Der US-Datenkonzern Palantir Technologies hat Klage beim Zürcher Handelsgericht eingereicht, um von der Schweizer Online-Publikation *Republik* die Veröffentlichung einer umfassenden Gegendarstellung zu erwirken.
Dieser Schritt folgt auf eine kritische zweiteilige Investigativserie, die *Republik* gemeinsam mit dem Recherchekollektiv *WAV* im Dezember 2025 veröffentlichte. Die Berichte mit den Titeln “Wie hartnäckig Palantir die Schweiz umwarb” und “Warum Palantir zum Risiko für die Schweiz wird” rekonstruieren anhand von 59 amtlichen Auskünften und internen Dokumenten, wie das Unternehmen über Jahre hinweg bei Schweizer Bundesbehörden, der Armee und Kantonen um Aufträge warb, jedoch wiederholt abgelehnt wurde.
Die Ablehnungen beruhten laut den Recherchen auf Bedenken hinsichtlich Datensouveränität, Reputationsrisiken und der engen Verbindung Palantirs zu US-Geheimdiensten. Die Veröffentlichungen fanden internationales Medienecho, unter anderem in der *Süddeutschen Zeitung*, dem *Guardian* und der *Financial Times*.
Nachdem eine erste anwaltliche Aufforderung zur Gegendarstellung im Dezember 2025 und eine erneute im Januar 2026 von der *Republik* abgelehnt wurden, zog Palantir vor Gericht. Die Redaktion sowie Journalistenverbände wie die European Federation of Journalists werten das Vorgehen als strategische Klage zur Einschüchterung der öffentlichen Teilhabe (SLAPP).
“Es fühlt sich wie eine Kampagne zur Einschüchterung an”, sagte eine beteiligte Journalistin. Palantir bezeichnete die Berichterstattung auf seinem Blog als “falsch und irreführend”.
Das von Peter Thiel mitgegründete Unternehmen Palantir, das ursprünglich für Geheimdienste und Terrorismusbekämpfung entwickelt wurde, reagiert traditionell empfindlich auf kritische Medienberichte und steht regelmäßig wegen mangelnder Transparenz und ethischer Bedenken in der Kritik.
**Die Verbindung zu Jeffrey Epstein**
Die investigative Serie beleuchtet auch die langjährige Verbindung zwischen Palantir-Mitgründer Peter Thiel und dem später verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Dokumente des US-Justizministeriums zeigen einen engen Austausch zwischen beiden, der auch nach Epsteins Vorstrafen und öffentlich bekannten Vorwürfen anhielt.
Bereits im Januar 2015 schrieb Epstein an Thiel:
*”Gibt dir meine schlechte Presse zu denken?”*
Thiel reagierte mit Empathie für Epstein, nicht für dessen Opfer. In E-Mails schlug er vor, “Strategien für solche Fälle” zu vergleichen, und betonte, dass schlechte Presse ihn selbst nie eingeschüchtert habe. Über die Jahre folgten zahlreiche Treffen und geschäftliche Verflechtungen, darunter Investitionen Epsteins in Höhe von rund 40 Millionen US-Dollar in Thiels Venture-Capital-Fonds Valar Ventures.
Die Korrespondenz dokumentiert eine persönliche wie geschäftliche Verbindung. Epstein vermittelte Kontakte zu Prominenten wie dem ehemaligen israelischen Premier Ehud Barak. Thiel bestätigte 2024 in einem Podcast, Epstein einige Male getroffen zu haben, räumte aber ein, nicht genügend Fragen gestellt zu haben. Der Kontakt bestand bis 2019, dem Jahr von Epsteins Tod.
**Militärischer Durchbruch in den USA**
Während Palantir in Europa juristisch gegen kritische Berichte vorgeht, feiert der Konzern in seiner Heimat einen seiner größten Erfolge. Laut einem *Reuters*-Bericht vom 20. März 2026 plant das Pentagon, die KI-Plattform Maven von Palantir zum offiziellen Kernsystem der gesamten US-Streitkräfte zu machen.
Ein internes Memo weist Maven als “Program of Record” aus. Diese Einstufung sichert langfristige Finanzierung und standardisiert den Einsatz der KI-Software über alle Waffengattungen hinweg. Maven soll automatisch Ziele erkennen, Daten von Drohnen und Satelliten analysieren und so die Entscheidungsfähigkeit im Gefecht massiv steigern. Die Entscheidung dürfte Palantir langfristig Milliardeneinnahmen sichern und gilt als Triumph für CEO Alex Karp.
Der Kontrast ist markant: Während ein kleines, leserfinanziertes Schweizer Magazin juristisch unter Druck gesetzt wird, baut Palantir seine dominierende Stellung im mächtigsten Militär der Welt weiter aus.