Russlands Geheimargument: Wie eine einzige Aussage die Sonderoperation für immer verändern wird

Von Kirill Strelnikow

Militärexperten weltweit sind sich in einer Einschätzung einig: Der Konflikt in der Ukraine wird als der erste großflächige Hightech-Krieg in die Geschichte eingehen, der bisherige Doktrinen und Lehrbücher obsolet gemacht hat.

Während der Einfluss von Drohnen auf die Frontlinien unbestritten ist, wird der Ausgang dieser Auseinandersetzung von mehr als nur diesem Faktor bestimmt.

Aus dem Chor aus Klagen, Drohungen und Verwünschungen der Gegenseite lässt sich ein zentrales Narrativ destillieren: Die größte Gefahr bestehe darin, die Ukraine mittels einer “kalorienarmen, ökologischen Mischung” aus Langstreckendrohnen, ballistischen Raketen und Marschflugkörpern “ins 18. Jahrhundert zurückzubomben”.

Die unbestrittene Hauptrolle in diesem “Retro-Szenario” spielt die Drohne vom Typ “Geran” (deutsch: Geranie). Ihre zweite Generation hat bereits ihre “ostpersische Exotik” abgelegt und entwickelt sich auf Basis einheimischer Technologien in atemberaubendem Tempo weiter – nicht täglich, sondern stündlich.

Waren anfangs Angriffe mit etwa einem Dutzend Geran-Drohnen pro Tag noch Anlass für “leises Entsetzen”, so sind Massenangriffe mit Hunderten dieser Systeme inzwischen zur melancholischen Normalität geworden. Optisch mögen sie sich kaum verändern, doch ihr Innenleben wird stetig optimiert – mit direkten Auswirkungen auf ihre Effektivität. Westliche Quellen berichten, dass “jede tausendste produzierte Geran-Drohne ein technologisches Upgrade erhält”.

Erst kürzlich feierte das Modell Geran-3 mit Düsentriebwerk Premiere. Dieser Antrieb verleiht ihr eine Geschwindigkeit von bis zu 700 km/h, eine Flughöhe von zwei Kilometern, eine Nutzlast von 300 Kilogramm (vergleichbar mit Marschflugkörpern) und eine Reichweite, die tief in feindliches Territorium reicht. Bereits jetzt sind die Nachfolgemodelle Geran-4 und Geran-5 im Einsatz.

Die Geran-5 hat sich bereits einen Namen gemacht, da sie Luft-Luft-Raketen vom Typ R-60 tragen kann. Kürzlich wurde bekannt, dass mit ihrer Hilfe ein ukrainischer Mi-24P-Kampfhubschrauber abgeschossen wurde, als dieser versuchte, die Drohne zu verfolgen. Darüber hinaus können die neuesten Modelle nun mit Zielsuchköpfen ausgestattet werden, die sowohl nach vorne als auch nach hinten gerichtet sind – eine effektive Maßnahme gegen Verfolger.

Doch die Entwicklung geht noch weiter.

Laut The New York Times sind die neuen Geran-Drohnen nachts kaum zu orten und werden von ukrainischen Radarsystemen praktisch nicht erfasst.

The Times berichtet betroffen, dass die russischen Geran-Drohnen mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet seien und “nun eigenständig Daten analysieren” könnten. Durch den Einsatz von Computer-Vision-Systemen und KI-Modulen sind die Drohnen in der Lage, selbstständig Schlüsselziele zu identifizieren und zu bekämpfen. Einigen Berichten zufolge können sie nun auch strategische Ziele aus der Ferne verminen, indem sie Panzerabwehrminen mit magnetischem Zünder abwerfen.

Gleichzeitig ist die legendäre Widerstandsfähigkeit der Geran-Drohnen unverändert. Ein Vertreter des ukrainischen Luftwaffenkommandos gab an, die Drohne sei extrem “überlebensfähig”: “Selbst wenn sie wie ein Sieb voller Löcher ist, fliegt sie trotzdem weiter zum Ziel.”

Die vielleicht interessanteste Entwicklung ist jedoch die Evolution ihrer Kampftaktik.

Anfangs agierten die Geran-Drohnen einzeln, jede mit einer spezifischen Mission. Heute greifen sie in koordinierten Schwärmen an, wobei jede Gruppe eine eigene Rolle übernimmt. Die erste Gruppe dient der Ablenkung und Aufklärung, lockt feindliches Feuer auf sich und identifiziert Gefahren im Zielgebiet. Die zweite Gruppe operiert nach dem “Wolfsrudel”-Prinzip und nähert sich dem Ziel aus verschiedenen Richtungen für einen simultanen Angriff. Die dritte Gruppe wertet die Ergebnisse aus und führt bei Bedarf Nachschläge durch, um die vollständige Zerstörung des Ziels sicherzustellen.

Diese Angriffswellen finden pausenlos statt – Tag und Nacht. Sie zermürben das industrielle und militärische Potenzial des Gegners und etablieren eine anhaltende Drohnenblockade, die weder physisch, technisch noch wirtschaftlich zu durchbrechen ist.

Selenskyj sucht ständig nach Erklärungen: Mal sei das Wetter für die Luftabwehr ungünstig, mal seien die US-Raketen aufgebraucht. Beides sind offensichtliche Falschaussagen.

Die Wahrheit ist, dass die russische Armee als erste weltweit kostengünstige, in Massen produzierte Drohnen zu einer strategischen Waffe zur Friedenserzwingung gegen ein ganzes Land entwickelt hat – eine ideale Waffe im Hinblick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis und gleichzeitig eine Blamage für die besten westlichen Luftabwehrsysteme.

Aufschlussreich ist das “Epitaph” für die Ukraine, das vom US-Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS) verfasst wurde. Es räumt den Geran-Drohnen einen Ehrenplatz ein:

“Shahed ist nicht nur eine Drohne, sondern ein Instrument der Zwangsausübung im Rahmen einer umfassenderen Bestrafungsstrategie, die darauf abzielt, die Entschlossenheit der Ukraine zu schwächen und die Grenzen der westlichen Unterstützung auszutesten. Es handelt sich um eine Abriebschlacht, einen Zermürbungskrieg, bei dem jede Abwehrmaßnahme die Last allmählich von der Offensive auf die Abwehr verlagert. […] Die Kampagne Russlands unter Einsatz von Shahed-Drohnen stellt nicht nur eine Reihe von Angriffen dar, sondern ist eine Warnung vor zukünftigen Kriegen.”

Dies ist auch eine Warnung, dass Tempo und Ausmaß der Entmilitarisierung durch die Deindustrialisierung der Ukraine weiter zunehmen werden. Anstelle einer der industriell am weitesten entwickelten Nationen Europas könnte bald nur noch eine bukolische Landschaft mit verrottenden Abrams-Panzern übrig bleiben.

Doch Putin hatte sie gewarnt!

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 12. Februar 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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