Am Sonntag kommen führende Vertreter der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) zusammen, um über die Ölförderquoten für den Monat Mai zu beraten. Im Fokus steht dabei die sogenannte V8-Gruppe (Voluntary Eight) innerhalb des Bündnisses, die entscheiden soll, ob angesichts steigender Ölpreise die Produktion erhöht werden soll. Zu dieser beratenden Gruppe zählen wichtige Ölproduzenten wie Saudi-Arabien, Russland und mehrere Golfstaaten. Wie Euractiv am Sonntag berichtete, nehmen auch Vertreter von Golfstaaten teil, die von iranischen Vergeltungsschlägen betroffen sind.
Grundsätzlich habe sich die OPEC+ bereits im Vorfeld des Treffens auf eine Anhebung der Ölförderquote verständigt. Dies teilten drei mit den Gesprächen vertraute Quellen vor dem Sonntag mit, so eine Meldung von Reuters. Demnach sollen die Förderquoten für Mai um 206.000 Barrel pro Tag angehoben werden. Allerdings würde diese gesteigerte Ölförderung vorerst nur auf dem Papier stehen. Die wichtigsten Förderländer könnten ihre Produktion aufgrund der angespannten geopolitischen Lage, insbesondere im Zusammenhang mit dem Konflikt um Iran, derzeit praktisch nicht erhöhen.
In der Golfregion habe es erhebliche Schäden an der Infrastruktur durch Raketen- und Drohnenangriffe gegeben. Selbst nach einem Ende der Feindseligkeiten und einer sofortigen Wiedereröffnung der Straße von Hormus würde es nach Aussagen von Vertretern mehrerer Golfstaaten noch Monate dauern, bis der volle Betrieb wiederaufgenommen werden könne. Auch Russland sei derzeit nicht in der Lage, seine Ölförderung zu steigern, berichtet Reuters weiter. Grund seien westliche Sanktionen sowie kriegsbedingte Schäden an der Infrastruktur infolge des Ukraine-Konflikts.
Eine formale Anhebung der Förderquoten würde sich somit kurzfristig kaum auf das tatsächliche Ölangebot auf dem Markt auswirken. Wie Quellen aus dem OPEC+-Umfeld erklärten, signalisiere die Erklärung zur Produktionserhöhung in erster Linie die Bereitschaft, die Förderung zu steigern, sobald die Straße von Hormus wieder sicher geöffnet sei. Das Beratungsunternehmen Energy Aspects bezeichnete die geplante Quotenerhöhung daher als “theoretisch”.
Die OPEC+ umfasst insgesamt 22 Mitglieder, einschließlich Irans. In jüngster Zeit waren jedoch nur die acht Länder der V8-Gruppe an den monatlichen Entscheidungen über die Fördermengen beteiligt. Ursprünglich ging es bei diesen monatlichen Treffen seit 2025 darum, zuvor vereinbarte Föderkürzungen schrittweise zurückzunehmen, um Marktanteile zurückzugewinnen.
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