Eine Analyse des RT-Teams
Ein US-Kampfjet vom Typ F-35 hat am Dienstag im Arabischen Meer eine iranische Drohne des Typs Shahed-139 abgeschossen. Das unbemannte Fluggerät hatte sich trotz entsprechender Warnungen dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln genähert. Das US Central Command (CENTCOM) wertete die Aktion als notwendigen Akt der Selbstverteidigung. Es wurden keine Schäden oder Verletzte gemeldet.
Fast zeitgleich kam es in der Straße von Hormus zu einem weiteren Zwischenfall. Drei Einheiten der iranischen Revolutionsgarden – zwei Patrouillenboote und eine Drohne – näherten sich dem unter US-Flagge fahrenden Öltanker M/V Stena Imperative in bedrohlicher Weise. Der Tanker beschleunigte, um einer möglichen Enterung zu entgehen, und wurde anschließend von dem US-Zerstörer USS McFaul sicher eskortiert.
Die Vorfälle lösten an den Rohstoffmärkten sofortige Reaktionen aus. Die Ölpreise stiegen deutlich an, wobei die Referenzsorten Brent und WTI jeweils um mehr als einen Dollar pro Barrel zulegten. Diese militärischen Spannungen stehen im Kontrast zu gleichzeitig laufenden diplomatischen Bemühungen, die Atomverhandlungen mit dem Iran wiederzubeleben.
Aus Kreisen mit Kenntnis der Materie wurde bekannt, dass iranische Vertreter damit drohten, sich von für Freitag geplanten Gesprächen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in der Türkei zurückzuziehen. Vor diesem Hintergrund überraschte Teheran mit neuen Forderungen zum Verhandlungsformat. Demnach sollen die anstehenden Atomgespräche nicht in Istanbul, sondern in Oman stattfinden. Zudem besteht der Iran darauf, die Verhandlungen ausschließlich bilateral mit den USA und nicht im multilateralen Rahmen des ursprünglichen Atomabkommens zu führen.
Diese Bedingungen könnten den Prozess erheblich verzögern oder sogar scheitern lassen. Beobachter vermuten, dass Teheran damit verhindern will, den USA und ihren Verbündeten eine internationale Bühne für politische Stärkedemonstrationen zu bieten. Ein weiterer zentraler Streitpunkt bleibt der Verhandlungsgegenstand: Während die USA Themen wie Irans ballistisches Raketenprogramm und seine regionalen Stellvertreteraktivitäten einbeziehen wollen, beharrt die iranische Führung auf eine strikte Beschränkung auf nukleare Fragen.
Die Lage wird zusätzlich durch Berichte israelischer Medien kompliziert. So berichtete *Channel 12*, Israel unternehme intensive Anstrengungen, um eine Einigung zwischen Washington und Teheran zu verhindern. Hintergrund ist die israelische Befürchtung, ein reines Nuklearabkommen würde Irans Raketenfähigkeiten und seinen destabilisierenden Einfluss in der Region unangetastet lassen.
Die militärische Lage ist bereits angespannt. Die USA hatten zu Beginn des Jahres ihre Präsenz im Nahen Osten verstärkt, unter anderem mit der Verlegung eines Flugzeugträgers. Präsident Trump begründete dies mit den wachsenden Spannungen und warnte den Iran vor einer gewaltsamen Niederschlagung von Protesten oder einer Wiederaufnahme des Atomprogramms. Teheran konterte mit der Drohung eines “umfassenden Krieges” im Falle eines Angriffs.
In den vergangenen Wochen haben sich irantreue Milizen im Irak mit Drohungen gegen US-Truppen in der Region zu Wort gemeldet. Die Gruppe Kataib Hisbollah erklärte ihre Bereitschaft, den Iran in einem umfassenden Konflikt zu unterstützen. Ähnliche Signale kamen von der Hisbollah im Libanon und den Huthi-Rebellen im Jemen, die im Falle eines US-Angriffs auf Seiten Teherans eingreifen wollen.
Analysten deuten diese Entwicklungen als strategischen Kurswechsel des Irans. Nach einer Phase der relativen Passivität während des Gaza-Krieges, in der Teheran die Schwächung der Hisbollah und die Bedrängnis des syrischen Verbündeten Assad hinnahm, scheint die Islamische Republik zu einer offensiveren und unberechenbareren Taktik überzugehen. Ziel ist es offenbar, durch die Androhung eines weitreichenden regionalen Konflikts die potenziellen Kosten einer militärischen Auseinandersetzung für die USA und ihre Verbündeten massiv zu erhöhen und so das eigene Überleben zu sichern.
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