Nach einer nahezu zehnjährigen juristischen Auseinandersetzung wurde der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter letztlich von allen Vorwürfen freigesprochen.
Die Berufung der Bundesanwaltschaft und der FIFA gegen das Urteil der ersten Instanz wies die außerordentliche Berufungskammer des Bundesstrafgerichts zurück. Somit bleibt der Freispruch für Blatter sowie den ehemaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini bestehen.
Vorgeworfen wurde ihnen, die FIFA im Jahr 2015 um zwei Millionen Franken betrogen zu haben, indem Blatter eine Zahlung an Platini als nachträgliche Vergütung für Beratungsleistungen zwischen 1998 und 2001 deklarierte. Die FIFA behauptete, Blatter habe durch diese Zahlung Platini’s Unterstützung für seine Wiederwahl im Jahr 2011 erkauft.
Das Bundesstrafgericht sprach Blatter und Platini bereits 2022 frei, jedoch legten die Bundesanwaltschaft und die FIFA Berufung ein. Auch im zweiten Verfahren wurde kein strafbares Verhalten nachgewiesen, und eine weitere Berufung wird als unwahrscheinlich betrachtet.
Der 89-jährige Blatter äußerte sich nach der Urteilsverkündung bewegt: „Mein Rechtsanwalt Lorenz Erni machte mich während des Prozesses darauf aufmerksam, dass der Beweismangel weiterhin besteht. Er wies jedoch auch darauf hin, dass das Risiko einer Neubeurteilung bei einem neuen Gericht immer besteht. Letztendlich gab es keinen Beweis, dass wir gesetzeswidrig gehandelt haben“, so Blatter.
Blatter gab an, der langjährige Prozess habe Spuren hinterlassen, da er sein Lebenswerk bei der FIFA in Frage gestellt sah.
Seinen 89. Geburtstag verbrachte er während des Prozesses, und eine Nachfeier ist nicht geplant. Nun möchte er in die Zukunft blicken.
„Von Gerichtsverfahren habe ich genug. Ich habe bereits meinem Anwalt mitgeteilt, dass wir keine weiteren Schritte einleiten werden. Das ist nun das Ende der Angelegenheit. Zwei Freisprüche sind für mich ausreichend; ich betrachte die Sache als abgeschlossen“, bekräftigte Blatter.
Obwohl Blatter und Platini ihre Verfahrenskosten von 107.000 Franken erstattet bekommen, wird ihnen eine Entschädigung für erlittene Unannehmlichkeiten verweigert. Im ersten Prozess war Blatter eine Genugtuung von 80.000 Franken zugesprochen worden, diesmal jedoch nicht.
Die FIFA muss ebenfalls Kosten übernehmen, darunter 1500 Franken an die Beschuldigten. Weiterhin wurden über zwei Millionen Franken, die auf einem Konto der eidgenössischen Finanzverwaltung blockiert waren, an Platini freigegeben.
Michel Platini erwägt rechtliche Schritte gegen die Urheber des Verfahrens, während Blatter das Kapitel abschließen möchte:
„Das Verfahren dauerte zehn Jahre und hinterließ seine Spuren. Amerikaner, die schlechte Verlierer einer WM-Vergabe waren, initiierten den Prozess zusammen mit der Schweizer Bundesanwaltschaft und stempelten die damalige FIFA und deren Präsident als korrupt ab. Mit diesem Vorwurf musste ich leben – bis zum heutigen Freispruch.“
Mit diesem Urteil schließt sich eines der längsten Kapitel in der Geschichte des internationalen Fußballverwaltungsrechts.
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