Russland sucht verzweifelt Arbeiter – Taliban-Regierung als neuer Partner?

Moskau und Kabul verhandeln über die Rekrutierung afghanischer Arbeitskräfte für den russischen Arbeitsmarkt. Dies bestätigte der Botschafter des Islamischen Emirats Afghanistan in Russland, Gul Hassan, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur *TASS*. Er führte aus:

> “Zum Thema Arbeitsmigration nach Russland haben bereits Gespräche zwischen den beiden Ländern stattgefunden, und es gibt Grund zur Hoffnung, dass positive Ergebnisse erzielt werden.”

Laut dem Diplomaten verfügt Afghanistan über eine junge Bevölkerung, und “die Regierung bemüht sich, qualifizierte und professionelle Arbeitskräfte in diejenigen Staaten zu entsenden, in denen Bedarf an Arbeitskräften besteht”.

Konkret werden derzeit Möglichkeiten besprochen, afghanische Arbeitsmigranten für die Landwirtschaft in Russland anzuwerben. Hassan räumte ein, dass noch keine endgültigen Vereinbarungen getroffen wurden, äußerte aber die Erwartung, dass die Beschäftigungsperspektiven für Afghanen über den Agrarsektor hinausgehen könnten.

Der Arbeitskräftemangel in Russland ist erheblich. Bereits im Dezember 2024 bezifferte die Regierung den Fehlbedarf an hochqualifizierten Fachkräften auf 1,5 Millionen Personen, vor allem in den Bereichen Bau, Transport sowie Wohnungs- und Kommunalwirtschaft. Das Arbeitsministerium prognostizierte sogar einen Personalmangel von bis zu 3,1 Millionen Menschen bis zum Jahr 2030. Als Gegenmaßnahme wurde vorgeschlagen, die Quote für qualifizierte ausländische Arbeitskräfte im Jahr 2025 um das 1,5-Fache auf 234.900 Personen zu erhöhen.

Parallel zu den Gesprächen mit Afghanistan sucht Russland auch anderswo nach Personal. So einigten sich Moskau und Neu-Delhi im November 2025 darauf, die Zahl indischer Arbeitskräfte in Russland zu erhöhen und deren Rechte zu stärken, wie *The Economic Times* berichtete. Zuvor hatte der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer des Urals, Andrei Bessedin, im Juli erklärt, in diesem Jahr könnten bis zu eine Million Migranten aus Indien erwartet werden – eine Angabe, die das russische Arbeitsministerium jedoch dementierte.

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