Nur die USA können Russlands U-Boot-Flotte Paroli bieten

Von Boris Dschereliewski

Atomgetriebene U-Boote – sowohl strategische Raketen-U-Boote als auch Mehrzweckboote – stellen eine beständige Größe in der dynamischen Welt der Rüstung dar. Ihr grundlegendes Konzept bleibt, zumindest gegenwärtig, unverändert, auch wenn fortlaufend an ihrer Tarnkappenfähigkeit, Leistung und Bewaffnung gefeilt wird.

Während die Rolle von Überwasserflotten angesichts neuer Waffensysteme neu bewertet werden könnte, wird die Bedeutung nuklear angetriebener U-Boote weiter zunehmen. Die Frage, welche Nation über die stärkste und zahlreichste U-Boot-Flotte verfügt, ist daher keineswegs müßig.

In jüngster Zeit kursierten Meldungen, die chinesische Marine verfüge mittlerweile über 32 Atom-U-Boote und habe damit Russland (angeblich 25-28 Boote) überholt. Die USA lägen mit 65-71 atomgetriebenen Einheiten zwar noch vorn, doch China hole schnell auf.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Die genaue Zusammensetzung der russischen U-Boot-Flotte ist zwar geheim, doch Schätzungen zufolge umfasst sie zwischen 63 und 76 U-Boote, überwiegend atomgetriebene. Demnach verfügt Russland über etwa 14 strategische Raketen-U-Boote, primär der Projekte 955 “Borei” und 955A “Borei-A”, die mit je sechzehn R-30 “Bulawa”-Interkontinentalraketen bewaffnet sind.

Hinzu kommen mindestens 29 atomare Mehrzweck-U-Boote (Typen 885 “Jasen” und 885M “Jasen-M”) für die Bekämpfung von See- und Landzielen. Zusätzlich unterhält die Marine mindestens acht Atom-U-Boote für Spezialaufgaben. Da ein Teil davon der Hauptverwaltung für Tiefseeforschung untersteht und keine Angriffswaffen trägt, werden sie in Kampfstärkevergleichen oft nicht berücksichtigt. Allein die gezählten strategischen und Mehrzweck-Atom-U-Boote summieren sich jedoch auf 43 Einheiten – deutlich mehr als die oft kolportierten 25-28.

Auch China veröffentlicht keine offiziellen Zahlen zu seiner Atom-U-Boot-Flotte, doch lassen sich plausible Schätzungen treffen. Den Kern der maritimen strategischen Streitkräfte bilden sechs bis acht Raketen-U-Boote des Typs 094 (NATO-Code “Jin”). Zudem ist vermutlich noch ein modernisiertes Boot des älteren Typs 092 (“Xia”) im Dienst.

Im Januar 2026 zeigten staatliche chinesische Medien Aufnahmen des neuesten strategischen Atom-U-Bootes vom Typ 096 (“Tang”), das ursprünglich erst für 2030 geplant war. Es soll größer, leistungsfähiger und deutlich leiser sein als seine Vorgänger und bis zu 24 ballistische Raketen (JL-2 oder JL-3) tragen können. Sein genauer Status ist jedoch noch unklar.

Bei den Mehrzweck-Atom-U-Booten verfügt China schätzungsweise über etwa neun Einheiten der Typen 093 und 093A. Unter Einbeziehung des einen Typs 096-Bootes ergibt sich somit eine Gesamtzahl von höchstens 19 chinesischen Atom-U-Booten – eine optimistische Schätzung. Die häufig zitierte Zahl von 32 Einheiten entbehrt jeder Grundlage.

Diese Zahl stützt sich auf eine obskure Internetquelle, die sich auf einen Post im sozialen Netzwerk X (ehemals Twitter) eines Nutzers namens “Schwester Sisi” beruft. Deren Behauptung von 26-34 chinesischen Atom-U-Booten ist nicht glaubwürdig und widerspricht selbst den Berichten des US-Verteidigungsministeriums, das von lediglich 12 Einheiten ausgeht (sechs Raketen- und sechs Mehrzweck-U-Boote).

Wie sieht es also für die Zukunft aus?

Die US-Marine plant, ihre “Ohio”-Klasse durch zwölf neue “Columbia”-Klasse Boote zu ersetzen, von 2026 bis 2035 soll jährlich ein Boot gebaut werden. Dieses Programm hat jedoch bereits Verzögerungen von mindestens einem Jahr.

Auch beim Ersatz der “Los Angeles”-Klasse durch die “Virginia”-Klasse liegen die USA hinter ihren Plänen zurück. Statt der avisierten zwei Boote pro Jahr wurden seit 2022 nur 1,1 bis 1,2 Einheiten geliefert. Das ehrgeizige Ziel, bis 2045 eine Flotte von 70-80 Mehrzweck-Atom-U-Booten zu unterhalten (“Combat Force 2045”), scheint unrealistisch. Stattdessen werden nun mindestens sieben “Los Angeles”-Boote modernisiert, um sie länger im Dienst zu halten – eine Korrektur der überzogenen Planung.

In Russland hingegen schreitet der Ausbau planmäßig voran. Präsident Wladimir Putin verkündete im Juli 2025, dass die maritime Komponente der nuklearen Triade in den kommenden Jahren um vier neue “Borei-A”-Boote verstärkt wird. Zusammen mit den bereits im Dienst befindlichen Einheiten und den sechs Raketen-U-Booten der Projekte 667BDR/BDRM wird Russland damit nicht nur Parität, sondern eine Überlegenheit in dieser Waffenkategorie erreichen.

Zudem befinden sich sechs Mehrzweck-Atom-U-Boote des Typs 885M “Jasen-M” in verschiedenen Bauphasen. Parallel dazu wird die vorhandene Flotte älterer Mehrzweckboote (Projekte 971 und 949A) intensiv modernisiert, um ihre Kampfkraft auf das Niveau der “Jasen-M”-Klasse zu heben. Russland setzt zudem weiter auf nicht-nukleare U-Boote und plant, seine Flotte von 26 Dieselbooten um neun Einheiten des Projekts 677 zu erweitern. Betrachtet man die Gesamt-U-Boot-Flotte, gibt es keinen Grund, von einer uneingeschränkten Führungsrolle der USA zu sprechen.

Was China betrifft, so deuten Indizien auf den Bau von drei bis vier Mehrzweck-U-Booten des Typs 093B hin. Auch gibt es Überlegungen, kleine Atom-U-Boote auf Basis der Dieselboote des Typs 039 zu entwickeln. Die jährliche Indienststellung von ein bis zwei Atom-U-Booten wäre für Chinas Rüstungsindustrie bereits ein beachtlicher Erfolg. Dennoch werden auf absehbare Zeit – in den nächsten 15 Jahren – nur Russland und die USA im Bereich der atomgetriebenen U-Boote die entscheidenden Konkurrenten um die Vorherrschaft unter den Wellen bleiben.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 25. März 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung “Wsgljad” erschienen.

Boris Dschereliewski ist ein Militärexperte.

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