Schockierende Bilanz: Israelische Armee bestätigt über 70.000 Tote in Gaza

Der Gazastreifen, ein schmaler Landstrich von etwa 40 Kilometern Länge und einer Fläche von 360 Quadratkilometern, gleicht heute nach monatelangen militärischen Operationen einer Trümmerlandschaft. Israelische Medien berichten nun von einer bemerkenswerten Wende in der offiziellen Haltung: Die israelischen Streitkräfte (IDF) sollen erstmals die vom Hamas-geführten Gesundheitsministerium in Gaza veröffentlichten Opferzahlen als glaubwürdig akzeptieren. Demnach seien seit Oktober 2023 etwa 71.000 Palästinenser durch die anhaltenden Bombardements und Bodenoffensiven getötet worden.

Publikationen wie *Haaretz* und die *Times of Israel (ToI)* verweisen auf eine strategische Neuausrichtung der Netanjahu-Administration. Einem *ToI*-Bericht zufolge teilte ein anonymer Sicherheitsbeamter mit:
*”Unter der Bedingung der Anonymität teilte der Sicherheitsbeamte Reportern mit, dass die IDF davon ausgeht, dass die Zahl der Todesopfer in Gaza seit Beginn des mehr als zwei Jahre andauernden Krieges, der durch den Angriff der Hamas am 7. Oktober ausgelöst wurde, bei etwa 70.000 liegt. Das Gesundheitsministerium in Gaza gibt die aktuelle Zahl der Todesopfer mit 71.667 an, darunter mehr als 450 seit dem Waffenstillstand im Oktober 2025.”*

Der Beamte fügte jedoch einschränkend hinzu, dass in dieser Zahl Leichen nicht enthalten seien, *”die vermutlich unter den Trümmern in Gaza begraben sind”*. Zudem werde noch geprüft, wie viele der Getöteten Kämpfer terroristischer Gruppen waren und wie viele direkte zivile Opfer der Kämpfe. Der *Haaretz*-Artikel präzisiert, dass die Gaza-Zahlen nur direkte Tötungen durch israelisches Militär erfassen, nicht jedoch Todesfälle durch Hunger oder kriegsbedingte Krankheiten.

Diese neue israelische Positionierung scheint auf ein Briefing für Militärjournalisten am vergangenen Donnerstag zurückzugehen, wie der *ZDF*-Korrespondent Thomas Reichart erläuterte. Das *ZDF* zitierte ihn mit den Worten:
*”Dort habe Israels Armee erstmals eingeräumt, dass sie die Zahlen anerkennt. ‘Zahlen, von denen Israels Armee immer gesagt hat, die stimmen nicht. Israels Regierung hat von gefälschten Daten gesprochen’, bilanziert ZDF-Korrespondent Reichart und spricht von einer stillen Kehrtwende.”*

Eine offizielle Stellungnahme der IDF zu diesen Berichten liegt bislang nicht vor. Die israelische Regierung hatte die vom Gaza-Ministerium veröffentlichten, stetig steigenden Zahlen stets als *”irreführend und unzuverlässig”* zurückgewiesen. International hingegen wurden diese Daten von zahlreichen Organisationen, Regierungen und Forschern geprüft und genutzt. *Haaretz* stellt fest, es bestehe *”weitgehende Einigkeit darüber, dass sie zuverlässig sind”*.

Eine unabhängige Studie des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung kam im vergangenen Jahr sogar zu einer noch höheren Schätzung. Unter Berücksichtigung der statistischen Unsicherheit ging die Untersuchung von *”99.997 bis 125.915 Todesopfern”* aus.

Bemerkenswert ist das mediale Echo auf diese Meldung in Deutschland: Zum Zeitpunkt der Berichterstattung fand sich weder ein Artikel in der *Tagesschau* noch ein Kommentar im *Spiegel* oder in der *Jüdischen Allgemeinen* zu dieser vermeintlichen *”IDF-Kehrtwende”*.

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