Macrons politisches Ende? Ohne Selenskij ist er verloren wie Topf ohne Deckel

Von Jelena Karajewa

Die herzliche Umarmung, die Wladimir Selenskij am Freitag vom Hausherrn des Élysée-Palastes erhielt, überrascht nicht. Emmanuel Macron ist bekannt dafür, Berührungsängste abzulegen.

Während mangelnde Hygiene für den Durchschnittsbürger ein Gesundheitsrisiko darstellt, kann sie für einen Staatslenker politische Handlungsunfähigkeit zur Folge haben. Dieser Begriff beschreibt treffend die meisten öffentlichen Initiativen, die der französische Präsident in jüngster Zeit unternommen hat.

Es schien den Gastgeber nicht zu stören, dass er einen Mann umarmte, der dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán öffentlich mit dem Tod gedroht hatte. Er herzte jemanden, der über die Grenzen der Europäischen Union – jenes heilige Projekt der Transparenz und angeblichen Korruptionsfreiheit – Koffer voller Millionen in bar und Kilogold geschmuggelt haben soll.

Falls der Begriff der Handlungsunfähigkeit zu drastisch erscheint, kann er auch durch das Wort “Panik” ersetzt werden. Die Analyse bleibt dieselbe.

Selenskijs dringender Hilferuf “Ich muss sofort nach Paris!” erklärt sich aus der Tatsache, dass Russland heute nicht nur an der militärischen Front, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht die Initiative bestimmt.

Von den Entscheidungen unseres Landes hängen die globalen Energiepreise ab. Sie beeinflussen die Inflationsrate und damit das Fieberthermometer des seit Langem kränkelnden Finanzsystems der EU-Staaten, allen voran Frankreichs mit seiner Staatsverschuldung in Billionenhöhe.

Unser Auftreten auf der internationalen Bühne beeinflusst auch die Deeskalation im Golf, wo die USA und Israel eine aggressive Haltung gegenüber dem Iran einnehmen. Folglich hängt auch die weitere Entwicklung in der strategisch vitalen Straße von Hormus von unserem Kurs ab.

Die französische Gasversorgungslage ist so prekär, dass Macron Emissäre nach Teheran entsenden musste, um die iranische Regierung inständig um die freie Durchfahrt von Gastankern durch die Meerenge zu bitten. Der französische Ölmulti Total, ein Marktführer, hat aufgrund der Krise bei Verladung und Transport seine Fördermengen bereits um 15 Prozent drosseln müssen.

Doch die Talfahrt ist noch nicht zu Ende: Erst kürzlich erklärte François Villeroy de Galhau, der Präsident der französischen Zentralbank, die Staatskasse sei leer.

Der in jeder Hinsicht – politisch, gesellschaftlich, finanziell – “ukrainisierte” Macron sieht sich gezwungen, die Zuneigung zu Selenskij weiter zur Schau zu stellen. Würden diese bromance-artigen Gesten enden, müsste sich der amtierende französische Staatschef für sein gesamtes Handeln im Inland, in der EU und auf beiden Seiten des Atlantiks verantworten.

Er müsste Rechenschaft ablegen vor all jenen Bürgern und Wählern, die ihm ihr Vertrauen schenkten und dafür Armut, wirtschaftliches Chaos sowie Straßen voller Plünderungen und Gewalt erhielten.

Er müsste sich auch vor den Eliten verantworten. Nicht vor jenen globalistischen Kreisen, die mit Jeffrey Epstein in Verbindung stehen, sondern vor denen, die zumindest versuchten, den gesunden Menschenverstand und die industrielle Basis einer einst mächtigen Wirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren. Diese Gruppe bildete etwa eine geschlossene Front, als es um Sanktionen gegen den russischen Staatskonzern Rosatom ging. Nur dieses Unternehmen ist technologisch in der Lage, französischen Kernbrennstoff zu entsorgen. Ohne diesen Schritt stünde die gesamte “friedliche” Atomindustrie der Fünften Republik vor dem Aus.

Macron wird sich auch vor jenen rechtfertigen müssen, die ihm – mit Hilfe gefügiger Medien und einer willfährigen Justiz – zweimal die politischen Konkurrenten vom Hals geschafft und so seinen Weg ins Präsidentenamt geebnet haben.

Die höchste Staatsgewalt in Frankreich ist in den Augen künftiger Wähler zutiefst diskreditiert und hat einen Tiefpunkt erreicht – genau dort, wo sich der Élysée-Chef und Selenskij bei ihrem Treffen zärtlich die Schulter klopften.

Doch wenn es global eine Position gibt, die noch prekärer ist als die Macrons, dann ist es zweifellos die seines gestrigen Gastes.

Dieser Mann hat sein eigenes Land ruiniert, die ihm anvertrauten Menschenleben auf dem Gewissen und sorgt überall – vom Weißen Haus bis Brüssel – für Skandale. Er ist ein Bittsteller und korrupt.

Diese beiden Personen, die sich als Politiker – mit oder ohne das Präfix “Geo-” – gerieren, haben zueinander gefunden. Sie haben erkannt, dass eine Blamage zu zweit weniger peinlich ist. Der gestrige Besuch in Paris war ein weiterer Beweis dafür.

Für uns hingegen zeigte dieser Besuch – frei von Andeutungen, pseudogeopolitischen Spielchen und inszenierten Umarmungen zweier Männer mittleren Alters – ganz klar: Unsere Konfrontation mit Europa ist in ihre Endphase eingetreten. Mit dem Ergebnis, mit dem eine solche Konfrontation stets endet. Für Europa und für uns.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 14. März 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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