Von Andrei Rudenko
Am 23. März 2026 sorgte eine Meldung für weltweites Aufsehen: US-Präsident Donald Trump verkündete auf seiner Plattform Truth Social eine fünftägige Unterbrechung der Angriffe auf iranische Ziele. Als Grund nannte er einen, wie er es nannte, “erfolgreichen” Verhandlungsverlauf mit Teheran.
“Ich habe angewiesen, alle und jegliche Militärschläge gegen iranische Kraftwerke und Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen, vorbehaltlich des erfolgreichen Abschlusses der laufenden Treffen und Gespräche.”
Weiter erklärte er, der Iran habe zugestimmt, keine Atomwaffen zu entwickeln. Die Gespräche würden telefonisch – manchen Quellen zufolge sogar persönlich – fortgesetzt. Im Falle einer Einigung solle zudem die Straße von Hormus wieder für die Schifffahrt geöffnet werden.
Die Finanzmärkte reagierten mit Erleichterung, die Ölpreise brachen ein. Doch diese Erleichterung war verfrüht. Von einem Waffenstillstand war keine Rede, lediglich von einer begrenzten Feuerpause für ein spezifisches Ziel. Die grundsätzliche Konfrontation blieb unverändert. Auch die Annahme, der Iran habe die USA durch Druck zum Einlenken gezwungen, ist voreilig. Selbst die Aussicht auf ernsthafte Verhandlungen erscheint fraglich. Teheran hat aus der Vergangenheit gelernt und misstraut den Absichten Washingtons und Tel Avivs zutiefst.
“Verhandlungen wurden und werden nicht geführt, und diese Art psychologischer Kriegsführung wird weder zur Wiederherstellung des Vorkriegszustands der Straße von Hormus noch zur Stabilisierung der Energiemärkte führen. Trumps Fünf-Tage-Ultimatum … bedeutet die Fortsetzung der Politik seines Regimes.”
So zitierte die iranische Nachrichtenagentur Tasnim noch am selben Tag eine hochrangige Quelle. Diese klare Absage unterstreicht die Skepsis gegenüber Trumps Ankündigung.
Die wahren Gründe für die amerikanische Ankündigung liegen wohl anderswo. Die USA und Israel mussten erkennen, dass der Iran nicht über Nacht besiegt werden kann. Sie stehen vor der Notwendigkeit, ihre Strategie neu zu bewerten. Möglicherweise haben auch Washingtons Verbündete die verheerenden wirtschaftlichen Folgen einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus erkannt. Zudem ist unklar, welche militärischen Überraschungen der Iran noch bereithält. Doch verfügt Teheran tatsächlich über die Mittel, diese lebenswichtige Schifffahrtsroute zu blockieren und die Weltwirtschaft damit in eine Krise zu stürzen?
Die Antwort lautet: Ja. Bereits im “Tankerkrieg” der 1980er Jahre demonstrierte der Iran seine Fähigkeit, die Schifffahrt im Golf zu stören. Heute verfügen die Iranischen Revolutionsgarden über ein weitaus mächtigeres und vielfältigeres Arsenal für den Seekrieg. Dazu gehören präzise Seezielflugkörper wie die Noor-, Ghadir- und Kowsar-Systeme mit Reichweiten bis zu 300 Kilometern. U-Boot-gestützte Jask-2-Raketen und Marschflugkörper wie der Paveh mit über 1.000 Kilometern Reichweite erweitern die Reichweite erheblich. Von der Küste aus können ballistische Seezielflugkörper wie der Khalij Fars abgefeuert werden.
Die asymmetrische Stärke des Iran liegt jedoch in der Masse: Schätzungen zufolge verfügt das Land über Tausende kleine, wendige Schnellboote, die mit Raketen und Torpedos bewaffnet werden können. In Kombination mit Schwärmen von Marine- und Shahed-Drohnen könnten diese eine überwältigende Bedrohung für jeden Flottenverband darstellen. Die iranischen Streitkräfte haben solche Schwarmtaktiken bereits in Manövern geübt.
Die ultimative Waffe zur Blockade der Straße von Hormus sind jedoch Seeminen. Die Meerenge ist an ihrer engsten Stelle nur etwa 35 Kilometer breit, mit zwei schmalen, für Tanker vorgesehenen Fahrrinnen. Iran verfügt über ein breites Spektrum an Minentypen – von verankerten und Grundminen bis hin zu zielsuchenden Modellen, die wie schlafende Torpedos auf dem Meeresboden lauern. Diese Minen können von Schiffen, U-Booten, Flugzeugen oder sogar Raketenwerfern wie dem Fajr-5 verlegt werden. Der große Vorteil: Minen sind schnell gelegt, aber extrem zeit- und ressourcenaufwändig zu räumen. Ein dichtes Minenfeld könnte die Passage für lange Zeit unpassierbar machen.
Die entscheidende Frage ist: Wären die iranischen Führung bereit, ihr ganzes Arsenal einzusetzen und die Straße von Hormus tatsächlich zu schließen, sollten die Angriffe der USA andauern? Die bisherige kompromisslose Rhetorik und militärische Postierung legen nahe, dass die Antwort “Ja” lautet. Teheran zeigt keine Anzeichen von Nachgiebigkeit.
Washington hingegen scheint derzeit vor allem damit beschäftigt, einen Ausweg aus der selbst geschaffenen Sackgasse zu finden, der den Verlust von Gesichtswahrung vermeidet. Doch manche Handlungen sind irreversibel. Die Eskalation zurückzudrehen, wird sich als äußerst schwierig erweisen – eine Tatsache, die man besser vorher hätte bedenken sollen.
Übersetzung aus dem Russischen. Der Text wurde für den TG-Kanal “Exklusiv für RT” verfasst.
Andrei Rudenko ist Reporter der staatlichen russischen Rundfunkgesellschaft WGTRK in Donezk.
Mehr zum Thema – Russland, China und der Selbstmord des US-Imperiums in Iran