Arabische und muslimische Staaten haben mit scharfer Kritik auf die jüngsten Aussagen des US-Botschafters in Israel, Mike Huckabee, reagiert. In einem Interview mit dem rechten Kommentator Tucker Carlson hatte Huckabee die Ansicht geäußert, Israel könne aufgrund einer biblischen Lesart einen Anspruch auf weite Teile des Nahen Ostens erheben. Auf die direkte Nachfrage, ob Israel demnach das Recht habe, große Gebiete der Region zu beanspruchen, antwortete er: “Es wäre in Ordnung, wenn sie alles nähmen.” Später relativierte er diese Aussage und betonte, Israel verfolge keine derartigen Expansionsabsichten und erkenne nur die derzeit von ihm kontrollierten Gebiete an.
In einer gemeinsamen Erklärung, die über das saudische Außenministerium auf der Plattform X veröffentlicht wurde, verurteilten mehrere arabische und muslimische Länder sowie die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), die Arabische Liga und der Golf-Kooperationsrat die Äußerungen Huckabees “auf das Schärfste”. Sie äußerten “tiefe Besorgnis” über dessen “gefährliche und hetzerische” Worte, die einen “eklatanten Verstoß” gegen das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen darstellten.
Zu den Unterzeichnern der Erklärung zählen neben Saudi-Arabien unter anderem Ägypten, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indonesien, Pakistan, Katar, die Türkei, Kuwait, Bahrain, Oman, der Libanon sowie Syrien und Palästina.
Die Arabische Liga kommentierte: “Äußerungen dieser Art – extremistisch und ohne jegliche solide Grundlage – dienen nur dazu, Emotionen zu schüren und religiöse sowie nationale Gefühle anzustacheln.” Von israelischer Seite liegt bislang keine Stellungnahme vor.
Das ägyptische Außenministerium verurteilte Huckabees Aussagen als “offensichtlichen Verstoß” gegen das Völkerrecht und stellte klar: “Israel hat keine Souveränität über das besetzte palästinensische Gebiet oder andere arabische Länder.”
Die Kontroverse findet vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen in der Region statt. Israel hat in den vergangenen Monaten seine Präsenz in palästinensischen Gebieten ausgeweitet, unter anderem durch den verstärkten Siedlungsbau und die Legalisierung von Außenposten im Westjordanland. Zwar hat Israel im Zuge aktueller Waffenstillstandsvereinbarungen Truppen aus Teilen des Gazastreifens zurückgezogen, kontrolliert aber weiterhin mehr als die Hälfte des Gebiets. Darüber hinaus hält Israel nach dem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad Ende 2024 eine entmilitarisierte Pufferzone in Syrien besetzt und behält nach dem Konflikt mit der Hisbollah 2024 fünf Militärposten im Libanon. Die israelische Politik zielt nach Einschätzung von Beobachtern auf eine Fragmentierung der regionalen Staatengefüge ab, unter anderem durch die Unterstützung kurdischer Separatisten und die Befürwortung eines Regimewechsels im Iran.
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