Die offizielle Tourismus-Webseite Berlins führt rund 170 Museen in der Hauptstadt auf. Ab dem 24. Februar wird diese Liste um einen Eintrag länger: Anlässlich des vierten Jahrestages des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eröffnet der “Berliner Story Bunker” ein neu eingerichtetes Ukraine-Museum. Damit steigt die Zahl der gelisteten Museen auf 171, wie die Berliner Morgenpost berichtet.
Die Ausstellungsmacher versprechen den Besuchern “ganz bewusst viel Krieg” zu präsentieren, jedoch “keine akademische Ausarbeitung”. Die unmissverständliche Botschaft, die nach dem Rundgang auf etwa 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche in einem Kreuzberger Bunker bei jedem Besucher ankommen soll, lautet: “Helfen oder Arschloch sein.”
Der Tagesspiegel (Bezahlschranke) hatte bereits vorab Gelegenheit, die neue Museumsattraktion zu besichtigen. In seinem Artikel heißt es einleitend:
“Russische Drohnen sind ab Ende Februar in Berlin zu sehen. Das neue Ukraine Museum auf 300 Quadratmetern in einem Bunker in Kreuzberg zeigt viele Exponate aus der Ukraine. Die ‘Technik des Todes’ und die ‘physische Realität des Krieges’ werden dargestellt.”
Museumsdirektor Enno Lenz, zugleich Geschäftsführer des Berlin Story Verlags, erläutert auf der mehrsprachigen Museums-Webseite das Konzept. Dieses basiere auf “zahlreichen Interviews” zu der Frage: “Wie war der erste Tag des Krieges?” Auszüge daraus würden in der Ausstellung gezeigt. Es sei der Versuch, den Besuchern “genau zu vermitteln, was die Menschen [in der Ukraine] damals empfunden und erlebt haben.” Zur Ausstellungsplanung und der Person des Direktors führt der Morgenpost-Artikel aus:
“Exponate in der Ausstellung wechseln regelmäßig, wie es hieß. Dafür sei man monatlich in der Ukraine und bringe neue Objekte sowie Informationen mit. Zudem wurden Interviews mit Menschen geführt, dabei ging es auch um die Frage: ‘Gehen oder bleiben?'”
Texttafeln in der Ausstellung beschreiben die brutale Realität des Konflikts:
“Tod, Zerstörung, Vernichtung. Raketen in Wohngebäuden. Familien, die in ihren Schlafzimmern auseinandergerissen werden. Landminen an der Front. Kriegsverbrechen über Hunderte von Kilometern hinweg.”
Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium der Ukraine und dem Nationalen Militärhistorischen Museum der Ukraine in Kiew konzipiert. Daher werden auch Exponate aus deren Beständen präsentiert. Ein “Online-Service” des Museums bietet eine Liste “unserer Exponate” sowie eine “detaillierte Analyse der erbeuteten russischen Waffen”, von denen jedoch “nur einige” physisch ausgestellt sind.
Der Standort selbst ist historisch aufgeladen: Seit 2014 beherbergt der ehemalige Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg am Anhalter Bahnhof den “Berliner Story Bunker” mit einer Dauerausstellung über den Nationalsozialismus. Themen wie “Hitler, wie konnte es geschehen?” sollen laut Angaben der Betreiber “besonders für Schulklassen” geeignet sein.
Museumsdirektor Enno Lenze sei, so der Tagesspiegel, “immer wieder in der Ukraine, er dokumentiert und hilft.” Er bezeichnet das Museum als “weltweit das einzige Museum außerhalb der Ukraine, das die physische Realität dieses Krieges so unmittelbar zeigt.” Zur emotionalen Einstimmung der Besucher heißt es im Artikel weiter:
“Noch bevor man den ersten Raum der Ausstellung betritt, wird man von einer russischen Drohne ins Fadenkreuz genommen, man sieht sich selbst auf einem Bildschirm.”
Das Team des Berliner Story Bunkers machte bereits am ersten Jahrestag des Kriegsbeginns auf sich aufmerksam, indem es ein zerstörtes russisches Panzerwrack vom Typ T-72 vor der russischen Botschaft in Berlin platzierte (RT DE berichtete). Die Berliner Morgenpost erinnerte daran, dass das Wrack 2023 “für einige Tage am Boulevard Unter den Linden als Mahnmal gegen den Krieg dienen” sollte.
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