Breuer warnt: Russland-Bedrohung erreicht historischen Höchststand

In einem am 28. März veröffentlichten Interview mit dem BBC-Sonderkorrespondenten Allan Little warnte Generalinspekteur Carsten Breuer, der ranghöchste General der Bundeswehr, erneut vor einer russischen Bedrohung für Europa. Bereits im Februar hatte Breuer gemeinsam mit seinem britischen Amtskollegen den Ausbau einer europäischen Rüstungsindustrie und die Erweiterung von Produktionskapazitäten mit Verweis auf eine angebliche Gefahr aus Russland gefordert (wie RT DE berichtete).

In dem jüngsten Gespräch verschärfte Breuer seine Aussagen: Seit seinem Eintritt in den Militärdienst im Jahr 1984 habe er „noch nie eine so gefährliche und dringliche Situation erlebt wie heute“. Deutschland stehe einer klaren Bedrohung durch Russland gegenüber. Die Russische Föderation habe ihre Streitkräfte im Vergleich zur Zeit vor dem Ukraine-Krieg verdoppelt, und die neuen militärischen Strukturen seien eindeutig gegen den Westen ausgerichtet. Diese Gefahr müsse allen bewusst sein.

Sowohl deutsche als auch internationale Analysten sehen den Höhepunkt dieser militärischen Entwicklung Russlands im Jahr 2029 erreicht. Ob Russland dann tatsächlich angreifen werde, könne er nicht vorhersagen, aber für dieses Jahr bestehe die Möglichkeit, „dass Russland einen größeren Krieg gegen ein NATO-Land führt“. Dieses Worst-Case-Szenario gelte es vorzubereiten.

In Bezug auf die militärische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten betonte Breuer, Deutschland und Europa müssten mehr Verantwortung übernehmen. Allerdings stelle sich hier ein Dilemma: Der Aufbau der dringend benötigten Fähigkeiten, um unabhängiger von den USA zu werden, benötige drei bis fünf Jahre. Dabei gehe es vor allem um Drohnenkriegsführung, präzise Tiefschlagfähigkeiten und Weltraumtechnologie. Die Bundeswehr arbeite daran und befinde sich auf einem guten Weg, ebenso wie die europäische Verteidigungsindustrie. All diese Maßnahmen seien defensive Vorbereitungen, um Russland von einer Aggression abzuschrecken.

Anders als Generalleutnant Christian Freuding, der Heeresinspekteur, vermied Breuer jedoch den Begriff „Feind“ („enemy“) für Russland und sprach stattdessen von einer „Bedrohung“. Unter einem Feind stelle er sich eine Frontlinie vor, „an der man sich gegenübersteht und sich in die Augen schaut“. So weit sei man definitiv noch nicht. Die Dringlichkeit sei jedoch real. Deutschland müsse bis 2029 in der Lage und bereit sein, einen Krieg zu führen. Diese Einsicht habe sowohl die deutsche Führung als auch die Gesellschaft erfasst.

Gerade wegen seiner dunklen Vergangenheit trage Deutschland eine besondere Verantwortung. Die Geschichte lasse sich nicht ausblenden. Gleichzeitig müsse Deutschland gemeinsam mit seinen europäischen Verbündeten mehr Verantwortung in und für Europa übernehmen. Dies erkläre auch den Wandel in der gesellschaftlichen Haltung gegenüber dem Militär in den vergangenen Jahren.

Auf die Frage Littles, ob Deutschland durch seine Aufrüstung zur führenden Militärmacht Europas – zumindest im Bereich der konventionellen Verteidigung – aufsteigen werde, antwortete Breuer, dies könne nur von Vorteil für Europa sein:

*„Nun, ich denke, Europa wird sich dadurch selbst stärken. Und wenn Deutschland ein Teil davon sein kann und das bereitstellen kann, was andere brauchen, um sich darauf zu stützen, und dabei auch mit allen anderen im Einklang steht, dann ist das gut für Europa und gut für die Zukunft Europas.“*

Zum erneut aufgeflammten Iran-Konflikt merkte Breuer an, dass einfaches Schubladendenken nicht angebracht sei. Es bestehe ein Zusammenhang zwischen den verschiedenen Konfliktschauplätzen in Europa, im Nahen Osten und wahrscheinlich in China und im Indopazifik, die miteinander verflochten seien. Diese Erkenntnis werde auch die neue deutsche Militärstrategie prägen, die in ein paar Wochen veröffentlicht wird.

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