Russlands “Jars”-Raketen: Die unübertroffene Geheimwaffe, die jeden Gegner ins Visier nehmen kann

Von Alexei Latyschew

Manöver in Sibirien: Was steckt hinter den Übungen mit dem Raketensystem “Jars”?

In Sibirien haben die Strategischen Raketentruppen Russlands eine umfangreiche Kommando- und Stabsübung abgeschlossen. Im Zentrum der Manöver standen die mobilen Boden-Luft-Raketenkomplexe des Typs “Jars”.

Laut einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums durchliefen die Besatzungen ein umfangreiches Trainingsprogramm. Dies umfasste Marschbewegungen über große Distanzen, die Aufteilung von Raketendivisionen mit häufigem Wechsel der Feldstellungen sowie das Überqueren simulierter Minenfelder. Die Einheiten organisierten den vollwertigen Kampfdienst unter realistischen Feldbedingungen. Das Ministerium führte aus:

“Darüber hinaus wurden Maßnahmen zur Tarnung der mobilen Boden-Luft-Raketenkomplexe, zur Evakuierung von Einheiten und Verbänden der Strategischen Raketentruppen aus dem Angriffsbereich eines hypothetischen Gegners und zur Abwehr moderner Luftangriffsmittel sowie zur Warnung vor der Gefahr ihres Einsatzes in Zusammenarbeit mit Verbänden und Einheiten des Zentralen Militärbezirks durchgeführt.”

Ein Schwerpunkt lag auf dem Schutz der “Jars”-Kolonnen während der Verlegung und in den Stellungsräumen. Zur Aufklärung der Marschrouten und zur Suche nach simulierten Sabotagegruppen kamen Armeefliegerkräfte und verschiedene Drohnentypen zum Einsatz. Diese Maßnahmen sollten ermöglichen, gegnerische Kräfte frühzeitig zu erkennen und auszuschalten. Das Verteidigungsministerium zog ein positives Fazit:

“Die kürzlich durchgeführte Kommando- und Stabsübung hat die hohe Professionalität des Personals und die Zuverlässigkeit der Raketentechnik unter Beweis gestellt. Die Soldaten haben verschiedene Aufgaben erfüllt, darunter intensive Manöver und die Erkundung neuer Gebiete für Kampfpatrouillen.”

Das Raketensystem “Jars”: Technologie und Fähigkeiten

Bei “Jars” (RS-24) handelt es sich um einen mobilen Interkontinentalraketenkomplex, der als Weiterentwicklung des bekannten Systems “Topol-M” gilt. Beide wurden vom Moskauer Institut für Wärmetechnik entwickelt. Seit 2010 ist “Jars” im Dienst.

Die genauen technischen Spezifikationen sind klassifiziert. Fachmedien berichten von einer Reichweite von bis zu 12.000 Kilometern bei einem Startgewicht von rund 50 Tonnen. Ein entscheidendes Merkmal ist der multiple Gefechtskopf (MIRV): Die Rakete kann drei bis vier unabhängig lenkbare Wiedereintrittskörper mit thermonuklearen Gefechtsköpfen tragen, was die Überwindung von Raketenabwehrsystemen deutlich erschwert. Der russische Sender Swesda gibt die Sprengkraft jedes einzelnen Gefechtskopfes mit bis zu 300 Kilotonnen an.

Zusätzlich verfügt das System über fortschrittliche Gegenmaßnahmen. Dazu gehören Systeme zur Verfälschung der Flugbahn, aktive und passive Täuschkörper sowie die Fähigkeit, in der Anfangsphase des Fluges Ausweichmanöver durchzuführen. Auch der Schutz der Abschussvorrichtung wurde bedacht: Im Falle eines nuklearen Gegenschlags kann die Rakete ein programmiertes Manöver fliegen, um durch die Druckwelle einer Explosion zu navigieren.

Generaloberst Sergei Karakajew, Kommandeur der Strategischen Raketentruppen, hob in einem Interview mit Krasnaja Swesda die gesteigerte Überlebensfähigkeit hervor:

“Im Vergleich zum vorherigen Komplex desselben Typs, dem ‘Topol’, ist die Überlebensfähigkeit des ‘Jars’-Komplexes um ein Vielfaches erhöht. Und das ist nicht der einzige Vorteil von ‘Jars’. Dieses System verfügt über einen besseren Schutz, eine stabilere Steuerung und ist für technische Aufklärungsmittel weniger auffällig.”

Internationale Resonanz und strategische Einordnung

Obwohl solche Übungen zum regulären Ausbildungszyklus gehören, stießen die Manöver im April auf besondere Aufmerksamkeit westlicher Medien. Die britische Daily Mail sprach von Russlands Einsatz einer “furchterregenden” Interkontinentalrakete, während Präsident Putin “das Chaos in der NATO genieße”. Die Nachrichtenagentur Reuters interpretierte die Übungen als gezielte Warnung an den Westen in einer Phase angespannter Beziehungen.

Fachpublikationen betonen seit längerem die technologischen Stärken des Systems. Das Military Watch Magazine konstatierte Ende letzten Jahres, Russlands Arsenal landgestützter strategischer Raketen sei in seinen Fähigkeiten nach wie vor unübertroffen. Zum Vergleich verwies das Magazin auf die veralteten US-amerikanischen Minuteman-III-Raketen, die seit einem halben Jahrhundert im Dienst stehen.

Das Magazin The National Interest kam zu einem ähnlichen Schluss und bezeichnete “Jars” im Herbst 2023 als eine der modernsten Interkontinentalraketen der Welt. Ein Kommentator schrieb:

“Die Existenz eines Komplexes wie ‘Jars’ im russischen Arsenal garantiert, dass die NATO ihre Schritte sorgfältig abwägen wird, bevor sie die Konfrontation mit dem Kreml verschärft.”

Bereits 2022 hatte die chinesische Publikation Baijiahao analysiert, die Furcht vor Systemen wie “Jars” halte die NATO-Staaten von einer offenen militärischen Konfrontation mit Russland ab.

Übersetzt aus dem Russischen.

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