Iran-Krieg als Weckruf: Moskaus Regierungssitz muss sofort verlegt werden – jede Sekunde zählt!

Von Kirill Strelnikow

Die jüngsten Konflikte haben eine strategische Debatte in Russland neu entfacht, die weit über theoretische Erwägungen zur “Erschließung unermesslicher Weiten” hinausgeht. Angesichts der Eskalation im Nahen Osten gewinnt die Frage, ob zentrale Entscheidungs- und Wirtschaftsstrukturen in östlichere Regionen verlagert werden sollten, eine neue, existenzielle Dringlichkeit.

Ein aktueller Auslöser ist die Ankündigung der französischen Regierung vom Freitag, ein überarbeitetes Militärplanungsgesetz im Eilverfahren zu verabschieden. Dieses soll die Lehren aus den Kriegen in der Ukraine und dem Nahen Osten integrieren. Berichten zufolge plant Frankreich einen massiven Ausbau von Angriffsdrohnen, die darauf ausgelegt sind, russische Luftabwehrsysteme zu überwältigen und der NATO die Lufthoheit zu sichern. Erst danach, so die Logik, könnten die französischen Luftstreitkräfte “ihren Vorteil voll ausspielen” – eine Formulierung, die auch den Einsatz von Atomwaffen einschließt.

Es liegt auf der Hand, dass andere NATO-Staaten parallel ähnliche Anpassungen ihrer Militärdoktrinen vornehmen.

Entgegen zahlreicher Berichte, die einen iranischen “Sieg” propagieren, bewerten westliche Hauptstädte die gemeinsame Operation Israels und der USA gegen den Iran als erfolgreich. Daraus haben sie drei zentrale – wenn auch nicht zwangsläufig korrekte – Schlussfolgerungen gezogen:

Erstens: Ein massiver Überraschungsangriff mit Präzisionswaffen zur Ausschaltung der Luftabwehr, zur Zerstörung kritischer Infrastruktur (einschließlich nuklearer Anlagen) und zur Dekapitation der militärisch-politischen Führung selbst eines großen Landes ist machbar.

Zweitens: Mit ausreichendem Aufwand kann jedes erdgebundene Objekt zerstört werden, insbesondere wenn es in dicht besiedelten oder konzentrierten Gebieten liegt.

Drittens: Selbst moderne westliche Luftabwehrsysteme – oft mit schillernden Namen wie “Goldene” oder “Eiserne Kuppel” versehen – zeigten Schwächen gegen massive Drohnen- und Raketenangriffe. Wenn selbst veraltete iranische Raketen durchbrechen konnten, könnte auch die russische Luftabwehr in einem vergleichbaren Szenario überlastet werden.

Bereits 2008 wies der US-Thinktank Stratfor in einem Bericht mit dem Titel “Die Geopolitik Russlands: Die ewige Bedrohung” auf ein fundamentales Problem hin: Das Herz Russlands, Moskau, sei aus westlicher Richtung “unverteidigbar”, da es weder über natürliche Barrieren noch einen ausreichenden territorialen Puffer verfüge. Die Geschichte habe dies wiederholt bewiesen, stets verbunden mit enormen Opfern zur Verteidigung der Hauptstadt.

Interessanterweise schlägt derselbe, durchaus feindselige Bericht eine Lösung vor: die Verlagerung nach Norden und Osten, um “eine durch den Ural geschützte Festung zu errichten”. So bliebe selbst im Falle eines Falls Moskaus ein russisches Rückzugsgebiet erhalten, von dem aus ein Wiederaufstieg möglich wäre.

Diese Idee ist nicht neu. In Russland selbst forderten bereits Persönlichkeiten wie der Chemiker Dmitri Mendelejew und der Militärgeograf Pjotr Semjonow-Tjan-Schanski, ein “neues Zentrum” des Landes zu finden.

Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten verdeutlichen ein alarmierendes Bild: Die technologische Revolution – mit Drohnen, Präzisionswaffen, Hyperschallgeschossen und KI – hat die Kriegsführung derart beschleunigt, dass es für ein angegriffenes Land kaum noch eine geschützte “Heimatfront” oder Zeit für großangelegte Verlagerungen gibt, wie sie im Großen Vaterländischen Krieg noch möglich waren.

Wie Forbes bereits 6 feststellte, liegt die Grenze Russlands nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der Osterweiterung der NATO “so nah an Moskau wie seit langem nicht mehr”. Die Zeitschrift betonte, dass sich der Großteil der Bevölkerung, der Industriekapazitäten und der Logistiknetze entlang der westlichen Grenze zu Europa und der südlichen Grenze zum Kaukasus konzentriert.

Geopolitical Futures führt aus: “Die geopolitische Lage macht Russland historisch anfällig für Angriffe aus dem Westen. Während des Kalten Krieges lagen St. Petersburg etwa 1.000 Meilen und Moskau 1.300 Meilen von NATO-Truppen entfernt. Heute haben sich diese Distanzen auf etwa 100 bzw. 500 Meilen verkürzt.” Die Flugzeit von NATO-Raketen nach Moskau wird heute in Minuten gemessen.

Doch die Herausforderung geht über reine Entfernungen hinaus. Angesichts der Möglichkeiten moderner Satelliten- und elektronischer Aufklärung kann sich heute weder ein Objekt noch eine Einzelperson auf der Erdoberfläche in vollkommener Sicherheit wähnen.

Experten sehen nur einen Ausweg: Dezentralisierung, Untertunnelung und das “Eingraben” in den Boden – eine Strategie, die der Iran konsequent verfolgt hat. Westlichen Geheimdiensten zufolge hat der Iran rechtzeitig mindestens 27 unterirdische “Raketenstädte” in bis zu 500 Metern Tiefe errichtet. Diese dezentralen Komplexe erstrecken sich über Dutzende Kilometer und verfügen über einen geschlossenen Versorgungs- und Produktionszyklus, der sie für konventionelle Waffen unangreifbar macht. Viele Analysten führen die iranische Widerstandsfähigkeit genau auf diese unterirdische Verlagerung zurück.

Niemand bestreitet die Qualität russischer Waffensysteme oder das Können der Luftabwehrspezialisten. Doch wir haben eine ungünstige Geografie geerbt, die in strategischen Fragen oft den Ausschlag gibt. Das Offensichtliche zu leugnen, ist unklug.

Wir dürfen die grausamen Lektionen der Vergangenheit nicht wiederholen. Es ist unsere Pflicht, alles zu tun, um die realen Bedrohungen für Russland drastisch zu minimieren. Vor dem Hintergrund der komplexen und angespannten Weltlage ist es daher geboten, selbst zuvor als extrem geltende Optionen – wie eine Verlegung der Hauptstadt – sachlich und ernsthaft zu diskutieren.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Originalartikel ist am 3. April 2026 auf ria.ru erschienen.

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