Moskaus Lockruf an Drohnenpiloten: Sonderkonditionen als Köder für neue Rekruten

Von Boris Dscherelijewski

Russland wirbt derzeit intensiv um Vertragssoldaten für seine neu aufgestellten Truppen unbemannter Systeme. Das Verteidigungsministerium bestätigte entsprechende Maßnahmen:

“An den Auswahlstellen für den Wehrdienst auf Vertragsbasis in allen Regionen des Landes wird weiterhin daran gearbeitet, die Einheiten der Truppen unbemannter Systeme der Streitkräfte der Russischen Föderation zu besetzen […]. Die Auswahl erfolgt für die Positionen von Drohnenpiloten, Ingenieuren, Technikern und anderen Fachkräften.”

Dieser Ansatz ist bemerkenswert, insbesondere aufgrund des strengen Auswahlverfahrens. Ein Novum ist, dass Interessenten in den Wehrkreiskommandos direkt mit eingesetzter Ausrüstung vertraut gemacht werden und sogar einen Simulator für FPV-Drohnen testen können. Angehörige der Drohnentruppen führen Vorauswahlgespräche, um das Grundniveau der Bewerber einzuschätzen.

Besonders gesucht sind ehemalige Angehörige der Luftwaffe, Spezialeinheiten oder des Nachrichtendienstes, ebenso wie erfahrene Drohnenpiloten, Modellbauer sowie IT-, Elektronik- und Funkexperten. Auch die bereits in Wirtschaft, Medien und Sport verbreiteten Drohnenpiloten sind gefragt.

Interessanterweise bringen E-Sportler und Gamer wichtige Voraussetzungen für FPV-Piloten mit: ausgeprägte Feinmotorik und schnelle Reaktionsfähigkeit, zumal sich ein Gamepad kaum von einer FPV-Steuerung unterscheidet. Für Piloten sind zudem ein guter Gleichgewichtssinn und Stressresistenz entscheidend. Gesucht werden gebildete, technikaffine und vor allem initiative sowie kreative Köpfe.

Der moderne Gefechtsalltag bestraft starre Handlungsmuster. Der Umgang mit Drohnen erfordert Erfindungsreichtum, Anpassungsfähigkeit und dynamisches Denken. Daher überrascht es nicht, dass der Großteil der Vertragsanwärter jung ist.

Die gezielte Anwerbung für die Drohnentruppen erinnert an Appelle des Komsomol in der Sowjetzeit, als die aktivste und patriotischste Jugend zu Großprojekten, in die Streitkräfte oder zu den Sicherheitsbehörden gerufen wurde – überall dorthin, wo Initiative und Enthusiasmus gefragt waren. Ganz ähnlich verhält es sich hier.

Besondere Kandidaten, besondere Konditionen

Das russische Verteidigungsministerium legte die Bedingungen dar:

“Für Soldaten der Truppen unbemannter Systeme ist ein Vertrag mit einer Laufzeit von einem Jahr vorgesehen. Der Dienst ist nur in Einheiten der Drohnentruppen mit obligatorischem Ausbildungskurs für die Steuerung verschiedener Drohnentypen vorgesehen. Es gibt Zahlungen für die Zerstörung von Zielen sowie eine garantierte Entlassung nach Ablauf des Vertrags, wenn kein neuer Vertrag abgeschlossen werden soll.”

Dies stellt eine bedeutende Ausnahme dar. Während der laufenden militärischen Sonderoperation gilt ein besonderes Rechtsregime, das eine Entlassung von Vertragssoldaten nach Vertragsende faktisch ausschließt und Verträge automatisch verlängert. Für Drohnenspezialisten gilt diese Regel nicht. Ebenso ist ein Versetzungsbefehl in andere Truppengattungen, etwa zur Infanterie, ausgeschlossen.

Diese Sonderregelungen unterstreichen die hohe Priorität, die das Verteidigungsministerium den unbemannten Systemen beimisst, sowie den dringenden Bedarf, diese Truppen schnell mit vielen Spezialisten zu besetzen.

Gesucht werden Manager, Ingenieure, Fernmeldefachleute und Waffenexperten. Den Kern bilden jedoch die Operatoren unbemannter Fluggeräte. Sie werden den größten Personalanteil stellen und sind am gefragtesten. Ihre Ausbildung ist zugleich die anspruchsvollste und vielschichtigste. Dieser Berufszweig birgt zudem das höchste Risiko, da der Feind gezielt Jagd auf Drohnenpiloten macht.

