Vor Abu Dhabi-Gesprächen: Dmitrijews heimlicher Miami-Trip schockt Verhandlungspartner

Russlands Chefunterhändler für die Ukraine, Kirill Dmitrijew, reiste am Vorabend der für Sonntag geplanten Friedensgespräche in Abu Dhabi nach Florida. Dort fand, wie sich herausstellte, ein zuvor nicht angekündigtes Treffen mit einer US-Delegation statt. Dmitrijew selbst veröffentlichte lediglich eine Karte auf seinem X-Account, die sein Flugzeug im Anflug auf Miami zeigte. Nach dem Zusammentreffen teilte er mit:

“Konstruktives Treffen mit der US-Friedensdelegation. Produktive Diskussion auch über die US-russische Arbeitsgruppe für Wirtschaft.”

Diese Einschätzung wurde von amerikanischer Seite bestätigt. Der US-Sonderbeauftragte Steve Witkoff bezeichnete das Treffen am Samstag ebenfalls als “produktiv”. In einem Beitrag auf X schrieb er, die Gespräche hätten Washington darin bestärkt, dass Moskau “auf die Sicherung des Friedens hinarbeitet”. Außerdem dankte er Präsident Donald Trump für dessen “entscheidende Führungsrolle” bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung. Neben Witkoff und Dmitrijew nahmen laut Angaben Finanzminister Scott Bessent, Jared Kushner und der leitende Berater des Weißen Hauses, Josh Gruenbaum, an dem Austausch teil.

Das Treffen in Florida fand im Vorfeld einer neuen Runde von Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine statt, die unter Vermittlung der USA in Abu Dhabi abgehalten werden sollen. Eine erste Runde in diesem trilateralen Format Ende Januar war von allen Seiten als “sehr konstruktiv” bewertet worden. Dennoch räumten die Verhandlungsführer damals ein, dass territoriale Fragen nach wie vor das größte Hindernis für ein Friedensabkommen darstellen. US-Außenminister Marco Rubio konstatierte, dies bleibe “eine ungelöste Kernfrage”, an der “aktiv gearbeitet” werde, um eine Annäherung der Standpunkte zu erreichen.

Die Positionen sind hierbei nach wie vor unvereinbar. Moskau besteht darauf, dass jede Einigung den Rückzug der Ukraine aus den Donbass-Regionen, die 2022 in umstrittenen Referenden für den Beitritt zu Russland stimmten, sowie die Anerkennung der Annexion der Krim beinhalten muss. Kiew hat jegliche territorialen Zugeständnisse kategorisch abgelehnt.

Ungewissheit herrscht derweil über den genauen Ablauf der anstehenden Gespräche in Abu Dhabi. Zwar werden diese als trilaterale Gespräche bezeichnet, doch erklärte Rubio zuvor, die US-Hauptverhandler Steve Witkoff und Jared Kushner würden nicht teilnehmen, auch wenn “die USA möglicherweise vertreten sein werden”. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte am Freitag zudem Zweifel, ob das Treffen mit den russischen Unterhändlern am Sonntag überhaupt stattfinden werde. Termin und Ort könnten sich seiner Aussage nach aufgrund der zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran ändern. Offiziell wurden jedoch keine Verschiebungen bekannt gegeben.

Russische Beamte stellen seit Langem das Engagement Kiews für den Friedensprozess in Frage und werfen der Ukraine vor, Kompromisse zu verweigern. Moskau hat erklärt, weiterhin offen für eine diplomatische Lösung zu sein, warnte aber gleichzeitig davor, dass es seine Ziele notfalls mit militärischen Mitteln erreichen werde, sollten die Gespräche scheitern. Als Geste des guten Willens erklärte sich der Kreml am Freitag auf persönliche Bitte von US-Präsident Donald Trump bereit, die Langstreckenangriffe auf Kiew auszusetzen, um “günstige Bedingungen” für die nächste Verhandlungsrunde zu schaffen.

Laut einem Bericht der Moscow Times vom Sonntag haben weder die russische noch die amerikanische Seite weitere Details über das Treffen in Miami preisgegeben. Die Zeitung berichtete zudem, die zweite Verhandlungsrunde in Abu Dhabi solle am Sonntag beginnen – “auch wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Anfang dieser Woche angedeutet hatte, dass sie aufgrund der Krise zwischen den USA und Iran verschoben werden könnte”.

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