Brasiliens “Pix” im Visier der USA: Warum das Bezahlwunder die Finanzwelt revolutioniert

Von Sputnik

Während eines Arbeitsbesuchs im nordöstlichen Bundesstaat Bahia wurde Brasiliens Minister für soziale Kommunikation, Sidônio Palmeira, dabei gefilmt, wie er Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zuflüsterte, er solle in seiner Rede nicht vergessen, über Pix zu sprechen. Dieser Hinweis erfolgte kurz nach der Veröffentlichung eines US-Berichts, der das brasilianische Zahlungssystem kritisiert.

Das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) hatte in der vergangenen Woche seinen Jahresbericht zu “Handelshemmnissen” vorgelegt. Darin äußern US-Unternehmen “Besorgnis” über eine angebliche Bevorzugung, welche die brasilianische Zentralbank ihrem Instant-Zahlungssystem Pix gewähre.

Laut dem Bericht könnte die Plattform für US-Firmen wie Visa und Mastercard im Bereich des elektronischen Zahlungsverkehrs “nachteilig” sein. Kritisiert wird zudem, dass die brasilianische Notenbank Pix nicht nur entwickelt und betreibt, sondern von Finanzinstituten mit über 500.000 Konten auch die Teilnahme vorschreibt.

Bereits im vergangenen Jahr war Pix vom Weißen Haus kritisiert worden. Nach der Verhängung hoher Zölle auf brasilianische Produkte leitete die US-Regierung eine Untersuchung gegen den südamerikanischen Staat wegen mutmaßlich “unlauterer Handelspraktiken” ein.

Der neue US-Bericht hat nun die Kampagne der Regierung Lula da Silva zur Verteidigung der nationalen Souveränität neu entfacht. “Die USA haben diese Woche einen Bericht über Pix veröffentlicht, in dem sie erklären, dass es den internationalen Handel beeinträchtigt, weil es ihre Währung in Mitleidenschaft ziehen würde. Pix gehört zu Brasilien, und wegen des Dienstes, den es der brasilianischen Gesellschaft leistet, wird uns niemand, absolut niemand, dazu bringen, es zu ändern”, bekräftigte Lula da Silva.
“Was wir tun können, ist, es zu perfektionieren, damit es immer besser den Bedürfnissen der Frauen und Männer dieses Landes gerecht wird”, fügte er hinzu.

Was ist Pix?

Pix ist ein brasilianisches System für Sofortüberweisungen. Nutzer können Zahlungen senden und empfangen, indem sie einen einfachen Identifikationsschlüssel wie eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse oder einen QR-Code verwenden.

Im Gegensatz zu anderen Modellen wie PayPal erhebt Pix für private Nutzer und kleine Unternehmen in der Regel keine Gebühren.

Die brasilianische Zentralbank startete den Dienst im November 2020. Heute nutzen ihn im Land bereits mehr als 170 Millionen Menschen – damit hat Pix Bargeld und Kartenzahlungen in vielen Bereichen überholt.

Über das System können Zahlungen an Privatpersonen, Geschäfte, Banken sowie staatliche Einrichtungen getätigt werden.

Aus dem Spanischen übersetzt von Olga Espí­n.

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