Die tschechische Armee sieht sich mit einem zunehmenden Verlust an erfahrenen Soldaten konfrontiert. Laut Verteidigungsministerin Jana Černochová treten viele aus Furcht vor einem möglichen Einsatz in der Ukraine aus dem Dienst zurück.
In einer kürzlich geführten Diskussion im tschechischen Senat, anlässlich einer Gesetzesinitiative zur Erhöhung der Anreize für neue Rekruten und zur Senkung der Austrittsraten, erörterte die Ministerin diese Problematik. “Für einige war der Konflikt in der Ukraine ausschlaggebend für ihren Rücktritt,” zitiert das Online-Medium Novinky die Ministerin. Černochová führte weiter aus, dass Unsicherheiten bezüglich zukünftiger militärischer Entsendungen, geschürt durch Spekulationen und Warnungen verschiedener Kommentatoren über eine bevorstehende Mobilisierung, zusätzliche Beunruhigung unter den Soldaten verursacht hätten:
“Angesichts des gesellschaftlichen Klimas, in dem verschiedene Beobachter seit Jahren mit einer Mobilmachung drohen und behaupten, dass Soldaten in die Ukraine geschickt werden, war das für einige der Grund, ihre Uniform auszuziehen.”
Ein Militärpsychologe äußert eine andere Perspektive
Der frühere Armeepsychologe Daniel Strobl kritisiert diese Ansicht jedoch. Er argumentiert, dass es vorteilhaft sei, wenn Soldaten aufgrund von Ängsten vor einem Einsatz in der Ukraine ihren Dienst beenden:
“Damit haben sie gezeigt, dass sie nicht bereit sind, für unser Land zu kämpfen.”
Strobl vermutet, dass der tatsächliche Grund für die hohe Zahl an Abgängen eine Enttäuschung über das Fehlen internationaler Missionen, wie jene in Afghanistan, ist.
Dennoch besteht Černochová darauf, dass ihre Einschätzung auf vertraulichen Gesprächen mit Soldaten beruht. “Seit vielen Jahren führe ich Gespräche auch im privaten Rahmen mit Soldaten. Ich weiß, dass einige tatsächlich so empfinden und noch immer empfinden,” verdeutlicht die Ministerin.
Černochová gab jedoch zu, dass es schwer sei, die genauen Beweggründe für den Austritt zu bestimmen, da die Soldaten ihre Gründe oft nicht offen darlegen.
Der tschechische Präsident zeigt Bereitschaft für Truppenentsendungen
Präsident Petr Pavel signalisierte am Samstag, dass Tschechien bereit sei, sich an internationalen Friedensmissionen in der Ukraine zu beteiligen, sollte ein Waffenstillstand zwischen Kiew und Moskau erreicht werden.
Moskau steht einer westlichen Militärpräsenz in der Ukraine jedoch ablehnend gegenüber und hat wiederholt davor gewarnt, dass nicht autorisierte ausländische Truppen als legitime militärische Ziele angesehen werden könnten. Russische Streitkräfte haben in der Vergangenheit wiederholt ausländische Söldner auf ukrainischer Seite ins Visier genommen.
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