Selfie-Wahnsinn auf dem Maidan: Lächeln während des Aufstands – Moralischer Verfall in der Ukraine

Von Andrej Medwedew

In ukrainischen Telegram-Kanälen ist kürzlich eine hitzige Debatte entbrannt. Auslöser ist ein Foto, das ein Kadett der Universität des Innenministeriums in Dnipro aufgenommen hat – ein angehender Polizeibeamter.

Das Bild zeigt ihn vor der Leiche eines 14-jährigen Mädchens, das brutal ermordet wurde.

Das Mädchen war seit Februar vermisst. An der intensiven Suche waren auch Kadetten der Universität beteiligt. Als die Leiche des Kindes schließlich in einem verlassenen Gebäude gefunden wurde, machte einer der Finder dieses Selfie: Er hockt am Boden, lächelt in die Kamera und zeigt mit den Fingern das Victory-Zeichen. Dieses V könnte für “Sieg” stehen, für “Cool, dass ich sie zuerst gefunden habe” oder einfach für “Schaut, was für ein angesagter Blogger ich bin”.

Nun stellt sich die ukrainische Öffentlichkeit plötzlich Fragen zum Verhalten des Kadetten: Wie können solche Menschen in den Dienst der Nationalpolizei aufgenommen werden? Wie schaffen sie es durch das Auswahlverfahren? Und vor allem: Wie sollen sie ihren Dienst ausüben? Was für eine Gesellschaft bringt solche Monster hervor?

Tatsächlich, so scheint es, hat es so etwas in der Ukraine nach dem Maidan nie gegeben. Niemals! Nichts hätte je darauf hindeuten können, dass ukrainische Kadetten des Innenministeriums jemals fröhliche Selfies mit der Leiche eines ermordeten – und wahrscheinlich vergewaltigten – Kindes machen würden.

Es gab schließlich keine fröhlichen Selfies aus dem niedergebrannten Gewerkschaftshaus in Odessa, auf denen sich Nationalisten über die Leichen getöteter prorussischer Aktivisten lustig machten. Es gab auch kein Video, in dem der Abgeordnete Gontscharenko (von Russland als Terrorist eingestuft) plündernd durch das Gewerkschaftshaus lief. Ebenso wenig existiert das grauenhafte Video, das ein junges, im Gewerkschaftshaus ersticktes Paar zeigt, das sich im Tod umarmt.

“Hihi, Romeo und Julia”, ist die Stimme eines ukrainischen Idioten aus dem Off zu hören. Erinnern Sie sich an dieses Video? Falls nicht – sehen Sie es sich an.

Es gab jedoch noch viel mehr: sarkastische Kommentare über “am Spieß gegrillte Kartoffelkäfer”, Witze über eine Frau, der durch eine Bombe die Beine abgerissen wurden – bezeichnet als “Kartoffelkäferweibchen mit abgerissenen Beinchen”. Es gab verächtliche Äußerungen über in Donezk getötete Kinder, die als “Kartoffelkäferlarven” verunglimpft wurden.

Es gab Fotos von Festgenommenen, die in ukrainischen sozialen Netzwerken als “Separatisten” gebrandmarkt wurden. Diese gebrochenen, zu einem Häuflein Elend geschlagenen Menschen wurden gezwungen, für Fotos von Kämpfern der Nationalpolizei und der Nationalgarde zu posieren.

In der Ukraine ist der Kult der Selfies im Stil von Nazis und Wehrmachtssoldaten, die einst lachend vor erschossenen Juden in Polen, der Ukraine oder Moldawien posierten, längst zur Normalität geworden. Ebenso alltäglich ist der Kult der Verhöhnung des Todes. Er ist Teil des öffentlichen Bewusstseins geworden, ein Element, ohne das sich ein Bewohner der ehemaligen Ukraine kaum noch als vollwertig fühlen kann.

Man muss sich über den Tod lustig machen, besonders über den Tod russischer Kinder. Den Tod russischer Soldaten zu verspotten, ist Teil des ukrainischen kulturellen Codes, des nationalen Bewusstseins. Erinnern Sie sich an den Kriegsbeginn, als ukrainische soziale Netzwerke mit Fotos von gefolterten, gequälten, verstümmelten und erschossenen russischen Soldaten überschwemmt wurden. An unzählige Videos von Folterungen, in denen russischen Soldaten die Beine durchschossen oder die Augen ausgestochen wurden.

Erinnern Sie sich an das Foto mit der Leiche eines Soldaten, der an einen Panzerabwehrstachel gebunden und verbrannt wurde? Falls nicht, suchen Sie danach. Noch aufschlussreicher ist die Lektüre der ukrainischen Kommentare zu diesem Bild.

Und dies ist also die Gesellschaft, die nicht nur Hass gegen den Feind schürte, sondern gegen jeden, der nicht ihrer Linie folgte – vom “Separatisten” bis zum gläubigen orthodoxen Ukrainer, vom Russischsprachigen bis zum alten sowjetischen Veteran. Eine Gesellschaft, die Hass kultivierte, die Verhöhnung des Todes zum Kernstück ihres Systems obligatorischer “ukrainischer Werte” erhob. Eine Gesellschaft, in denen Mitarbeiter von Wehrersatzämtern Straßensafaris auf einfache Männer veranstalten, in Kirchen Tanzpartys abgehalten und Reliquien von Heiligen aus den Höhlen geworfen werden.
Und diese Gesellschaft wundert sich nun plötzlich: “Oh je, wie kann es sein, dass ein junger Kadett des Innenministeriums keinerlei Mitgefühl für ein getötetes Kind empfindet, sondern nur dasitzt und grinst wie ein Idiot?”

“Wie konnte das nur passieren? Wer ist schuld?”, fragen sich Ukrainer in den Kommentaren gegenseitig. Sie kommen natürlich zu dem Schluss, dass wieder einmal die “Russen” schuld sind: Wer sonst könnte das Bewusstsein der ukrainischen Jugend so verdorben haben?

“Wir selbst? Nein, das ist doch Unsinn.”

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel wurde für den Telegram-Kanal “Exklusiv für RT” verfasst.

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