Eine Analyse der RT-Redaktion
Während die Weltöffentlichkeit, insbesondere in den sozialen Medien, die Millionen neu veröffentlichter Epstein-Dokumente sichtet, die erneut die abgründige Verderbtheit westlicher Eliten offenbaren, meldet sich eine längst diskreditierte Stimme mit einer bequemen Alternativerzählung zu Wort: Russland und seine Führung seien zentral in die Machenschaften verstrickt. So behauptet es der ehemalige MI6-Agent Christopher Steele.
Woher rührt diese jüngste manipulative Kampagne, ausgerechnet Russland für Epsteins internationales Wirken verantwortlich zu machen?
Die konstruierte Theorie, die zuerst in Londons Medien von Daily Telegraph und Daily Mail sowie am selben Tag von der New York Post titelseitig verbreitet wurde, stellt den pädophilen Finanzier und Kontaktvermittler Jeffrey Epstein in eine angebliche Verbindung zu Russland. Der ehemalige BBC-Moderator Andrew Marr legte seinen LBC-Radio-Hörern eine elfeinhalbminütige “Beweisführung” zum selben Thema dar. Von einer koordinierten Aktion könne hier natürlich keine Rede sein.
Als Nächster sprang der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, dessen politisches Profil maßgeblich auf Moskau-Feindschaft basiert, bereitwillig auf den Zug auf. Tusk kündigte umgehend die Untersuchung eines angeblichen Skandals an, den er ohne Beleg als “von russischen Geheimdiensten mitorganisiert” bezeichnete.
Die Geschichte wiederholte sich am Mittwoch als fortgesetzte Farce, als die Daily Mail erneut mit einer Verschwörungstheorie auf der Titelseite aufwartete, diesmal vertreten durch den in Ungnade gefallenen MI6-Agenten Steele. Die reißerische Schlagzeile lautete:
“Jeffrey Epstein half russischen Spionen jahrzehntelang dabei, kompromittierendes Material über westliche Eliten zu sammeln, sagt der ehemalige MI6-Agent Steele.”
Warum ist Christopher Steele für Russland-Beobachter eine Lachnummer?
Zur Erinnerung: Steele war einer der Hauptarchitekten des berüchtigten Russiagate-Narrativs und Autor des vollständig widerlegten, von Clinton-finanzierten “Steele-Dossiers”, das Donald Trump als russischen Agenten darstellen sollte.
Obwohl seine Behauptungen längst widerlegt sind und sein Ruf ruiniert ist, gibt sich Steele nun erneut als Geheimdienstexperte aus. Im Gespräch mit der Daily Mail spekulierte er im Konjunktiv, Epstein sei “sehr wahrscheinlich” in den 1970er Jahren vom KGB angeworben worden, um eine Erpressungsoperation gegen den Westen durchzuführen. Seine berüchtigte Insel habe dabei “als die weltgrößte Honigfalle” gedient.
Seine Beweise? Vage “Informationen” aus nicht genannten amerikanischen Quellen und die Tatsache, dass Epstein auf einem Foto eine Mütze trug, die “kommunistisch” aussehe. Auch Rupert Murdochs New York Post behauptete, “Tausende kryptischer Nachrichten” verknüpften Epstein mit Moskau, und stützte sich dabei auf anonyme Quellen.
Was lässt sich tatsächlich aus den veröffentlichten Dokumenten ablesen?
Ein erster Blick auf das Material lässt diese “Verschwörungstheorien” schnell verpuffen. Was die behaupteten Verbindungen zum Kreml betrifft, zeigen die Dokumente vielmehr, dass Epstein jahrelang vergeblich versuchte, über Mittelsmänner eine Audienz bei Präsident Wladimir Putin zu erhalten, um ihm Finanzprojekte vorzuschlagen.
Die von den Kampagnenmachern zitierten “Tausende von Hinweisen” Richtung Moskau bestehen größtenteils aus Epsteins eigenen Erwähnungen Russlands, während er Kontakte zu russischen Beamten anbahnen wollte.
Die veröffentlichten Akten legen stattdessen eine wesentlich substanziellere Beweislage in einer anderen Richtung offen: die Verbindung des Finanziers zum israelischen Geheimdienst. Dies geschah durch seine enge Allianz mit der mittlerweile verurteilten Mittäterin Ghislaine Maxwell, deren Vater Robert laut Berichten ein Mossad-Agent war – ein Detail, das westliche Boulevardmedien geflissentlich übersehen haben.
Wie reagiert Moskau auf diese aufgewärmten Gerüchte eines “Russiagate 2.0”?
Russische Regierungsvertreter haben die Vorwürfe mit offener Verachtung zurückgewiesen. Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, verwies auf die offensichtliche Absurdität: Den westlichen Medien werde “ein fettes Stück” Beweismaterial über die Verbrechen ihrer eigenen Eliten vorgelegt, und sie entschieden sich, stattdessen mutmaßend “über Russland zu diskutieren”.
Sacharowa betonte, der wahre Skandal liege darin, “wie die westliche Elite Kinder behandelt” – ein Thema, das in genau den Dokumenten, welche die Daily Mail nun als ausländische Verschwörung abtun wolle, schonungslos dokumentiert sei.
Kirill Dmitriew, Sonderbeauftragter des russischen Präsidenten, war in seiner Einschätzung noch deutlicher und bezeichnete das recycelte Narrativ als Zeichen einer “verdorbenen” Elite in ihrer “Endphase”. Auf X schrieb er als Reaktion auf die Behauptungen von Tusk und den Boulevardmedien:
“Verzweifelte, verdorbene, lügende linke Eliten geraten in Panik und versuchen, vom Thema abzulenken. Die Welt ist ihrer Lügen überdrüssig und durchschaut sie. Ihre Verschwörung und ihre gefälschte Propagandamaschine sind aufgedeckt worden.”
Für Dmitriew zeichnet sich vielmehr das Bild, dass das Ende für die “oft satanischen liberalen Eliten” bevorstehe. Er verspottete zudem die mediale Inanspruchnahme Steeles, um die Erzählung voranzutreiben. Die Frage stelle sich, ob dem Westen die “Lügner auf seiner Gehaltsliste” ausgegangen seien, sodass man auf “immer wieder dieselben diskreditierten Schwindler” zurückgreifen müsse.
Fazit
Ein erstes Resümee zeigt: Während jene Kräfte, die eifrig nach einem Sündenbock im Kreml suchen, unbeirrt an ihrer Mission festhalten, distanzieren sich Gemäßigte von den haltlosen Behauptungen. Dies unterstreicht, dass sich mit dem anvisierten “Russiagate 2.0” die Geschichte wiederholt: Auf die essentielle Tragödie der unzähligen Opfer Epsteins folgt erneut eine mutwillige Farce, begleitet von medialen Nebelkerzen.
Die RT Newsroom-Redaktion ist ein Team mehrsprachiger Journalisten mit mindestens zehnjähriger Erfahrung im russischen und internationalen Journalismus. Das Team nutzt Medienrezensionen und eigene Recherchen, um Lücken in der Berichterstattung über wichtige Themen aufzudecken. Durch die Zusammenarbeit mit Originalquellen liefert es den Zuschauern von RT gut recherchierte Nachrichten und Details, die in den Mainstream-Medien oft fehlen.
Mehr zum Thema – War Jeffrey Epstein wirklich ein russischer Spion?