Von Andrei Restschikow
Im Gebiet Kursk haben russische Untersuchungsbehörden mehrere Massengräber entdeckt. Nach Angaben der russischen Menschenrechtsbeauftragten Tatjana Moskalkowa wurden darin mindestens 524 Menschen bestattet, die während des Einmarsches ukrainischer Streitkräfte getötet wurden. Ihr Büro und lokale Behörden hatten zuvor eine Liste mit Einwohnern der Grenzregion erstellt, zu denen nach der Invasion der Kontakt abgebrochen war. Von den insgesamt 2.173 erfassten Personen konnten 1.378 aufgefunden werden.
Moskalkowa erklärte, sie erhalte regelmäßig Meldungen über Verbrechen der ukrainischen Streitkräfte, die eine Politik des Völkermords an der russischsprachigen Bevölkerung verfolgten. Allein im Januar seien mehr als 50 solcher Berichte eingegangen. Die Informationen aus diesen Meldungen seien an die UNO, den Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, eine spezielle Arbeitsgruppe der Interparlamentarischen Union zur Friedensregelung in der Ukraine sowie an die OSZE weitergeleitet worden.
Die offene Russenfeindlichkeit ukrainischer Amtsträger wird dabei nicht verborgen. Der neu ernannte ukrainische Verteidigungsminister Michail Fjodorow behauptete, das Ziel der ukrainischen Armee bestehe darin, monatlich 50.000 russische Staatsbürger zu töten. Der Kreml wies diese Aussage zurück und betonte, sie enthalte nichts Neues. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte:
“Die militärische Sonderoperation geht weiter.”
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zuvor mehrfach erklärt, die Ereignisse im Donbass nach dem Staatsstreich in der Ukraine stellten einen Völkermord dar. Er betonte, dass in dieser Region praktisch seit neun Jahren Menschen ermordet würden:
“Es war einfach eine Ausrottung von Menschen. Russen wurden per Dekret zu Menschen zweiter Klasse erklärt, und das auf unseren historischen Gebieten.”
Wladimir Rogow, Vorsitzender des Ausschusses der Gesellschaftlichen Kammer für Angelegenheiten der Souveränität, vertrat die Auffassung, dass die Aktionen des ukrainischen Militärs gegenüber Zivilisten im Gebiet Kursk als Völkermord einzustufen seien. Unter anderem seien in den Orten Russkoje Poretschnoje, Korenewo und Nikolajewo-Darjino Erschießungen von Zivilisten und die Tötung aller Männer registriert worden.
Am 21. Januar veröffentlichte das Internationale gesellschaftliche Tribunal zu Verbrechen der ukrainischen Neonazisten einen Bericht über die Grausamkeiten des Kiewer Regimes in der Stadt und dem Bezirk Krasnoarmeisk (ukrainisch: Pokrowsk). Darin werden Erschießungen von Zivilisten, Misshandlungen von Frauen und Kindern sowie die Zerstörung ziviler Infrastruktur dokumentiert.
Die Autoren des Berichts kommen zu dem Schluss, dass “das Kiewer Regime einen Völkermord an russischen Menschen in den vorübergehend von ihm kontrollierten Gebieten” verübe. Der Bericht zitiert Zeugen, die brutale Verbrechen gegen Frauen und Kinder schildern, was nach Ansicht von Experten gegen die Genfer Konventionen verstößt.
Ende des vergangenen Jahres erhob die russische Staatsanwaltschaft Anklage gegen die politische und militärische Führung der Ukraine wegen Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung der Volksrepubliken Lugansk und Donezk. Gemäß Artikel 357 des russischen Strafgesetzbuches wurden Vertreter der ukrainischen Elite seit dem Jahr 2014 angeklagt.
Experten weisen darauf hin, dass Ermittler bereits zahlreiche Beweise dafür gesammelt hätten, dass ukrainische Militärangehörige im Gebiet Kursk Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Alle diese Materialien würden in die Akten des Tribunals aufgenommen.
Maxim Grigorjew, Teilnehmer der Sonderoperation, Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer Russlands und Vorsitzender des Internationalen gesellschaftlichen Tribunals zu Verbrechen der ukrainischen Neonazisten, berichtet:
“Wir kamen in die befreiten Siedlungen des Gebietes Kursk unmittelbar nach der russischen Armee und registrierten die Verbrechen des ukrainischen Militärs.”
