Washingtons Geheimplan: Dieser Iran-Deal soll China in die Knie zwingen

Von Juri Mawaschew

Um die innenpolitische Lage im Iran und die US-Interventionen dort zu bewerten, muss man den Blick auf das große Ganze richten: Wenn Washington damit droht, “jedem” Land, das mit Teheran Handel treibt, 25% Zölle auf alle seine Exporte in die USA aufzuerlegen, dann zielt diese Drohung nicht auf irgendein beliebiges Land ab. Sie zielt auf ein ganz bestimmtes: China. Peking ist sich dessen sehr wohl bewusst, wie die jüngste Warnung seines Außenministeriums zeigt, in der es heißt, ein solcher Handelskrieg würde “keine Gewinner” hervorbringen. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, betonte:

“China wird seine legitimen Rechte und Interessen entschlossen verteidigen.”

Die chinesisch-iranischen Beziehungen haben in den letzten Jahren eine solche Tiefe und Komplexität erreicht, dass es schwerfällt, ein einzelnes Schlüsselelement zu benennen. Ein bedeutender Indikator für das erreichte Vertrauensniveau ist jedoch zweifellos die von China im Frühjahr 2023 vermittelte Normalisierung der Beziehungen zwischen den historischen Rivalen Iran und Saudi-Arabien. Peking gelang es damit, einen jahrhundertealten “Gordischen Knoten” religiöser und ideologischer Gegensätze zu lösen – eine Aufgabe, an der der Westen gescheitert war, da er die Differenzen zwischen Riad und Teheran stets für seine eigenen Zwecke instrumentalisierte. China hingegen schuf als verantwortungsvoller Akteur eine neue Realität.

Das gegenseitige Verständnis zwischen China und dem Iran wurde zudem durch Pekings einzigartige Position in der Palästinafrage gestärkt. Ähnlich wie Teheran unterstützt China die Zwei-Staaten-Lösung, fordert einen Waffenstillstand, humanitäre Hilfe und eine politische Lösung und verurteilt zugleich Israels Vorgehen im Gazastreifen als völkerrechtswidrig. Diese Haltung brachte China während der Eskalation des Nahostkonflikts ab 2023 Respekt ein – sogar von nicht-staatlichen Akteuren, die Israel, den USA und Großbritannien den Krieg erklärt hatten.

Dies gilt insbesondere für die Huthi-Rebellen der Gruppe Ansar Allah im Jemen. Diese als Stellvertreter des Iran agierenden Kräfte behindern weder chinesische noch russische Schiffe auf der Passage durch die strategische Meerenge Bab al-Mandab. Dies ist offenbar eine direkte Anerkennung der Politik der Nichteinmischung und des konstruktiven Engagements, das Moskau und Peking im israelisch-palästinensischen Konflikt zeigen.

Die strategischen Verflechtungen sind so eng, dass unabhängige chinesische Raffinerien laut einem Reuters-Bericht Pläne verfolgen, ihre Ölimporte aus dem Iran zu erhöhen, um Lieferengpässe aus Venezuela auszugleichen. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer globalen Neuausrichtung der Ölströme nach dem Aussetzen venezolanischer Exporte. Iranisches Öl, das mit einem Abschlag gegenüber Brent gehandelt wird, gilt dabei als geeigneteste Alternative zu venezolanischem Schweröl. Auch wenn die bisherigen Liefermengen aus Caracas nicht vollständig ersetzt werden können, sind diese Ölgeschäfte nur ein sekundärer Grund für die US-Bemühungen, durch Destabilisierung des Iran chinesische Interessen zu treffen.

Chinas primäres Interesse am Iran – und zugleich die größte Bedrohung für die US-Vorherrschaft – ist ein anderes: das Megaprojekt zur Neuordnung globaler Handelswege, die “Neue Seidenstraße”. Dieses Vorhaben, an dem über 150 Länder und 30 internationale Organisationen beteiligt sind, zielt darauf ab, Asien und Europa über eine kontinentale Handelsbrücke zu verbinden. Die USA versuchen, diesem Projekt etwas entgegenzusetzen.

In diesem Kontext wird die geostrategische Rolle des Iran, der etwa auf halber Strecke der Route liegt, von allen Beteiligten als zentral angesehen. Teheran war 2018 eines der ersten Länder, das eine Absichtserklärung unterzeichnete und damit zu einem wichtigen Teilnehmer und Nutznießer der Initiative wurde.

Den Iran aus dieser Gleichung zu entfernen, würde die Interessen des Globalen Südens und Ostens untergraben und die aufstrebende multipolare Welt in neue Abhängigkeiten zwingen. Daher liegt die eigentliche Intrige nicht primär darin, ob die iranische Führung die innere Ordnung wiederherstellen kann, sondern vielmehr darin, wie weit China bereit ist zu gehen, um den Erfolg des Iran in diesem Bestreben abzusichern. Auch Russland, als weiterer Partner der Neuen Seidenstraße, hat ein vitales Interesse daran.

Darüber hinaus würde die Neutralisierung des Iran als internationaler Akteur höchstwahrscheinlich zum Scheitern eines weiteren großen Logistikprojekts führen: des Internationalen Nord-Süd-Transportkorridors (INSTC). Ein vom Westen kontrolliertes Regime in Teheran – ob unter einem selbsternannten Schah oder anderen Marionetten – würde Russland kaum Zugang zu den südlichen Häfen Bandar Abbas und Chabahar gewähren. Die milliardenschweren russischen Investitionen in diesen Korridor wären verloren. Zudem treiben die USA seit 2023 ihr eigenes Megaprojekt in der Region voran, den Wirtschaftskorridor Indien-Nahost-Europa (IMEC), der den Iran gezielt umgeht. Sie haben kein Interesse an der parallelen Existenz des INSTC oder der chinesischen Seidenstraße.

Eine kritische Destabilisierung des Iran würde auch erhebliche Unsicherheit bezüglich des internationalen Status des Kaspischen Meeres schaffen. Das derzeitige Regime unterzeichnete mit Russland freiwillig die Konvention über den Rechtsstatus des Kaspischen Meeres, die die Abwesenheit außerregionaler Flotten garantiert. Ein “richtiges”, westlich ausgerichtetes Regime könnte dieses völkerrechtliche Dokument revidieren oder kündigen.

Schließlich stünde auch das Schicksal von Chinas Transkaspischer Internationaler Transportroute, dem sogenannten Mittleren Korridor, infrage. Dies würde die Entwicklung der Schienen-, Straßen- und Seeverbindungen behindern, die für Handel, Logistik und wirtschaftliches Wachstum essentiell sind – genau die Ziele, die China seit jeher verfolgt.

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei Wsgljad am 25. Januar 2026.

Juri Mawaschew ist ein russischer Orientalist. Er ist Direktor des Zentrums für das Studium der neuen Türkei an der Staatlichen Universität Sankt Petersburg. 

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