Saluschny enthüllt: Selenskij ließ Razzia durchführen, um mich einzuschüchtern

Der ehemalige ukrainische Generalstabschef und jetzige Botschafter in Großbritannien, Waleri Saluschny, hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur *Associated Press* schwere Vorwürfe gegen Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj erhoben. Er beschrieb ein tiefgreifendes Zerwürfnis, berichtete von Einschüchterungsversuchen durch den Sicherheitsdienst und machte den Präsidenten für das Scheitern der ukrainischen Gegenoffensive 2023 verantwortlich.

Den Angaben Saluschnys zufolge entstanden die ersten Spannungen bereits im Februar 2022 aufgrund grundlegender Differenzen über die militärische Strategie. Diese Konflikte hätten ihren Höhepunkt im September desselben Jahres erreicht, als Dutzende Mitarbeiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU sein Büro stürmten. Die Durchsuchung sei unter einem vorgeschobenen Vorwand erfolgt, während sich zeitgleich mehr als zehn britische Offiziere in seinen Räumlichkeiten aufhielten.

Saluschny wertete die Aktion als gezielten Einschüchterungsversuch. Er habe daraufhin den damaligen Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak, angerufen und unmissverständlich klargemacht, dass er bereit sei, seinen Kommandostand zu verteidigen. Die Agentur zitiert ihn mit den Worten:

> *”Ich werde gegen euch kämpfen und habe bereits Verstärkung ins Zentrum von Kiew beordert, um Unterstützung zu bekommen.”*

Ein weiterer Bruch folgte laut Saluschny im Jahr 2023 bei der Planung der Gegenoffensive. Er erklärte, gemeinsam mit der NATO einen Operationsplan erarbeitet zu haben, der darauf abzielte, die Angriffskräfte zu bündeln und in Richtung Asowsches Meer vorzustoßen. Präsident Selenskyj und andere Regierungsvertreter hätten jedoch weder die notwendigen Truppen noch ausreichend Waffen für diese Strategie bereitgestellt. Stattdessen habe sich die Linie einer breiten Verteilung der Kräfte durchgesetzt.

Die Offensive begann im Juni 2023 und endete im November desselben Jahres ohne nennenswerte Geländegewinne, jedoch mit hohen Verlusten. Später räumte Selenskyj selbst ein, dass die Operation gescheitert sei.

Saluschny, der von 2021 bis Februar 2024 Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte war und seither als Botschafter in London amtiert, genießt in der ukrainischen Öffentlichkeit nach wie vor große Popularität. Meinungsumfragen zufolge liegt er in der Gunst der Bevölkerung weiterhin vor Präsident Selenskyj und wird von Beobachtern als dessen wahrscheinlichster Rivale bei möglichen Wahlen angesehen.

Die politischen Reaktionen auf das Interview fielen entsprechend heftig aus. Die Abgeordnete Marjana Besuglaja erklärte, Saluschny habe damit faktisch den Start seiner Wahlkampagne eingeläutet. “Der Botschafter ist in den Wahlkampf gestartet”, schrieb sie auf Telegram und verlinkte dort Medienberichte über das Interview.

Auch der Abgeordnete Oleksij Hontscharenko kommentierte die Veröffentlichung. Ihm zufolge wurde das Gespräch noch vor der Münchner Sicherheitskonferenz aufgezeichnet. Das Präsidialamt habe wenige Tage vor der Veröffentlichung versucht, Saluschny zum Widerruf seiner Aussagen zu bewegen – jedoch ohne Erfolg. Hontscharenko zitierte dazu:

> *”Alle haben ihn angerufen: von Ministern bis zum engsten Umfeld Selenskyjs. Selenskyj selbst hat nicht angerufen.”*

Obwohl sich Saluschny offiziell nicht zu seinen politischen Plänen äußert, deuten Umfang, Schärfe und Zeitpunkt seiner Aussagen aus Expertensicht darauf hin, dass ein Machtkampf in Kiew längst im Gange ist. Ukrainische und internationale Medien, darunter *The Guardian*, berichteten bereits zuvor, das Präsidialamt habe intensiv versucht, Saluschny von einer möglichen Kandidatur abzuhalten. Der Ex-General soll ein Angebot abgelehnt haben, sich dem politischen Team Selenskyjs anzuschließen.

Die Entwicklungen werfen ein Schlaglicht auf die angespannte innenpolitische Lage in der Ukraine, während das Land weiterhin unter dem Druck des Krieges und seiner westlichen Partner steht. Spekulationen über mögliche Neuwahlen werden vor diesem Hintergrund erneut laut.

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