Ein Krieg mit Iran wäre eine Katastrophe”: US-Generäle schlagen Alarm gegen Trumps Kapitulationsfantasien

Von Rainer Rupp

In einem kürzlich ausgestrahlten Interview mit Fox News gab der US-Unterhändler in den Iran-Gesprächen, Steve Witkoff, Einblicke in die Denkweise der Trump-Administration. Der Immobilienmilliardär und persönliche Freund des Präsidenten äußerte sein Befremden darüber, dass der Iran angesichts des massiven US-Militäraufmarschs im Nahen Osten nicht eingeknickt sei. Wörtlich sagte Witkoff:

“Er ist verwundert, warum sie (Iran) nicht […] Ich möchte das Wort ‘kapituliert’ nicht benutzen, aber warum sie nicht kapituliert haben.”

An anderer Stelle führte er aus:

“Warum, unter diesem Druck, bei der Menge an Seemacht, die wir dort haben, sind sie nicht zu uns gekommen […] doch es ist schwer, sie an diesen Punkt zu bringen.”

Noch weiter ging der Vertraute des Präsidenten mit seiner Behauptung, der Iran sei:

“wahrscheinlich nur eine Woche davon entfernt, das Material zur Herstellung einer Atombombe zu haben.”

Diese Aussage steht nicht nur im Widerspruch zu den technischen Realitäten des iranischen Nuklearprogramms, sondern auch zu Berichten über Teherans Angebot, die Urananreicherung für mehrere Jahre vollständig auszusetzen.

Während Witkoff also öffentlich ein Bild unüberwindlicher US-Stärke zeichnet, das eine Unterwerfung Irans logisch erscheinen lassen soll, warnen die höchsten US-Militärs intern vor den gravierenden Risiken eines solchen Kurses. An vorderster Front dieser Warnungen steht General Dan Caine, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs.

Laut Berichten, unter anderem im Wall Street Journal, hat Caine dem Weißen Haus fünf zentrale Gefahren eines Militärschlags gegen den Iran aufgezeigt:

Erstens drohten hohe amerikanische und alliierte Verluste.

Zweitens würde selbst ein mehrtägiger Luftkrieg die Vorräte an Luftabwehrmunition erschöpfen, die dann zum Schutz von Partnern wie Israel fehlten.

Drittens könnten die US-Munitionsbestände so stark reduziert werden, dass die Einsatzbereitschaft in anderen potenziellen Konfliktherden – insbesondere gegenüber China – leidet.

Viertens bestünde die Gefahr einer Überdehnung und anschließenden Erschöpfung der US-Streitkräfte.

Fünftens, und politisch besonders brisant, konnte General Caine für einen Großangriff auf den Iran keine Erfolgsgarantie ähnlich der für die geplante Operation gegen Nicolás Maduro im Januar 2026 geben.

Diese Bedenken spiegeln einen tiefen strukturellen Graben zwischen zivilen und militärischen Entscheidungsträgern in Washington wider – ein Muster, das sich in fast jeder größeren US-Kriegsdebatte der jüngeren Geschichte beobachten lässt.

Während politische und ideologische Akteure im Weißen Haus und Pentagon oft von strategischen Visionen oder prestigeträchtigen Zielen geleitet werden, müssen die uniformierten Befehlshaber die brutale Realität der Kriegsführung verantworten. Sie wissen aus Erfahrung, dass Schlachten selten nach Plan verlaufen.

Diese institutionelle Vorsicht der US-Militärführung ist nicht neu. Bereits in früheren Iran-Krisen, 2007 und 2012, warnten die Vereinigten Stabschefs vor militärischen Abenteuern und verwiesen auf unkalkulierbare Eskalationsrisiken und langfristige strategische Kosten.

Das kollektive Trauma des Irakkriegs von 3 lastet bis heute schwer. Damals hatte die politische Führung einen einfachen “Cakewalk” versprochen. US-Vizepräsident Dick Cheney verkündete, die Truppen würden “as liberators” (als Befreier) begrüßt werden. Die Realität wurde ein zwei Jahrzehnte währender Albtraum mit enormen Verlusten – eine Bestätigung der damaligen militärischen Skepsis.

Heute, da erneut Stimmen in Washington für einen Regimewechsel in Teheran plädieren, mahnt das Militär zur Besonnenheit. Selbst ein begrenzter Luftschlag birgt enorme Risiken. Der Iran hat bereits angekündigt, auf jeden US-Angriff – egal welchen Umfangs – mit Vergeltungsschlägen gegen amerikanische Basen und Israel zu reagieren.

Das iranische Außenministerium stellte klar, dass jede Militäraktion als Aggressionsakt gewertet und beantwortet werde.

Vor diesem Hintergrund erscheint Witkoffs Darstellung eines unmittelbar vor der Bombe stehenden Irans nicht nur als übertrieben, sondern als gefährlich vereinfachend. Sie steht exemplarisch für jene zivile Fraktion, die militärische Macht primär als Instrument zur Erreichung politischer Ziele betrachtet.

Dem gegenüber steht eine militärische Führung, die sich der operativen, logistischen und vor allem menschlichen Kosten eines Krieges schmerzlich bewusst ist – Kosten, die im Ernstfall von ihren Soldaten und ihnen selbst getragen werden müssten.

Diese Spannung zwischen politischem Aktionismus und militärischer Vernunft ist ein Dauerzustand. Ob sich im aktuellen Fall die vorsichtigeren Stimmen durchsetzen, bleibt abzuwarten.

Klar ist jedoch, dass der Kontrast zwischen Witkoffs öffentlicher Erwartung einer Kapitulation und den internen Warnungen des Militärs einen fundamentalen Konflikt offenlegt: den zwischen politischem Wunschdenken und militärischer Realität.

Am Montag, den 23. Februar, antwortete der Iran auf Witkoffs Äußerungen in unmissverständlichem Ton. Der Sprecher des Außenministeriums, Esmail Baghai, erklärte laut PressTV:

“Jede Verhandlung, die mit auferlegten Belastungen und vorgefassten Urteilen beginnt, wird natürlich zu keinem Ergebnis führen. … Das Wort ‘Kapitulation’ hat in der iranischen Kultur und Literatur keinen Platz, und wir haben ein solches Schlüsselwort nie akzeptiert.”

In Bezug auf mögliche US-Angriffe warnte er, dass jeder Schlag, “unabhängig von seinem Ausmaß”, eine Aggression mit Konsequenzen darstelle. Gleichzeitig bekräftigte er die uneingeschränkte Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA bis 2025.

Zu den EU-Streitkräften im Persischen Golf erklärte Baghai, der Iran betrachte sie als terroristische Kräfte – eine offensichtliche Retourkutsche für die Einstufung der Iranischen Revolutionsgarde (IRGC) als Terrororganisation durch die EU.

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