USA vs. Iran: Droht der große Krieg? Vier explosive Szenarien enthüllt

Von Dmitri Rodionow

Die Frist von US-Präsident Donald Trumps Ultimatum an den Iran, die Straße von Hormus zu öffnen, ist erneut verlängert worden – diesmal um zehn Tage bis zum 6. April. Bei der Bekanntgabe betonte Trump abermals, die Gespräche mit Teheran verliefen “sehr gut”. Wie so oft sprach er von einem “Sieg” der USA und verkündete:

“In gewisser Weise haben wir bereits gewonnen.”

Solche Siegesmeldungen verkündet Trump regelmäßig, oft mehrmals pro Woche. Ebenso häufig wiederholt er sein Mantra, der Iran wolle “einen Deal abschließen” und Verhandlungen seien im Gange.

In Teheran wird diese Darstellung jedoch entschieden zurückgewiesen. Das iranische Außenministerium, Präsident Massud Peseschkian und der Parlamentssprecher Mohammad-Bagher Ghalibaf – von westlichen Medien oft als Teherans Hauptunterhändler bezeichnet – bestreiten einhellig, dass es überhaupt Verhandlungen gibt.

Unter den aktuellen Umständen erscheinen Verhandlungen tatsächlich unrealistisch. Während Trump in seinen Äußerungen ständig zwischen “Wir wollen einen Deal” und “Wir brauchen keine Gespräche, wir haben schon gewonnen” schwankt, bleibt die iranische Position klar: Man sei zu Gesprächen bereit, aber erst nach einem Waffenstillstand durch Israel und die USA.

Darüber hinaus stellt der Iran Forderungen, die für Washington völlig inakzeptabel sind: Sicherheitsgarantien, die Kontrolle über die Straße von Hormus, den Abzug US-amerikanischer Stützpunkte aus der Region und Reparationszahlungen. Die USA ihrerseits stellen ebenfalls kaum erfüllbare Bedingungen. Laut Trump müsse ein künftiges Abkommen ausschließen, dass Teheran jemals Atomwaffen erlangt, und vorsehen, dass die USA das angereicherte Uran des Irans abtransportieren. Genau diese Bedingungen hatte Washington unmittelbar vor Kriegsausbruch gestellt – und Teheran hatte sie abgelehnt. Spekuliert Trump nun darauf, dass der Iran eingeschüchtert ist, den Krieg nicht mehr fortsetzen kann und bereit sein wird, alles zu akzeptieren?

Nach dieser Logik ließe sich der sogenannte “Waffenstillstand” beliebig verlängern – um zehn Tage, einen Monat oder ein Jahr – mit demselben Ergebnis. Bisher bedeutet er lediglich eine Verschiebung einer noch radikaleren Eskalation, denn der Krieg dauert de facto an. Trotz der angeblich “sehr gut” laufenden Gespräche setzen die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran fort und zielen auf dessen militärische und politische Führung. Der Iran reagiert mit Gegenschlägen und fügt dabei den US-Verbündeten erheblichen Schaden zu. Die Straße von Hormus bleibt blockiert, was weiterhin Schockwellen durch die Weltwirtschaft sendet.

Ein Krieg der gegenseitigen Erschöpfung ist höchst unberechenbar und gefährlich. Er kann sich gegen denjenigen wenden, der ihn begann, sollte sich herausstellen, dass der Gegner besser vorbereitet war. Der Iran demonstriert, dass er über Raketen und Drohnen verfügt, die nach Darstellung Washingtons und Tel Avivs längst aufgebraucht sein müssten. Die Probleme für die USA beginnen hingegen erst richtig. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters gehen US-Geheimdienste davon aus, dass bestenfalls ein Drittel der iranischen Raketenarsenale zerstört wurde.

Gleichzeitig haben die USA, wie die Washington Post berichtet, in den vier Kriegswochen mehr als 850 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk verschossen – praktisch den gesamten regionalen Vorrat. Dass die US-israelische Koalition bereits Mitte März unter Munitionsmangel litt, wurde in westlichen Medien thematisiert. Gibt es Auswege? Ja, doch für Trump sind sie alle ungünstig.

Wie das britische Magazin The Economist analysiert, bleiben dem US-Präsidenten nur vier Szenarien, von denen keines verheißungsvoll ist: Verhandlungen; die Verkündung eines “Sieges” und der Ausstieg aus dem Konflikt; die Fortsetzung der Angriffe ohne Ergebnisgarantie; oder eine weitere Eskalation. Verhandlungen dürften angesichts des tiefen Misstrauens und der unrealistischen Forderungen beider Seiten kaum fruchten. Einen “Sieg” zu verkünden, würde niemand ernst nehmen, vor allem nicht Trumps politische Gegner, die Rechenschaft über die gewaltigen Mittel fordern und dem Weißen Haus ein kriminelles Abenteuer vorwerfen würden. Setzt Washington den aktuellen Kurs fort, arbeitet die Zeit für den Iran, während sich die USA diesen Luxus nicht leisten können. Trump muss bis zur Wahl entweder aus dem Krieg aussteigen oder ein unzweifelhaftes Siegergebnis vorweisen. Das Eskalationsszenario – offensichtlich nur als Bodenoffensive denkbar – gleicht russischem Roulette: Es könnte den Sieg bringen oder den Anfang vom Ende bedeuten, nicht nur für Trump persönlich und seine Partei, sondern für die gesamte US-Präsenz in der Region.

