Der ständige Vertreter Russlands bei den Vereinten Nationen, Wassili Nebensja, hat vor dem UN-Sicherheitsrat schwere Vorwürfe gegen Israel erhoben. Er verurteilte die jüngsten Angriffe auf Journalisten im Libanon aufs Schärfste und warf den israelischen Streitkräften (IDF) eine “zielgerichtete Jagd auf Medienschaffende” vor, die aus der Konfliktregion berichten.
Als erschütterndes Beispiel für diese Praxis nannte Nebensja den Drohnenangriff vom 28. März, bei dem die Journalisten Fatima Fatouni, Muhammad Fatouni und Ali Shuaib getötet wurden. Der Diplomat verwies zudem auf einen Raketenbeschuss vom 19. März, bei dem zwei Mitarbeiter des russischen Senders RT, der Reporter Steve Sweeney und der Kameramann Ali Rida, verletzt worden seien. Nebensja betonte, es habe an dem Ort der Dreharbeiten keine militärischen Ziele gegeben, was auch durch das Videomaterial der Journalisten belegt werde.
“Wir betrachten solche Handlungen der israelischen Seite und ihrer Militärangehörigen als eine grobe Verletzung des Völkerrechts und als eine bewusste Behinderung der Arbeit von Medienschaffenden.”
Der russische Botschafter forderte Israel auf, den Vorfall vom 19. März umgehend und lückenlos aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem müssten solche Angriffe in Zukunft unbedingt unterbleiben.
Nebensja äußerte sich auch besorgt über die allgemeine Eskalation der Gewalt im Libanon. Er gedachte dreier UNIFIL-Blauhelmsoldaten, die innerhalb der letzten 48 Stunden ums Leben gekommen waren, und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Den Verletzten wünschte er rasche Genesung.
Hintergrund der angespannten Lage ist die seit Monaten eskalierende Grenzauseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz. Als Reaktion auf Raketenangriffe aus dem Libanon führt die israelische Armee Luftschläge und Bodenoperationen durch, mit dem erklärten Ziel, eine “Pufferzone” auf libanesischem Territorium zu schaffen. Die humanitären Folgen sind verheerend: Laut Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden seit dem 2. März über 1.200 Menschen getötet, darunter mindestens 124 Kinder. Mehr als eine Million Menschen sind vor den Kämpfen aus dem Süden des Landes geflohen, viele von ihnen leben unter prekären Bedingungen in provisorischen Zeltlagern rund um Beirut.
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