USA und Iran am Rande des Krieges: Ölpreise explodieren – droht eine globale Krise?

Die Ölpreise haben ihr höchstes Niveau seit dem vergangenen Sommer erreicht. Diese Entwicklung folgt auf zunehmende Hinweise, dass die USA einen Militärschlag gegen den Iran vorbereiten könnten. Die Märkte bewerten dabei nicht nur das Risiko für die iranischen Exporte selbst, sondern auch die Gefahr einer möglichen Eskalation, die die Ölversorgung aus der gesamten strategisch wichtigen Golfregion bedrohen könnte.

Nach einem Anstieg um mehr als vier Prozent am Mittwoch legten die Notierungen auch am Donnerstagmorgen weiter zu. Der internationale Referenzpreis Brent stieg auf über 71 US-Dollar pro Barrel, während der US-Leitsorte West Texas Intermediate (WTI) bei rund 66 Dollar gehandelt wurde.

“Die Sorge der Ölmärkte ist eindeutig: Es geht nicht nur um das iranische Ölangebot, sondern um den gesamten Ölfluss durch den Persischen Golf, angesichts des Risikos von Unterbrechungen in der Straße von Hormus”, erläuterten Analysten der ING am Mittwoch. Der Iran exportiert täglich etwa 1,5 Millionen Barrel, hauptsächlich nach China. Die Straße von Hormus, eine schmale Meerenge vor der Küste des Irans, ist ein kritischer Engpass, durch den etwa ein Vrittel des weltweiten Ölhandels auf dem Seeweg transportiert wird.

Gegenwärtig herrscht auf einem eher schwachen Markt ein Überangebot, das durch ein moderates Nachfragewachstum und steigende Förderquellen gekennzeichnet ist. Diese Rahmenbedingungen – zusammen mit den vergleichsweise moderaten US-Benzinpreisen – erweitern den geopolitischen Handlungsspielraum von Präsident Trump erheblich.

“Geopolitische Themen, insbesondere der Iran, sind derzeit der wichtigste Treiber für den Aufwärtstrend am Ölmarkt”, erklärt Ben Cahill, Energieanalyst an der University of Texas in Austin, gegenüber *Axios* per E-Mail. “Ansonsten gäbe es wenig, was den Preis in Richtung 70 Dollar [pro Barrel] stützen könnte.”

Analysten von RBC Capital Markets weisen darauf hin, dass die kurzfristige Kapazität, ausgefallene Fördermengen zu ersetzen, begrenzt wäre, sollte es zu einem Krieg kommen. “Wir betonen weiterhin, dass die einzige nennenswerte Reservekapazität in Saudi-Arabien liegt. Sollte die OPEC im Frühjahr die Produktion erhöhen, wäre der Spielraum äußerst begrenzt, um einen größeren Angebotsausfall infolge eines USA-Iran-Krieges auszugleichen.”

Der Ölanalyst Clayton Seigle vom Center for Strategic & International Studies hat verschiedene Konfliktszenarien analysiert und deren potenzielle Auswirkungen auf die Preise skizziert:

Ein Embargo oder eine Blockade iranischer Exporte durch die USA oder Israel, bei der die Exportinfrastruktur intakt bliebe, könnte den Preis um zehn bis zwölf Dollar pro Barrel ansteigen lassen – ein Effekt, der reversibel wäre. Ein direkter Angriff auf die Infrastruktur hätte einen stärkeren Preisanstieg zur Folge. Versuche des Irans, den Ölfluss durch die Straße von Hormus zu stören, könnten die Preise auf über 90 Dollar treiben – was die durchschnittlichen US-Benzinpreise auf deutlich über drei Dollar pro Gallone steigen ließe.

Ein noch extremeres Szenario wäre ein iranischer Angriff auf die Ölinfrastruktur von Golfstaaten, beispielsweise auf Bohrlöcher und Exportterminals. Dies könnte einen “historischen” Preissprung auf bis zu 130 Dollar pro Barrel auslösen.

Unklar bleibt, wie die US-Innenpolitik Dauer und Intensität eines möglichen Konflikts beeinflussen würde, sollte das Weiße Haus tatsächlich gegen den Iran vorgehen – insbesondere angesichts der bekannten Abneigung von Präsident Trump gegen steigende Benzinpreise.

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