Iran-Angriff auf US-Basen: “Erhebliche Schäden” oder nur ein Schlag ins Leere?

Die Angriffe des Iran auf US-Militärstützpunkte im Nahen Osten zeigen zunehmend Wirkung. Während Washington Schäden in mehreren Ländern bestätigt, berichten iranische Quellen von über einem Dutzend getroffenen Einrichtungen. Das Pentagon steht dabei unter Druck, das tatsächliche Ausmaß der Zerstörungen zu verschleiern.

Als Reaktion auf die US-“Operation Epic Fury” Ende Februar startete der Iran eine Vergeltungsoffensive. Die Trefferquote steigt, und die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien rückt zunehmend in den Fokus der Kämpfe.

Hinter der Zensur des Pentagons zeichnet sich ab, dass die Schäden erheblich größer sein könnten als offiziell zugegeben.

Meldungen über beschädigte Hochwertziele – darunter ein E-3 AWACS-Aufklärungsflugzeug und ein F-35-Kampfjet – deuten auf eine systematische iranische Strategie hin, die US-Luftüberlegenheit und Aufklärungsfähigkeiten auszuschalten. Einem Bericht zufolge wurde eine E-3 Sentry bei einem Angriff auf die Prince-Sultan-Basis am 27. März beschädigt oder zerstört. Zuvor war bereits eine F-35 über dem Iran notgelandet, und drei US-F-15E wurden am 2. März über Kuwait abgeschossen – ein Vorfall, den das US Central Command (CENTCOM) auf Eigenbeschuss zurückführte.

Mit dem Eintritt des Konflikts in seinen zweiten Monat steigen die US-Verluste weiter. Das US-Militär bestätigte 13 Tote durch iranische Angriffe in der Region. Laut US-Vertretern, die Ende März von Reuters zitiert wurden, wurden über 300 US-Soldaten verwundet.

Eskalation: Neue Angriffe und wachsende Zerstörung

Der Iran hat sein Angriffsspektrum deutlich ausgeweitet. Militärerklärungen, die von lokalen Medien übernommen wurden, nennen Ziele wie Camp Arifjan in Kuwait, die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien und die Sheikh Isa Air Base in Bahrain. Zudem wird von Angriffen auf US-Stellungen im Irak, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und am Golf berichtet. Die Iranische Revolutionsgarde (IRGC) erklärte, sie habe die US Fifth Fleet ins Visier genommen und “hochwertige” US-Militärausrüstung zerstört.

Bei einem iranischen Drohnen- und Raketenangriff auf die Prince Sultan Air Base am 27. März wurden laut einem US-Vertreter gegenüber Reuters 12 US-Soldaten verwundet, zwei davon schwer. Der Angriff beschädigte mehrere US-Flugzeuge, darunter Berichten zufolge auch Tankflugzeuge.

“Aktuelle Sentinel-2L-Satellitenbilder bestätigen mehrere Treffer auf der Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien.

• Eine große Brandnarbe auf der Hauptlandebahn deutet auf die Zerstörung von mindestens einem, möglicherweise zwei KC-135-Tankflugzeugen der US Air Force hin.

• Eine schwarze Brandmarkierung zeigt den bestätigten Trefferpunkt auf einer USAF E-3 Sentry AWACS-Maschine.

• Ein großer C-130-Hangar, der bereits zuvor getroffen wurde, scheint erneut getroffen worden zu sein.

• Mehrere weitere Einschlagstellen sind über den Stützpunkt verteilt sichtbar.”

Arabische und US-Medien, die das Wall Street Journal zitieren, berichteten, derselbe Angriff habe auch eine Boeing E-3 Sentry AWACS getroffen – eine kritische Aufklärungsplattform. Die IRGC erklärte, das Flugzeug sei “zu 100 Prozent zerstört” worden. Flugtracker-Daten der letzten Wochen zeigen, dass mehrere solcher Maschinen dorthin verlegt wurden. Die E-3, eine zentrale Plattform für Führung und Aufklärung, kostet in der Herstellung etwa 270 Millionen US-Dollar. Ihre Produktion wurde jedoch bereits 1992 eingestellt. Ein Teil der verbliebenen Flugzeuge dient als Ersatzteillager; Schätzungen gehen von maximal 16 einsatzbereiten E-3 aus.

“Bilder belegen den Totalverlust der E-3G ‘Sentry’ (81-0005), eines Frühwarn- und Kontrollflugzeugs (AEW&C) des 552. Air Control Wing der US Air Force von der Tinker Air Force Base in Oklahoma, nach dem gestrigen iranischen Raketen- und Drohnenangriff auf die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien. Der Angriff zielte gezielt auf den kritischen Heckbereich mit der rotierenden Radarkuppel ab, die mehrere sensible Systeme beherbergt, darunter die Antennen des E-3/APY-2-Überwachungsradars.”

