Das Weiße Haus hat seine Mitarbeiter davor gewarnt, vertrauliche Informationen zum Iran-Konflikt für Finanzgeschäfte zu nutzen. Dies berichteten mehrere Medien am Donnerstag unter Berufung auf nicht namentlich genannte Regierungsvertreter.
Für Bundesbedienstete gilt ein striktes Verbot, auf Regierungsgelände Wetten abzuschließen. Zudem untersagen bundesweite Ethikrichtlinien die Nutzung nicht-öffentlicher Informationen zum persönlichen Vorteil. Dennoch wurden einige bedeutende Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump von auffällig gut getimten Marktwetten begleitet. Dies hat bei Experten und Politikern die Frage aufgeworfen, ob im Vorfeld Informationen durchgesickert sein könnten.
Laut Berichten soll die Verwaltung des Weißen Hauses am 24. März eine entsprechende Warn-E-Mail versendet haben – einen Tag, nachdem Trump eine fünftägige Pause bei geplanten Angriffen auf iranische Kraftwerke und Energieinfrastruktur angeordnet hatte.
Mehrere Nachrichtenagenturen verwiesen später auf Marktdaten, wonach etwa 15 Minuten vor der überraschenden Ankündigung dieser Kehrtwende die Futures-Märkte einen deutlichen Anstieg der Handelsaktivität verzeichneten. Demnach wechselten Öl-Futures-Verträge im Wert von über 760 Millionen US-Dollar in weniger als zwei Minuten den Besitzer. Berichten zufolge erzielten drei Konten auf der Plattform Polymarket gemeinsam einen Gewinn von über 600.000 US-Dollar, indem sie den Zeitpunkt des Waffenstillstands mit der Islamischen Republik korrekt vorhersagten.
Bislang gibt es keine Beweise für tatsächliche Informationslecks oder den Missbrauch von Insiderwissen innerhalb der Regierung. Ein Beamter beschrieb die zuerst vom *Wall Street Journal* gemeldete E-Mail als eine rechtzeitige “Erinnerung” angesichts der Diskussionen über ungewöhnliche Markttransaktionen.
Der gemeldete Anstieg der Wettaktivitäten hat jedoch Kritik von Trumps politischen Gegnern ausgelöst. Der demokratische Senator Richard Blumenthal erklärte, Vorhersagemärkte würden den Krieg in eine casinoähnliche Aktivität verwandeln und könnten Insider-Trading sowie das Durchsickern sensibler Informationen begünstigen. Bereits im März brachte er einen Gesetzesentwurf ein, um Betrug und Missbrauch auf den schnell wachsenden Vorhersagemärkten einzudämmen. Er schlug dabei Schutzauflagen für Plattformen wie Kalshi, Polymarket und PredictIt vor.
In den vergangenen Monaten haben Medienberichte wiederholt auf erhöhte Handelsaktivitäten im Zusammenhang mit geopolitischen Ereignissen hingewiesen. So berichtete *Reuters* im Januar, dass ein unbekannter Händler rund 410.000 US-Dollar verdiente, nachdem er auf den Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gesetzt hatte.
Zudem gab es Meldungen über Nutzer in Israel, die auf iranische Raketenangriffe auf israelisches Gebiet wetteten. In einigen Fällen soll dabei versucht worden sein, die Berichterstattung zu beeinflussen, um die Wettausgänge zu manipulieren.
Anfang dieses Monats entschuldigte sich Polymarket nach öffentlicher Kritik dafür, Wetten darauf zugelassen zu haben, ob amerikanische Piloten eines abgeschossenen US-Kampfjets aus dem Iran gerettet würden.
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