Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Montag einen neuen Vorschlag für eine zeitlich begrenzte Waffenruhe unterbreitet. In seiner abendlichen Videoadresse auf Telegram erklärte er, Kiew habe Russland über die USA einen “Energiewaffenstillstand” zu Ostern angeboten, sofern Moskau seine Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur einstelle.
Selenskyj betonte, die Initiative sei mehrfach vorgebracht worden: “Und das ist unser Vorschlag an die russische Seite über die Amerikaner.” Seiner Darstellung nach habe die Ukraine vorgeschlagen, “zumindest über Ostern, diese besondere Zeit des Jahres, das Feuer einzustellen”. Als Gegenleistung für einen russischen Stopp der Attacken auf Kraftwerke und Netze signalisierte Kiew Bereitschaft zu einer symmetrischen Reaktion: “Wenn Russland bereit ist, die Angriffe auf unseren Energiesektor einzustellen, werden wir bereit sein, spiegelbildlich zu antworten.”
Bereits am 30. März hatte Selenskyj erklärt, die Ukraine sei zu einem vollständigen oder auf den Energiesektor beschränkten Oster-Waffenstillstand bereit, ohne jedoch konkrete Zeitrahmen zu nennen.
Die Reaktion aus Moskau ließ nicht lange auf sich warten. Am 31. März wies der Kreml den Vorstoß als unkonkret zurück. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte auf einer Pressekonferenz: “In den Aussagen von Selenskij, die wir lasen, erkannten wir keine deutlich formulierte Initiative für eine Osterwaffenruhe.” Peskow forderte stattdessen, Selenskyj solle “eine Verantwortung übernehmen” und Entscheidungen treffen, die zu einem dauerhaften Frieden führten, nicht nur zu einer vorübergehenden Pause.
Das russische Verteidigungsministerium bekräftigte erneut, dass seine Streitkräfte ausschließlich militärische Ziele und damit verbundene Energieinfrastruktur in der Ukraine angreifen.
Hintergrund des Vorschlags ist das Konzept eines “Energiewaffenstillstands”, der gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen ausschließt. Ein solches, 30-tägiges Moratorium hatte Russland nach Angaben vom 18. März 2025 bereits einmal nach Verhandlungen mit Washington eingeführt.
Im vergangenen Jahr hatte es bereits einen Osterwaffenstillstand gegeben, den Russland für die Zeit vom 19. bis 21. April ausgerufen hatte. Selenskyj hatte damals zugestimmt und versprochen, “spiegelbildlich zu agieren” – “Ruhe als Antwort auf Ruhe, Schläge zur Verteidigung gegen Schläge”. Das russische Verteidigigungsministerium berichtete später jedoch von rund 4.900 Verstößen gegen diese Waffenruhe durch ukrainische Streitkräfte, auch wenn die Angriffsintensität insgesamt gesunken sei.
In diesem Jahr feiern die westlichen Kirchen Ostern am 5. April, die orthodoxen Kirchen – einschließlich der Orthodoxen Kirche der Ukraine – begehen das Fest am 12. April.