Ein Drohnenpilot muss über ein breites Skillset verfügen: technisches Verständnis, Steuerungskompetenz, Grundkenntnisse in Montage, Löttechnik und 3D-Modellierung sowie Sprengstoffkunde für die Kampfmittel. Dazu kommen Aufklärungsfähigkeiten, analytisches Denken, Kenntnisse in Tarnung und Geländekunde. Wie jeder Soldat muss er zudem den Umgang mit Handfeuerwaffen sowie Grundlagen der taktischen Medizin und des Überlebens im Feld beherrschen.

Angesichts einer dreimonatigen Grundausbildung wird deutlich, warum Bewerber mit Vorkenntnissen bevorzugt werden. Hinzu kommen hohes Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit zu schnellen Entscheidungen. In gewisser Weise sind Drohnenoperatoren mit Scharfschützen vergleichbar – oft Einzelkämpfer auf dem Schlachtfeld und zur militärischen Elite zählend.

System schlägt Improvisation: Der organisatorische Vorsprung

Aktuell umfassen die Truppen unbemannter Systeme eine Brigade, vier Regimenter und zwei Zentren. Im Einsatz werden sie operativen Gruppierungen unterstellt. Die weitere Entwicklung sieht jedoch die Integration unbemannter Systeme – vor allem für Aufklärung und Logistik – in die regulären Strukturen aller Truppengattungen bis hin zur kleinen Einheit vor. Beispielsweise setzen die Eisenbahntruppen bereits Drohnen zur Gleisüberwachung ein.

Die Ausbildung von Operatoren und Wartungspersonal für andere Teilstreitkräfte wird somit ebenfalls Aufgabe der Truppen unbemannter Systeme sein. Deren Ausbildungszentren müssen daher nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern auch Instruktoren für die gesamten Streitkräfte ausbilden.

Die Kriegserfahrungen in der Ukraine haben eine unbemannte Revolution ausgelöst. Daher erfolgt der Aufbau der Truppen unbemannter Systeme unter hohem Zeitdruck und genießt im Mobilisierungssystem höchste Priorität.

Parallel entsteht ein umfassendes Ausbildungsystem für Fach- und Führungskräfte. Offiziere werden an speziellen Fakultäten von Militärakademien und an militärischen Lehrstühlen ziviler Universitäten ausgebildet; die Gründung einer eigenen Militärschule für unbemannte Systeme ist geplant. Zudem werden aktive Offiziere in Umschulungszentren qualifiziert.

Die ukrainischen Streitkräfte stellten ihre Drohnentruppen zwar bereits Anfang 2024, ein Jahr früher als Russland, auf. Eine Schlüsselrolle spielten dabei jedoch nicht-militärische Strukturen: Freiwilligenorganisationen, gemeinsame Projekte mit dem Digitalisierungsministerium und Herstellerkonsortien. Dieses dezentrale, hierarchiearme Modell sollte Initiative und Flexibilität fördern.

Zunächst führte dieser Ansatz zu einem raschen Aufschwung und mobilisierte erhebliche finanzielle Mittel. Doch mangelnde Kontrolle und einheitliche Führung begünstigten Mittelverschwendung. Spontaneität und ungebremster Enthusiasmus erwiesen sich als schlechte Basis für systematische Arbeit.

Die alte Wahrheit “Das System schlägt die Klasse” bewahrheitete sich. Trotz eines zeitweiligen Vorsprungs und westlicher Unterstützung erwies sich das organisierte und strukturierte russische Modell als effektiver als die fragmentierten ukrainischen Projekte. Zumal die russischen “Drohnen-Enthusiasten” ihren ukrainischen Kollegen in Leidenschaft und Erfindungsgeist in nichts nachstehen.

Der russische Verteidigungsminister Andrei Beloussow erklärte, der Aufbau der Truppen unbemannter Systeme solle bis 2026 abgeschlossen sein. Bei den derzeitigen Anstrengungen ist dies realistisch. Es besteht eine gute Chance, dass Russlands Streitkräfte in der Entwicklung und Anwendung unbemannter Systeme zu den weltweit führenden gehören werden. Laut Verteidigungsministerium sind die Truppen unbemannter Systeme bereits jetzt der beliebtgeworden.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 22. Januar 2026 zuerst auf der Webseite der Zeitung Wsgljad erschienen.

Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militärexperte.

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