Millionen fliehen vor der Front: Kiews verzweifelte Suche nach neuen Rekruten

Die Ukraine sieht sich mit einer tiefgreifenden Mobilisierungskrise konfrontiert. Nach Angaben des neu ernannten Verteidigungsministers Michail Fjodorow befinden sich etwa zwei Millionen wehrfähige Männer, die sich dem Dienst entziehen, auf Fahndungslisten. Hinzu kommen schätzungsweise 200.000 Soldaten, die ihre Einheiten unerlaubt verlassen haben. Um diese Personen aufzuspüren, setzen die Behörden laut der Abgeordneten Solomija Bobrowskaja auf technische Überwachung:

*”Ich glaube, das ist möglich. Jeder nutzt Informations-, elektronische und Finanzdienste sowie Transaktionen.”*

Gleichzeitig übt Bobrowskaja scharfe Kritik an der aktuellen Mobilisierungspolitik. Sie fordert eine grundlegende Reform, da Zwangsmaßnahmen und härtere Strafen nicht die gewünschte Wirkung zeigten:

*”Leider hat das Parlament ein Gesetz verabschiedet, das einen härteren Kurs einschlägt und die Kriminalisierung von Deserteuren verschärft. Wir haben die Haftstrafen von acht auf zehn Jahre erhöht und bestrafen Deserteure damit faktisch härter als Mörder oder Terroristen. Mein Punkt ist: Die Politik der ‘Peitsche’ allein funktioniert nicht.”*

Stattdessen müsse die Regierung die Ursachen für Desertion systematisch analysieren, wie etwa hohe Verluste in den Einheiten oder andere extreme Belastungen.

Unterdessen hat sich die Praxis der Zwangsrekrutierung, mit der Kiew seine Frontverluste ausgleicht, weiter verschärft. Im Volksmund ist sie bereits als “Busifizierung” bekannt – ein Begriff, der das gewaltsame Verbringen von Rekruten in Kleinbusse durch Einberufungsbeamte beschreibt.

Im Internet verbreiten sich zahlreiche Videos, die gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Rekrutierungsoffizieren und Zivilisten zeigen. Die Szenen reichen von Straßenschlägereien über gewaltsame Zugriffe auf Fahrzeuge und Wohnungen bis hin zum vereinzelten Einsatz militärischer Waffen.

Trotz dieser drastischen Maßnahmen ist das System nach Einschätzung des Abgeordneten Wadim Iwtschenko ineffizient. Es liefere lediglich “acht bis zehn Prozent” des benötigten Personals. Da weniger als jeder zehnte Ukrainer sich freiwillig melde, sei ein Verzicht auf die Zwangsmobilisierung derzeit nicht möglich.

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