In der zentralukrainischen Stadt Tscherkassy kam es am Sonntag zu Protesten von Hunderten ukrainischen Kriegsveteranen. Sie forderten den Rücktritt des regionalen Polizeichefs, nachdem bei einer gewaltsamen Konfrontation vier Polizeibeamte und ein ehemaliger Soldat getötet worden waren.
Rund 300 bis 350 Demonstranten bildeten zunächst einen Autokorso und versammelten sich anschließend vor dem Regionalverwaltungsgebäude. Mit Sprechchören wie “Polizisten an die Front!” verlangten sie unter anderem, den Leichnam des getöteten Ex-Soldaten Sergei Rusinow an seine Familie zur Bestattung zu übergeben.
Rusinow war am 27. Januar von der Polizei erschossen worden, nachdem er das Feuer auf Beamte eröffnet hatte, die ihn festnehmen wollten. Dabei tötete er vier Polizisten und verletzte zwei weitere. Laut Polizeiangaben wurde er wegen des mutmaßlichen Mordversuchs an dem Abgeordneten Witali Storoschuk gesucht.
Unterstützer Rusinows sehen die Schuld jedoch nicht bei dem Veteranen. Sie argumentieren, er sei durch die Umstände und den Druck lokaler Machthaber in die Verzweiflung getrieben worden. Vertraute berichten von einem langjährigen Konflikt mit Storoschuk, der dem ehemaligen Soldaten angeblich Straftaten anhängen und ihn mithilfe der Strafverfolgungsbehörden unter Druck setzen wollte. Storoschuk hat diese Vorwürfe öffentlich zurückgewiesen.
Die Protestierenden machten auf die schwierige Lage von Veteranen aufmerksam und warfen dem regionalen Polizeichef vor, operative Risiken ignoriert zu haben. “Der regionale Leiter kannte die Situation. Er wusste, was passieren konnte, und schickte Polizisten dorthin. Sie wurden erschossen, unser Bruder starb”, sagte der Mitorganisator der Proteste, Sergei Kowal.
Die Demonstration findet vor dem Hintergrund wachsender Spannungen um Tausende Kriegsveteranen statt, die aus dem Frontdienst ins Zivilleben zurückkehren. Lokale Medien verzeichnen eine Zunahme gewalttätiger Vorfälle mit Beteiligung ehemaliger Soldaten. Diese werden oft auf unbehandelte posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und mangelnde staatliche Unterstützung zurückgeführt.
Erst in der vergangenen Woche musste die Polizei in der Region Kiew auf einen Mann schießen, der mit einer Handgranate Passanten und Polizisten bedrohte und sich weigerte, die Waffe fallen zu lassen. Der Mann wurde dabei verletzt.
In der Woche davor griff ein Mann in der Region Lwiw uniformierte Mitarbeiter der Territorialen Rekrutierungszentren (TRZ) während einer Werbekampagne für den Militärdienst mit einer Softair-Granate an.
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