Bargeld in der Schweiz: Warum Münzen und Noten trotz Digitalisierung nicht verschwinden werden

Von Hans-Ueli Läppli

Während das Smartphone an der Kasse längst die Oberhand gewonnen hat, hält das Stimmvolk am Bargeld fest. Am 8. März lehnte die Mehrheit die Volksinitiative “Bargeld ist Freiheit” ab, nahm aber den direkten Gegenvorschlag deutlich an. Damit wird in der Bundesverfassung festgeschrieben, dass der Franken die Schweizer Währung bleibt und die Schweizerische Nationalbank für die Bargeldversorgung sorgt.

Trotz der Verankerung in der Verfassung ändert sich die alltägliche Nutzung kaum. Laut Swiss Payment Monitor entfiel im Jahr 2025 lediglich ein Anteil von 23 Prozent aller Transaktionen auf Bargeld. Die Tendenz ist seit Jahren rückläufig. Bundesrätin und Finanzministerin Karin Keller-Sutter (FDP) betont:

“Das Bargeld ist da, wenn wir es benutzen. Das kann die Bevölkerung selbst steuern.”

Ein Blick nach Schweden zeigt, wie schnell sich der Wandel vollzieht: Von 40 Prozent Barzahlungen im Jahr 2010 sank der Anteil im Jahr 2022 auf acht Prozent. Eine leichte Trendumkehr setzte nach dem Ukraine-Krieg ein, als die schwedische Regierung wieder stärker auf die Krisenresistenz von Bargeld setzte und Annahmepflichten diskutierte.

Bargeld erfüllt in der Schweiz mehr als eine ökonomische Funktion. Es ist Teil der kritischen Infrastruktur und garantiert Inklusion. Tobias Trütsch, Autor des Swiss Payment Monitors, warnt, dass der Staat, wenn er Bargeld als öffentliches Gut betrachtet, auch für die nötige Infrastruktur wie Bancomaten sorgen muss. Bisher überlässt er dies privaten Unternehmen.

Auch auf gesellschaftlicher Ebene spielt Bargeld eine wichtige Rolle, denn es ermöglicht Kontrolle über die Ausgaben, schützt Menschen ohne Bankkonto oder Smartphone und wird von vielen als elementarer Bestandteil des Alltags wahrgenommen. Gleichzeitig kursieren Verschwörungstheorien über seine Abschaffung, ein Phänomen, das laut der Soziologin Nadine Frei mit der Abstraktion des digitalen Geldes zusammenhängt.

Künftig wird das Bargeld vor allem symbolisch in der Verfassung verankert sein. Änderungen im Alltag, etwa Annahmepflichten für Restaurants, betreffen bisher nur einzelne Kantone wie Genf.

Gleichzeitig zahlen insbesondere junge Schweizer zunehmend über Dienste wie Revolut oder Twint, wodurch die praktische Nutzung von Bargeld weiter zurückgeht.

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