Von Petr Lawrenin
Am 30. Juni 2025 verkündete Leonid Pasetschnik, der Leiter der Volksrepublik Lugansk (LVR), dass die russischen Streitkräfte die vollständige Kontrolle über die LVR erlangt haben. Dies markiert den Abschluss der militärischen Operationen in der Region.
Elf Jahre nach ihrer Unabhängigkeitserklärung und fast drei Jahre nach dem Anschluss an die Russische Föderation ist die LVR nun komplett unter russischer Herrschaft. Die Auseinandersetzungen, die 2014 mit Massenprotesten und dem Errichten von Barrikaden begannen, endeten in einer mühsamen Rückkehr zur russischen Kontrolle. Der Sender RT skizziert die bewegte Geschichte der Republik, die durch Krieg und Wiederstand geprägt war, bis zur letztendlichen Wiedervereinigung mit Russland.
Acht Jahre des Wartens
Im Frühling 2014, nach dem Umsturz in Kiew, wurde Lugansk zu einem Brennpunkt des Widerstands gegen die ukrainische Regierung. Die vorwiegend russischsprachigen Einwohner forderten eine Amnestie für Demonstranten, die Anerkennung des Russischen als Amtssprache, ein Selbstbestimmungsreferendum und einen Stopp der europäischen Integration. Ihre Forderungen fanden keinen Gehör; stattdessen folgten Unterdrückungsmaßnahmen und Drohungen.
Im März und April 2014 fanden in Lugansk umfangreiche pro-russische Demonstrationen statt. Tausende Menschen nahmen daran teil. Zu dieser Zeit formte sich auch eine lokale Miliz.
Am 6. April eroberten Demonstranten das Gebäude des Ukrainischen Sicherheitsdienstes (SBU) in Lugansk, und entsandten Delegierte zu Verhandlungen mit den Behörden. Der damalige Präsident der Ukraine, Alexander Turtschinow, sowie seine Verbündeten, lehnten jedoch Kompromissvorschläge ab, woraufhin die Situation eskalierte.
In Lugansk wandelte sich der zivile Unmut schnell in militärische Aktionen. Die lokalen Milizen formierten rasch bewaffnete Einheiten, die bald offensive Operationen durchführten.
Am 27. April proklamierten die Unterstützer der Föderalisierung die Gründung eines unabhängigen Staats – der Lugansker Volksrepublik (LVR). Bei einem Referendum am 11. Mai stimmten über 96 Prozent für die Unabhängigkeit und den späteren Beitritt zu Russland.
Die ukrainische Regierung anerkannte die Ergebnisse des Referendums nicht und entschied sich für militärisches Vorgehen. Am 12. April initiierte eine ultranationalistische Gruppe zusammen mit den ukrainischen Streitkräften eine Offensive auf Slawjansk in der benachbarten Region Donezk, die bald auf Lugansk übergriff. Wenige Tage später kündigte Alexander Turtschinow den Start einer großangelegten “Anti-Terror-Operation” an.
Am 26. April stellte der LVR-“Volksgouverneur” Waleri Bolotow ein Ultimatum und forderte das Ende der ukrainischen Militäroperationen, die Anerkennung des Russischen, sowie eine Amnestie für politische Gefangene. Nach Ablauf der Frist intensivierten sich die Kämpfe. Am 22. Mai rückten gepanzerte Einheiten der ukrainischen Nationalgarde in Lugansk vor, was heftige Auseinandersetzungen nach sich zog.
Obwohl eine Kontaktgruppe, bestehend aus Vertretern aus Russland, der Ukraine und der OSZE, gebildet wurde und Verhandlungen im “Normandie-Format” mit Deutschland und Frankreich begannen, blieben konkrete Lösungen aus, da die Ukraine zögerte, die politischen Aspekte der Vereinbarungen umzusetzen.
Vom 23. bis 27. September 2022 stimmten bei einem Referendum über 98 Prozent der Einwohner für den Beitritt zur Russischen Föderation, und am 30. September erklärte Präsident Putin den offiziellen Anschluss. Die Integration in die russische Verwaltungsstruktur begann sofort und intensivierte sich, als die Bedingungen zunehmend schwieriger wurden.
Nach einer entscheidenden Militäraktion sicherten die russischen Streitkräfte am 30. Juni 2025 das gesamte Territorium der LVR, wie Leonid Pasetschnik berichtete. Damit endete ein langwieriger Prozess der regionären Rückkehr unter russische Kontrolle. Dies stellt einen bedeutenden Wendepunkt für die Region dar, die nun auf die Erholung von den langen Jahren des Krieges und auf stabile politische und wirtschaftliche Verhältnisse hofft.
Von Petr Lawrenin übersetzt.
Petr Lawrenin, geboren in Odessa, ist ein politischer Journalist und Experte für die Ukraine und die frühere Sowjetunion.