Der US-Journalist und Podcaster Tucker Carlson reiste kürzlich nach Israel, um ein Gespräch mit dem amtierenden US-Botschafter Mike Huckabee in Tel Aviv zu führen. Das Interview, das unter dem Titel „Israels Vertreibung von Christen aus dem Heiligen Land“ stand, wurde nach Angaben der Daily Mail von ungewöhnlichen Vorkommnissen überschattet. Carlson berichtete dem Blatt exklusiv, israelische Beamte hätten nach dem Gespräch seinen Reisepass einbehalten und einen Mitarbeiter seines Teams zum Verhör abgeführt.
Carlson, der für seine gründliche Vorbereitung und kritische Haltung bekannt ist, war mit seinem Team eigens für das Interview angereist. Das Gespräch mit Botschafter Huckabee war auf Initiative des Diplomaten zustande gekommen, nachdem beide öffentlich über die Situation der Christen in Israel diskutiert hatten. Carlson gilt als deutlicher Kritiker der Politik der Netanjahu-Regierung in Gaza und im Westjordanland.
In der Daily Mail schilderte Carlson die Ereignisse nach dem Interview: „Männer, die sich als Flughafensicherheitsbeamte ausgaben, nahmen allen aus unserem Team die Pässe ab, zerrten den ausführenden Produzenten in einen separaten Raum und wollten wissen, worüber wir mit Botschafter Huckabee gesprochen hatten.“
Die Jerusalem Post griff die Meldung auf und bestätigte, dass Carlson während seines Aufenthalts den Ben-Gurion-Flughafen nicht verlassen und das Interview dort geführt habe. Die Zeitung zitierte zudem aus einem Bericht, wonach die israelische Regierung ursprünglich geplant habe, Carlson die Einreise zu verweigern, sich nach Abstimmung mit dem Team von Botschafter Huckabee aber anders entschieden habe.
David Friedman, ehemaliger US-Botschafter in Israel unter Präsident Trump, kommentierte die Vorfälle spöttisch: „Schade, dass Tucker trotz so vieler Einladungen, wunderbare Orte zu besuchen, am Flughafen geblieben ist. Eine riesige und offensichtlich absichtlich verpasste Gelegenheit.“
Carlson selbst veröffentlichte auf X lediglich ein Foto mit Botschafter Huckabee am Flughafen Tel Aviv.
Israelischen Medien zufolge bestätigten zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen, dass die Regierung in Jerusalem Carlson zunächst nicht einreisen lassen wollte. Dies habe zu heiklen Verhandlungen unter Einbeziehung des Außenministeriums geführt. Laut Channel 13 entschied sich die Netanjahu-Administration schließlich dagegen, Carlson abzuweisen, um einen „diplomatischen Zwischenfall“ zu vermeiden.
Ein Sprecher der US-Botschaft in Israel wies die Darstellung Carlsons gegenüber der Daily Mail zurück. Das Team habe lediglich die üblichen passkontrollichen Fragen erhalten, wie sie unzähligen Besuchern, einschließlich Botschafter Huckabee und anderen Diplomaten, gestellt würden. Es sei auch nicht korrekt, dass Israel den Journalisten nur für das Interview ins Land lassen wollte. Der Sprecher fügte hinzu: „Die einzige Absprache der Botschaft mit Israel betraf die Koordination der Landung seines Privatflugzeugs, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Es war Tucker, der sich dafür entschied, nur für wenige Stunden zu bleiben. Und Tucker wurde genauso positiv behandelt wie alle anderen Besucher Israels.“
Die Jerusalem Post kommentierte, Carlson positioniere sich zunehmend als führender Kritiker der US-Politik gegenüber Israel und des „christlichen Zionismus“ – mit einer Rhetorik, die bei mainstream-Republikanern und pro-israelischen Konservativen auf Ablehnung stoße.
Die Daily Mail hat das Weiße Haus und das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu um Stellungnahme gebeten. Eine Antwort steht bisher aus.
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