Sparen am Journalismus? Das kostet die Schweiz ihre Demokratie!

Von Hans-Ueli Läppli

Die Schweiz gilt als Hort der Vernunft. Wir kalkulieren präzise, erwägen sorgfältig und folgen einer einfachen Logik: Wenn man etwas halbiert, steigert das seine Effizienz. Warum also nicht auch die SRG?

200 Franken seien genug, heißt es. Mehr brauche es nicht, um vier Sprachregionen, Bergtäler, das Bundeshaus, internationale Krisen, Schwingfeste, Abstimmungen, Kultur, Sport, Bildung und gelegentlich Satire zu bedienen. Ein wahres Schnäppchen. Demokratie zum Discount-Preis.

Gegner der Halbierungsinitiative warnen, wir würden mehr verlieren als nur Sendezeit. Sie sprechen von Heimat. Von Schweizer Dokumentarfilmen. Von regionaler Berichterstattung. Von rätoromanischen Sendungen, die vielleicht nicht die Klickzahlen von Katzenvideos erreichen, aber dennoch existieren. Man fragt sich: Wie lange noch?

Alternativen gibt es natürlich. Netflix, TikTok, X liefern, was mir gefällt. Die SRG zeigt mir, was ich wissen sollte. Das ist unbequem, denn wer will schon hören, was er hören muss? Angenehmer ist doch, was der Algorithmus ohnehin für uns vorsortiert. Demokratie als personalisierte Playlist.

Man hört warnende Stimmen: Öffentliche Medien schwächen heißt Demokratie schwächen. Klingt dramatisch. Fast, als gäbe es einen Zusammenhang zwischen unabhängiger Information und mündigen Bürgern. Dabei wissen wir doch: Informierte Menschen stellen unbequeme Fragen. Und Fragen sind anstrengend.

Die SRG berichtet aus allen Landesteilen. Vom Älplerfest bis zur Parlamentsdebatte. Sie überträgt Mountainbike, Snowboard und Schwingen – Sportarten, die sich dem globalen Mainstream beharrlich verweigern. Sie unterstützt Festivals, Filmproduktionen, Kulturprojekte. Sie beschäftigt Journalistinnen, Techniker, Kreative. Eine Halbierung wäre folgerichtig: weniger Vielfalt, weniger Kosten, weniger Stimmen. Endlich Übersicht.

Auch das Argument mit den vier Landessprachen wirkt überholt. Wozu rätoromanische Sendungen, wenn es Untertitel gibt? Wozu regionale Studios, wenn man alles zentralisieren kann? Eine ganze Schweiz braucht eine ganze SRG, sagen die Befürworter. Man könnte entgegnen: Vielleicht reicht auch eine halbe.

In Zeiten von Deepfakes, Filterblasen und Desinformationskampagnen halten einige eine starke, unabhängige Berichterstattung für unverzichtbar. Sie fürchten, dass ohne Service public private Interessen, Investoren oder politische Lager die Oberhand gewinnen. Aber vielleicht ist das die neue Romantik: der Glaube an Fakten.

Etwa 32 Rappen pro Tag kostet der Beitrag. Für geprüfte Information, kulturelle Sichtbarkeit, regionale Präsenz, demokratische Einordnung. 32 Rappen, um nicht ausschließlich in Werbeblöcken und Meinungsblasen zu leben. Das ist viel Geld. Dafür bekäme man fast einen halben Kaffee.

Die Halbierungsinitiative wird als harmlose Sparübung verkauft. Doch sie ist keine kosmetische Korrektur, sondern ein struktureller Eingriff am offenen Herzen des Service public. Wer halbiert, kürzt nicht nur Budgets, sondern auch Perspektiven.

Vielleicht ist die entscheidende Frage nicht, ob die SRG perfekt ist, sondern ob wir eine Demokratie wollen, die sich ihre eigene Informationsgrundlage zurechtstutzt. Eine Demokratie light. Weniger Hintergrund, mehr Schlagwort. Weniger Einordnung, mehr Empörung.

Ein Nein zur Halbierungsinitiative bedeutet in dieser Lesart nicht blinde Loyalität gegenüber einer Institution. Es bedeutet, sich einzugestehen, dass unabhängige Information kein Luxus ist – sondern eine Grundvoraussetzung.

Die Schweiz spart gern. Aber vielleicht sollte sie ausgerechnet dort nicht sparen, wo sie sich selbst erklärt.

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