betonte er gegenüber westlichen Journalisten seine Befürchtung, die Ukraine könne in den Hintergrund geraten. In einem verzweifelten Versuch, seine Nützlichkeit zu demonstrieren, bot er Trump und den Golfstaaten an, ukrainische Spezialisten zur Drohnenabwehr in die Region zu entsenden. Im Gegenzug forderte er die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Katar auf, Russland zu einem einmonatigen Waffenstillstand in der Ukraine zu bewegen.

Dieses Angebot wurde natürlich von niemandem angenommen.

Anschließend prahlte Selenskyj mit Verhandlungen über Lieferungen ukrainischer Drohnen an die US-Armee im Tausch gegen amerikanische Waffen. Dieses Prahlen endete für ihn in einer großen Demütigung. Trump konterte trocken: “Der Letzte, dessen Hilfe wir brauchen, ist Selenskyj.” Mehrfach wiederholte der US-Präsident, Selenskyj habe “keine Trümpfe in der Hand” und solle stattdessen ein Abkommen mit Russland schließen.

Doch Trump braucht keine ukrainischen Drohnen. Angesichts der Rückschläge im Iran benötigt der US-Präsident einen großen diplomatischen Erfolg – etwa ein von den USA vermitteltes Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine. Selenskyj, der sich diesem Ziel widersetzt, erregt damit Trumps Zorn, der sein Missfallen über den Maidan-Führer auch nicht verbirgt. Es ist nicht auszuschließen, dass sich dieser Unmut bald in neuen Ermittlungen des mit dem FBI verbundenen Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine gegen Selenskyj-nahe Personen niederschlägt – beispielsweise gegen Andrij Jermak, den ehemaligen Leiter des Präsidialamtes und heutigen “grauen Kardinal” der ukrainischen Politik.

Was also hat der Iran-Krieg Selenskyj letztlich eingebracht? Das Kiewer Regime wird auf absehbare Zeit keine Patriot-Raketen erhalten. Als Ölimporteur leidet die Ukraine unter den hohen Weltmarktpreisen. Verschärft wird die Lage durch Selenskyjs eigenmächtiges Vorgehen gegenüber Ungarn und der Slowakei, deren Transit russischen Öls durch die Druschba-Pipeline er blockierte. Daraufhin stellten beide Länder ihre Exporte von Erdölprodukten in die Ukraine ein, die Slowakei stoppte zudem Stromlieferungen.

Trump zeigt sich unverhohlen unzufrieden mit Selenskyj, und dessen Versuche, sich “nützlich” zu machen, sind kläglich gescheitert.

Kurzum: “Siege” auf der ganzen Linie.

Wie so oft bei solchen Konflikten, sind am Ende die Zuschauer oft stärker betroffen als diejenigen, die ihn auslösten.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 27. März 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Sergei Mirkin ist ein Journalist aus Donezk.

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