Erste US-Meldungen sprachen lediglich von einer Beschädigung der E-3. Der Iran nutzte dies erneut, um die US-Informationspolitik zu verspotten:

“Falsch: Die IRGC behauptet, ein E-3 AWACS-Flugzeug beschädigt zu haben.

Fakt: Das US Central Command (CENTCOM) berichtet, dass der Schaden an dem E-3 AWACS-Flugzeug durch ein verstopftes Abflussrohr des Bordgeschirrspülers verursacht wurde.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit; CENTCOM”

Am Sonntag meldeten iranische Medien neue Drohnen- und Raketenangriffe auf US-Einrichtungen im Irak, darunter Ziele nahe Bagdad und den Victory Base Complex. Zuvor hatte Reuters bereits über einen Drohnenangriff auf eine US-Diplomateneinrichtung am Flughafen Bagdad am 10. März sowie weitere Raketen- und Drohnenangriffe am 17. März berichtet.

Wie viele Stützpunkte unterhalten die USA im Nahen Osten?

Die USA betreiben in der Region ein Netzwerk aus etwa 20 permanenten und temporären Stützpunkten. Der größte davon, die Al Udeid Air Base in Katar, beherbergt 10.000 Soldaten und dient als vorgeschobenes Hauptquartier für CENTCOM. Weitere große Stützpunkte unterhält Washington in Bahrain, Ägypten, Irak, Jordanien, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mitte 2025 waren schätzungsweise 40.000 bis 50.000 US-Soldaten gleichzeitig in der Region stationiert.

Diese Stützpunkte umschließen den Iran von Westen und Süden und werden durch US-Marineeinheiten in der Region ergänzt, darunter die USS Abraham Lincoln im Arabischen Meer sowie amphibische Angriffsschiffe wie die USS Tripoli. Weitere Trägerverstärkung wird erwartet. Die USS Gerald R. Ford wurde nach einem Bordbrand aus dem Nahen Osten abgezogen, sodass die Lincoln derzeit der einzige einsatzbereite Flugzeugträger vor Ort ist.

Jüngste Truppenverlegungen haben die US-Präsenz weiter verstärkt. Die Ankunft von etwa 2.500 Marines und 2.500 Seeleuten hat die Gesamtzahl der US-Truppen im Nahen Osten auf über 50.000 erhöht – etwa 10.000 mehr als nach Angaben eines US-Militärvertreters gegenüber der New York Times (NYT) üblich.

Allerdings stellte dieselbe NYT diese Zahl auch infrage. “Viele der 13 Militärstützpunkte, die in der Region von amerikanischen Truppen genutzt werden, sind mehr oder weniger unbewohnbar”, hieß es am 26. März. Tausende stationierte Soldaten seien verlegt worden, einige bis nach Europa; andere seien in Hotels untergebracht. Es sei daher weder einfach festzustellen, wie viele US-Soldaten sich tatsächlich inder Region aufhalten, noch wie viele davon an einem voll einsatzfähigen Standort stationiert sind.

Welche US-Stützpunkte wurden getroffen?

Das iranische Militär hat alle US-Stützpunkte in der Region als „legitime Ziele“ deklariert. Bisher wurden Einrichtungen in sieben Ländern von iranischen Drohnen und Raketen getroffen, einige davon mehrfach.

Bis Ende März wurden laut US-Vertretern, Medienberichten und regionalen Quellen folgende US-Stützpunkte und assoziierte Einrichtungen angegriffen:

  • Naval Support Activity, Bahrain
  • Erbil International Airport, Irak
  • Al-Asad Airbase, Irak
  • Victory Base Complex (Umgebung des Baghdad International Airport)
  • Muwaffaq Salti Air Base, Jordanien
  • Ali Al-Salem Air Base, Kuwait
  • Camp Buehring, Kuwait
  • Camp Arifjan, Kuwait
  • Mohammed Al-Ahmad Naval Base, Kuwait
  • Al-Udeid Air Base, Katar
  • Al-Dhafra Air Base, VAE
  • Jebel Ali Port, VAE
  • Prince Sultan Air Base, Saudi-Arabien

Während einige dieser Angriffe von US-Vertretern bestätigt oder von internationalen Medien wie Reuters gemeldet wurden, basieren andere vor allem auf iranischen Quellen.

Was ist das strategische Ziel des Iran?

Die Angriffe auf US-Luftwaffenstützpunkte verfolgen ein klares Nahziel: die Fähigkeit der USA einzuschränken, Luftoperationen über dem Iran zu führen, und sie zu zwingen, von entfernteren Basen aus zu agieren. Die iranische Kampagne konzentriert sich zudem stark auf Radar- und Raketenabwehrsysteme, darunter THAAD-Batterien und Frühwarnradare in der gesamten Region. Diese Angriffe haben unter anderem dazu geführt, dass die Vorwarnzeit für Raketenangriffe in Israel auf wenige Minuten geschrumpft ist.

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