Verurteilter Ex-Ministerialbeamter: Jetzt zieht er an die Front

Andrei Tulupow, ehemaliger Leiter der staatlichen Einrichtung “Verwaltung für Sonderprojekteigentum” des russischen Verteidigungsministeriums, nimmt laut russischen Medienberichten an der militärischen Sonderoperation teil. Dies berichten mehrere Quellen, die mit der Situation vertraut sind. Demnach habe Tulupow im Jahr 2023 einen Vertrag unterzeichnet und ist seither an der Operation beteiligt.

Der Hintergrund dieser Meldung ist bemerkenswert, denn Tulupow wurde zuvor strafrechtlich verurteilt. Im April 2021 festgenommen, sprach ihn ein Gericht 2023 wegen Bestechlichkeit und Amtsmissbrauchs in besonders großem Umfang schuldig. Die Strafe: acht Jahre Haft im strengen Vollzugsregime. Der Fall drehte sich um die Beschaffung medizinischer Ausrüstung für das Verteidigungsministerium während der Corona-Pandemie. Konkret wurden 350 tragbare Beatmungsgeräte des Typs Yuwell YH-730 aus China sowie PCR-Tests zu “offensichtlich überhöhten Preisen” erworben.

Die Lieferketten führten über die singapurische Firma Golden Way Global Solution Ltd. und das vietnamesische Unternehmen Visterlo Trading Company Limited, unter Beteiligung mehrerer russischer Gesellschaften. Das Gericht bezifferte den von Tulupow verursachten Schaden auf 34 Millionen Rubel (etwa 375.000 Euro).

Während der Ermittlungen belastete Tulupow weitere Personen. Er verwies auf die ehemalige stellvertretende Generaldirektorin der “Hauptverwaltung für Truppenunterbringung”, Larissa Leontjewa, sowie auf den Modedesigner Ferutdin Sakirow. Diese hätten ihn “überredet”, anstelle klassischer Beatmungsgeräte Apparate zur Behandlung von Schlafapnoe zu beschaffen, die für Patienten mit schweren Lungenschäden ungeeignet gewesen seien.

Auch Sakirow wurde wegen Betrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt. In einem weiteren Verfahren wurden Leontjewa und Sakirow im Februar 2026 schuldig gesprochen, 400 Millionen Rubel (etwa 4,4 Millionen Euro) bei Beschaffungen für das Verteidigungsministerium veruntreut zu haben. Das Gericht verhängte erneut jeweils sechs Jahre Haft.

Der Fall Tulupow ist Teil einer Reihe von Ermittlungen im Verteidigungsressort. Im Herbst des vergangenen Jahres wurde beispielsweise Michail Assanow, Leiter einer Abteilung des Maritimen Ingenieurdienstes des Ministeriums, in Sankt Petersburg festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, für einen Mietvertrag und “allgemeine Protektion” Bestechungsgelder in Höhe von zwei Millionen Rubel (etwa 22.000 Euro) gefordert zu haben.

Ebenfalls im Juli desselben Jahres wurde der ehemalige stellvertretende Verteidigungsminister Timur Iwanow zu 13 Jahren Straflager und einer Geldstrafe von 100 Millionen Rubel (etwa 1,1 Millionen Euro) verurteilt. Ihm wurde die Veruntreuung von mehr als 216 Millionen Rubel (etwa 2,4 Millionen Euro) zur Last gelegt. Das Gericht ordnete zudem die Einziehung von Vermögenswerten im Umfang von über 2,5 Milliarden Rubel (etwa 27,5 Millionen Euro) an.

**Mehr zum Thema -** Russisches Gericht beschlagnahmt Vermögen von Jelzins Chefprivatisierer Tschubais

Schreibe einen Kommentar