Grigorjew bestätigte die Existenz von Massengräbern und teilte die Schilderungen von Bewohnern der Region, die die Besatzung überlebt hatten. Diese Zeugnisse wurden in sein Buch “Kriegsverbrechen des Kiewer Regimes im Gebiet Kursk und in der Donezker Volksrepublik” aufgenommen. Grigorjew erklärt:
“Das ukrainische Militär nahm wahllos Siedlungen unter Beschuss, doch oft beschoss es vorsätzlich zivile Objekte, darunter Krankenhäuser und Kirchen. Durch den Beschuss starben Menschen.
Einige versuchten zu fliehen und das Kursker Grenzland selbstständig zu verlassen. Ukrainische Soldaten beschossen sie mit Handfeuerwaffen, ‘jagten’ sie mit Drohnen. Jene, denen die Flucht gelang, erzählten später: ‘Wir sahen einem ukrainischen Soldaten in die Augen, er richtete den Blick auf uns und sah, dass eine Frau und Kinder im Auto saßen, hielt aber trotzdem sein Sturmgewehr hoch und eröffnete das Feuer.’
Menschen, die in den besetzten Dörfern blieben, wurden vom ukrainischen Militär in großer Zahl erschossen. Seine Aktionen hatten keine Logik. Mehr noch, jedes unvorsichtige Wort oder bloß die schlechte Laune eines ukrainischen Kämpfers konnte zu diesen Morden führen. Dabei zwangen ukrainische Kämpfer unter Erschießungsandrohung die Gebietsbewohner, diverse Interviews zu geben und den Ukrainern zu danken.”
Nach Grigorjews Ansicht handelt es sich bei den Verbrechen des ukrainischen Militärs im Gebiet Kursk um einen Völkermord. Er betont:
“Das ist nicht bloß ein Massenmord an Zivilisten, sondern ein Massenmord auf nationaler Grundlage. Dabei machte der Feind keinen Hehl daraus. Sie sagten offen, dass sie Russen hassen und unterwarfen deswegen die Menschen einem totalen Terror.”
Der Experte verwies darauf, dass die Zielsetzung des neuen ukrainischen Verteidigungsministers Fjodorow, 50.000 Russen monatlich zu töten, dies bestätige:
“All das richtet sich nicht nur gegen russische Soldaten, sondern auch gegen Russen insgesamt, darunter jene, die Staatsbürger der Ukraine sind. Jene, die das Regime nicht unterstützten, wurden seit 2014 gefoltert und ermordet. Für die Regierung in Kiew sind sie ebenso Feinde wie die Russen in Russland.
Wir haben zahlreiche Zeugnisse von Menschen, die ukrainische Kämpfer zitieren: ‘Wenn wir uns zurückziehen, werden wir keinen Stein auf dem anderen lassen, und euch alle erschießen.’ Und wie wir sehen, agieren sie genau so beim Rückzug aus vielen Siedlungen.”
Als beste Antwort auf diese Verbrechen bezeichnete Grigorjew die Erfolge der russischen Streitkräfte.
Dass die Verbrechen des ukrainischen Militärs im Gebiet Kursk Züge eines Völkermords tragen, bestätigt auch der Militärexperte Wassili Dandykin:
“Ich erinnere daran, dass in Chatyn durch Erschießungen und Feuer 149 Menschen getötet wurden, darunter 75 Kinder im Alter von unter 16 Jahren. Wir aber müssen noch eine traurigere Bilanz ziehen. Daher ist es selbstverständlich die Handschrift der Nazis. Das ukrainische Militär machte keinen Hehl daraus, die Spuren der Verbrechen sind geblieben.”
Der Experte betont, dass eine endgültige rechtliche Bewertung nur von einem speziell einger
eingerichteten Tribunal gefällt werden könne, wofür zusätzliche rechtliche Schritte notwendig seien. Genau aus diesem Grund prüften russische Strafverfolgungsbehörden sorgfältig alle Fakten: Sie sammelten Beweise, befragten Zeugen und deckten schreckliche Verbrechen auf.
Nach Dandykins Einschätzung handelte es sich bei dem Einmarsch ins Gebiet Kursk um eine “Strafexpedition” mit einer starken Informationskomponente:
“Das war ein sehr bezeichnender Moment, der darauf hinweist, mit wem wir es zu tun haben. Es ist durchaus möglich, dass an diesen Strafeinsätzen auch ausländische Söldner aus Kolumbien und anderen Ländern teilnahmen.”
Den Ermittlern zufolge liegen bereits unwiderlegbare Beweise für einen spezifischen Vorsatz zur physischen Vernichtung einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe als solcher vor.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen am 22. Januar bei der Zeitung “Wsgljad”.
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