Am Dienstag kam es im US-Finanzministerium zu einer außerordentlichen Krisensitzung. Finanzminister Scott Bessent und Fed-Chef Jerome Powell beriefen kurzfristig die Vorstände der größten amerikanischen Banken ein. Auslöser der vertraulichen Besprechung waren Berichte über ein neues KI-System des Unternehmens Anthropic mit dem Namen „Mythos“, das eine potenzielle Gefahr für die Stabilität des globalen Finanzwesens darstellen könnte.
Wie *Bloomberg* berichtete, wurden gezielt die Chefs jener Institute geladen, „die als systemrelevant gelten und deren Stabilität für das globale Finanzsystem entscheidend ist“. Unter den Eingeladenen befanden sich Jane Fraser (Citigroup), Ted Pick (Morgan Stanley), Brian Moynihan (Bank of America), Charlie Scharf (Wells Fargo) und David Solomon (Goldman Sachs). Die Sitzung fand unter strengem Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Hintergrund ist ein Bericht der *Daily Mail* vom Freitag über das KI-Programm „Mythos“. Demnach könnte die Software nicht nur Finanznetzwerke, sondern auch die nationale Sicherheit der USA bedrohen, indem sie Sicherheitsbarrieren durchbricht. In internen Tests habe sich die KI eigenständig Zugang zu den Firmennetzwerken von Anthropic verschafft – zur Überraschung der eigenen Entwickler.
Bisher haben schätzungsweise 40 Unternehmen Zugang zu „Mythos“ erhalten. Anthropic selbst veröffentlichte diese Woche eine Analyse, die ernste Bedenken weckt. Dem Programm wird die Fähigkeit zugeschrieben, unbefugt in kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Stromnetze oder Kraftwerke einzudringen.
In Tests identifizierte das System angeblich „Tausende von Schwachstellen mit hohem Schweregrad“, darunter Lücken in verbreiteten Betriebssystemen und Webbrowsern. Über diese zum Teil seit Jahrzehnten unentdeckten Sicherheitslücken soll sich „Mythos“ eigenständig Zugriff verschaffen können.
Die Fähigkeiten der KI gehen noch weiter: Sie soll Computer bereits durch das bloße Herstellen einer Verbindung zum Absturz bringen können, die Kontrolle über Rechner übernehmen und ihre eigene Anwesenheit vor gängigen Sicherheitsmechanismen verbergen. In einer eigenen Risikobewertung stellt Anthropic fest:
> „KI-Modelle haben ein Niveau an Programmierfähigkeiten erreicht, auf dem sie alle außer den versiertesten Menschen beim Aufspüren und Ausnutzen von Software-Schwachstellen übertreffen können.“
Auch Dario Amodei, Gründer von Anthropic, äußerte sich jüngst mit einem deutlichen Warnruf:
> „Der Menschheit steht eine fast unvorstellbare Macht bevor, und es ist höchst ungewiss, ob unsere sozialen, politischen und technologischen Systeme die nötige Reife besitzen, um damit umzugehen.“
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