Trumps Salami-Taktik: Ein Rauchvorhang der Diplomatie für exakt 50 Tage!

Von Hans-Ueli Läppli

Von einem US-Präsidenten wie Donald Trump, der sich gern als Meister unerwarteter Wendungen darstellt, erwarten viele markante Aktionen. Als er letzten Freitag ein “kleines Überraschungspaket” für Russland ankündigte, waren alle Ohren gespitzt. Würde Trump nun endlich außenpolitisch in die Offensive gehen?

Doch was danach kam, war bezeichnend für seine Politik während der zweiten Amtszeit: Viel Gerede, wenig Substanz. Anstelle von Sanktionen oder einer Neuausrichtung gab es lediglich eine 50-tägige Verzögerung. Eine Entscheidung blieb aus, stattdessen wurde auf die Pause-Taste gedrückt. Die Wahl der Zahl 50 blieb ohne Erklärung – vielleicht klang sie einfach gut oder war zufällig verfügbar.

Die in Aussicht gestellten Sanktionen sollten sich gegen Länder richten, die Russland unterstützen, namentlich die BRICS-Staaten. Was jedoch schon lange ein offenes Geheimnis war, wurde nun offiziell gemacht:

Die NATO liefert Waffen an die Ukraine.

Eine “Enthüllung”, die längst bekannt war. Trump benannte lediglich, was alle schon wussten, und präsentierte es als mutige Offenbarung.

Trump erscheint dabei immer unkonzentrierter. Seine Reden folgen einem vorhersagbaren Schema: China, Zölle, Iran, vermischt mit willkürlich wirkenden Zahlen. “100 Prozent Zoll.” Oder vielleicht “500 Prozent”. Die genaue Zahl spielt keine Rolle, solange sie nur dramatisch klingt. Dass Strafzölle auf China auch Produkte wie Apple betreffen könnten, wird dabei ausgeblendet.

Bei Trump scheint es, als ob Beträge eher gewürfelt als kalkuliert werden.

Sollte er tatsächlich solch hohe Zölle auf China oder sogar Indien erheben, träfe das nicht Moskau, sondern New York. Ein iPhone für 5.000 Dollar zu Weihnachten? Das bleibt vorerst eine bloße Schreckensvision. Noch glaubt niemand ernsthaft, dass Trump solche Maßnahmen wirklich ergreifen würde – er selbst eingeschlossen.

Denn auch Trumps treueste Anhänger kennen ihre Grenzen – sie finden sich auf der nächsten Kreditkartenabrechnung. Die Vorstellung eines iPhones für 5.000 Dollar fungiert dabei als theoretischer Weckruf. Dies verdeutlicht, wie weit die Kluft zwischen Trumps vollmundigen Ankündigungen und den tatsächlichen politischen Konsequenzen ist.

Donald Trump redet viel und oft zu viel. Während Biden oft für seine zurückhaltende Präsenz kritisiert wird, produziert Trump einen fortwährenden Lärm, der an eine quietschende Maschine erinnert. Seine Minister loben ihn öffentlich in einer Art und Weise, die eher an autoritäre Regime erinnert. Die Grenze zwischen Ironie und Ernst scheint zunehmend zu verschwimmen.

Seine außenpolitischen Aussagen sind mitunter skurril. Er behauptet, Konflikte in Bergkarabach gelöst zu haben, ebenso wie die Differenzen zwischen Kosovo und Serbien. Sogar in Nahost will er vermittelt haben. Eine Überprüfung seiner Aussagen bringt schnell die tatsächlichen Fakten ans Licht. Doch für Trump zählt weniger die Realität als die Inszenierung.

Einst galt Trump als Herausforderer des Establishments, jetzt ist er fester Bestandteil davon. Die Werkzeuge sind dieselben geblieben, die Rhetorik ist nur lauter geworden:

  • Waffenlieferungen, die er früher kritisierte, werden unter seiner Regierung fortgesetzt.
  • Das Versprechen, die Epstein-Akten zu veröffentlichen, wurde aufgegeben.
  • Der Überwachungsstaat, einst als Schreckensszenario dargestellt, wird nun mit Hilfe von Palantir weiter ausgebaut.
  • In seiner Nahostpolitik reduziert sich alles auf die bedingungslose Unterstützung Israels und merkwürdiges Lob für ehemalige Extremisten, zuletzt lobte er den syrischen Milizenführer Dschaulani, ehemals al-Qaida-nah, als “attraktiven Mann mit beeindruckendem Lebenslauf”.
  • Und zu Israel: Kürzlich lobte Netanjahu Trump als mehrfachen Anwärter auf den Friedensnobelpreis. Wer weiß, wie leicht Trump durch Schmeichelei zu beeinflussen ist, erkennt die dahinterliegende Logik. “America First” hat längst an Bedeutung verloren. Heute scheint es “Israel First” oder “Ukraine First” zu sein. Zurück bleibt eine leere Phrase, die selbst die eigene MAGA-Basis kaum noch bewegt.

Trump steht nicht länger als Gegenpol zu Biden da. Er ist vielmehr ein lauterer, farbenfroherer Widerschein seiner Politik, allerdings ohne gesteigerte Klarheit.

Die Russland-Experten atmeten tief durch, als Trump seine “kleine Überraschung” für Moskau ankündigte – nur um erneut mit inhaltsleeren Phrasen zu enden. Die Moskauer Börsen reagierten prompt mit Kursanstiegen, ein deutliches Zeichen: Von Trump kamen keine neuen Impulse. Nur das bekannte einschmeichelnde Gerede von NATO-Chef Rutte, unbeholfen vorgetragen mit schwerem holländischen Akzent, versuchte das ganze noch irgendwie zu verpacken.

Ein politischer Reflex, keine Strategie.

Und das versprochene Paket für Moskau? Seien wir ehrlich: Letztendlich geht es, wie so oft bei Trump, um Geld. Das “kleine Überraschungspaket” besteht darin, dass Europa bald alte US-Waffen kaufen darf – zu Preisen, die selbst erfahrene Schweizer Rüstungsbeamte schlucken lassen. Alte Bestände werden neu verpackt und als frische Sicherheitspolitik verkauft. Geopolitik als Entledigung überholter Lagerbestände.

Trump war nie ein Stratege, sondern ein Instinktverkäufer. Das hat mittlerweile auch Elon Musk verstanden – und teuer bezahlt.

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