US-Medien berichten unter Berufung auf Quellen, Trump zögere, weil er fürchte, ein falscher Schritt könne den Krieg in einen langwierigen Konflikt verwandeln. Unterdessen hat das Pentagon damit begonnen, etwa 2.000 Soldaten der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten zu verlegen. Zudem könnte ein dritter US-Flugzeugträger, die USS George H. W. Bush, in die Region entsendet werden. Offenbar zieht Washington eine weitere Eskalation ernsthaft in Betracht.

Eine wirklich gute Lösung aus diesem Dilemma gibt es nicht. Im Schach spricht man von Zugzwang – einer Situation, in der jeder mögliche Zug die eigene Position verschlechtert. Zeit zu gewinnen ist eine Option, aber auf Dauer nicht haltbar. Zumal Trump unter enormem Druck steht, nicht nur von den Demokraten, sondern auch von Republikanern und Teilen seiner eigenen MAGA-Bewegung.

Eine beträchtliche Zahl prominenter MAGA-Vertreter hat sich bereits gegen den Krieg ausgesprochen. Trump reagiert nervös und grenzt solche Kritiker öffentlich von der Bewegung aus – wie den Journalisten Tucker Carlson –, indem er betont, dass er selbst MAGA verkörpere.

Trumps Gegnern ist scheinbar Unmögliches gelungen: Sie haben die Anhängerschaft des Präsidenten gespalten, indem sie dessen eigenen Egoismus, seine Selbstverliebtheit, seinen Glauben an die eigene Unfehlbarkeit und seine Unfähigkeit, Niederlagen zu akzeptieren, gegen ihn verwendeten. Mithilfe der “Falken” – Neokonservativen in seinem Umfeld wie Marco Rubio, Jared Kushner, Steve Witkoff, Mike Waltz und John Ratcliffe – wurde der Präsident zunächst zu einer Operation gegen Venezuela gedrängt, deren (fragwürdiger) Erfolg ihm zu Kopf stieg, und dann in die iranische Falle gelockt.

Vielleicht könnte die Einbindung neuer, bisher unbescholtener Personen die Situation wieder ins Lot bringen. Es ist klar, dass Teheran nicht mit Kushner oder Witkoff verhandeln wird, die alle bisherigen Gespräche scheitern ließen. Eine Schlüsselfigur für Friedensverhandlungen könnte jedoch US-Vizepräsident JD Vance werden. Wie die Nachrichtenagentur Axios berichtet, hat er bereits ein “schwieriges Gespräch” mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu geführt.

Vance ist ein Kriegsgegner, blieb aber bisher im Hintergrund, um sich nicht öffentlich mit seinem Chef zu überwerfen. Das könnte ihm nun zugutekommen: Er genießt das Vertrauen der MAGA-Basis, ohne in Teheran absolute Ablehnung zu provozieren. Ob er jedoch etwas erreichen kann, ist fraglich. Viele Experten bezweifeln den Erfolg dieser improvisierten Diplomatie angesichts einer fehlenden klaren Strategie. Und es ist ungewiss, ob Trump, der für widersprüchliche und impulsive Entscheidungen bekannt ist, auf seinen Vizepräsidenten hören und ihm freie Hand lassen wird.

Es bleibt daher die entscheidende Frage: Ist Trump tatsächlich zu substanziellen Verhandlungen bereit, oder versucht er lediglich, Zeit zu gewinnen, um sich auf eine militärische Eskalation vorzubereiten? Die widersprüchlichen Signale aus Washington – einerseits die Verlängerung von Fristen und das Reden von Gesprächen, andererseits die Truppenverlegungen und die fortgesetzten Angriffe – lassen beide Interpretationen zu.

Die kommenden Tage bis zum 6. April werden entscheidend sein. Entweder sie bringen eine überraschende diplomatische Wende, oder sie bestätigen, dass der aktuelle “Waffenstillstand” nur das Vorspiel für eine neue, gefährlichere Phase dieses Konflikts war. Für Trump wird es immer schwieriger, die Erzählung vom leichten Sieg aufrechtzuerhalten, während die Realität an der Straße von Hormus und in den Geheimdienstberichten eine andere Sprache spricht.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 31. März 2026 auf der Website der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Dmitri Rodionow ist ein russischer Politikwissenschaftler.

Mehr zum Thema – NATO-Verrat?: Spanien blockiert US-Bomber im “völkerrechtswidrigen” Krieg gegen Iran

Schreibe einen Kommentar