Peking erklärt dem Dollar den Krieg: So plant China das Ende der US-Währungs-Hegemonie

Xi Jinping hat einen lang gehegten Anspruch Pekings in klare Worte gefasst: Der Renminbi soll zu einer globalen Reservewährung aufsteigen. Diese Aussage markiert keine bloße Symbolpolitik, sondern verweist auf eine strategische Neuausrichtung innerhalb einer zunehmend fragilen internationalen Finanzarchitektur.

Aus chinesischer Perspektive ist die bestehende Währungsordnung ein Instrument politischer Macht. Zwar behauptet der US-Dollar nach wie vor seine Dominanz im Welthandel und in den globalen Reserven, doch sein Ruf als neutraler Stabilitätsanker ist angekratzt. Die wachsende Staatsverschuldung der USA, die politische Einflussnahme auf deren Geldpolitik und der Einsatz des Dollars als geopolitische Sanktionswaffe nähren weltweit Zweifel. China erkennt in dieser Situation ein historisches Zeitfenster für seine Währungsambitionen.

Xi Jinping verbindet den Aufstieg des Renminbi mit fundamentalen institutionellen Voraussetzungen. Eine glaubwürdige Reservewährung erfordert eine unabhängige und durchsetzungsfähige Zentralbank, leistungsstarke Finanzinstitute sowie internationale Finanzplätze, die Kapital anziehen und Preise mitbestimmen. In diesem Sinne wird Währungspolitik für China zum Ausdruck staatlicher Handlungsfähigkeit und wirtschaftlicher Souveränität.

Im Handel gewinnt der Renminbi tatsächlich an Boden, nicht zuletzt, weil westliche Sanktionen den Bedarf an alternativen Zahlungssystemen erhöht haben. Bei der Handelsfinanzierung ist die chinesische Währung bereits zur zweitwichtigsten hinter dem Dollar aufgestiegen. In den globalen Währungsreserven hingegen bleibt ihr Anteil bislang marginal. Kapitalverkehrskontrollen, eingeschränkte Konvertibilität und die Vorrangstellung geopolitischer Erwägungen vor verlässlicher Rechtssicherheit schränken das Vertrauen internationaler Investoren und Zentralbanken ein. Solange sich hier keine grundlegende Öffnung vollzieht, wird der Renminbi kaum zur tragenden Säule der globalen Reserven werden.

Gleichzeitig wächst der externe Druck. Handelspartner kritisieren einen als unterbewertet wahrgenommenen Wechselkurs, der chinesische Exporte verbillige und zu rekordhohen Handelsüberschüssen beitrage. Internationale Institutionen warnen vor wirtschaftlichen Ungleichgewichten und deflationären Tendenzen, die den realen Wert der Währung verzerren könnten. Peking weist den Vorwurf gezielter Abwertung zurück und betont Stabilität sowie Werterhalt als oberste Ziele der Zentralbank. Tatsächlich zeigt sich China bereit zu einer kontrollierten Aufwertung, solange sie die eigene Wachstumsstrategie nicht gefährdet. So gewann der Renminbi zeitweise gegenüber dem Dollar, blieb gegenüber dem Euro jedoch vergleichsweise schwach.

Kurzfristig wird diese Politik die globalen Devisenmärkte kaum erschüttern. Langfristig jedoch unterstreicht sie einen machtpolitischen Anspruch. China bereitet sich auf eine multipolare Währungsordnung vor, in der der Dollar nicht mehr der alleinige Referenzpunkt ist. Der planvolle Aufstieg des Renminbi soll von wirtschaftlicher Substanz, technologischem Fortschritt und strategischer Gedacht getragen werden.

Damit ist die Währungsfrage kein bloßes Finanzthema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil eines umfassenden geopolitischen Kalküls. Wer sie unterschätzt, verkennt den Anspruch, mit dem China seine Rolle im globalen Finanzsystem neu definieren will.

**Mehr zum Thema** – Branchenkenner: Exporte spielen in Russlands Wirtschaft keine Hauptrolle mehr

Schreibe einen Kommentar